Fußball Oberliga
: Geht es für den SSV Reutlingen bald gegen Bundesliga-Nachwuchs?

Der FC Heidenheim möchte seine frisch gegründete U21 in der Oberliga ins Rennen schicken, statt wie sonst üblich in der Verbandsliga. Der Antrag hat eine heiße Debatte zur Folge.
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Fussball OL | SSV Reutlingen vs. Karlsruher SC II: Fussball OL | SSV Reutlingen (rot) vs. Karlsruher SC II (blau) // 2025-11-01 // Foto: Joachim Baur // #17 Moritz Kuhn (SSV Reutlingen) / #16 Houssam Arbai (KSC II), mitte/re

Kräftemessen mit Bundesliga-Ablegern: Nach dem direkten Aufstieg aus der Verbandsliga Nordbaden spielt der Karlsruher SC II in der Oberliga Baden-Württemberg. Im ersten Treffen mit dem SSV Reutlingen, hier Moritz Kuhn (Mitte) gegen Houssam Arbai (rechts) trennten sich die Teams mit einem 1:1-Unentschieden. Wie jetzt Heidenheim, wollten die Karlsruher das Jahr in der Verbandsliga umgehen.

Joachim Baur
  • FC Heidenheim beantragt U21-Start direkt in der Oberliga statt Verbandsliga.
  • WFV bestätigt Antrag; Entscheidung in weniger als zwei Wochen erwartet.
  • Karlsruher SC U21 durfte 2024/25 nicht direkt in die Oberliga, startete unten.
  • SSV Reutlingen lehnt Antrag ab: Fairness, Planung, möglicher Extra-Absteiger.
  • OLBW GmbH entscheidet; DFL plant bundesweite U21-Liga; Young Boys gelassen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Da hat der FC Heidenheim gleich für einen doppelten Knaller gesorgt: Nicht nur soll nach über zehn Jahren wieder eine U21 aufgebaut werden, sondern „der Verein hat dem Verband gegenüber den Wunsch geäußert, direkt in der Oberliga einsteigen zu wollen“, wie Heiner Baumeister, Sprecher des Württembergischen Fußballverbands (WFV) bestätigt. Ein Novum, denn damit ist klar, dass der FCH-Nachwuchs nicht wie sonst üblich in der Verbandsliga debütiert. „Der Verein muss diesen Schritt nicht begründen, aber der Grundgedanke ist nachvollziehbar“, so Baumeister. Die Heidenheimer sehen in der höheren Liga die Möglichkeit, jungen Spielern schneller den Sprung in den Profikader in Aussicht stellen zu können. Fakt ist jedoch, dass um den mutigen Vorstoß eine emotionale, heiße Debatte entbrannt ist – allen voran geführt, von den Vereinen, die derzeit in der Oberliga spielen.

Warum und wie genau aufseiten des FC Heidenheim der Eindruck entstehen konnte, dass der Antrag von Erfolg gekrönt sein könnte, wirft bei einem Blick in die Vergangenheit Fragen auf. Zwar möchte Baumeister nicht direkt von einem Präzedenzfall sprechen, doch er gesteht Parallelen zu einem ähnlichen Fall zu. Schon zur Saison 2024/25 hatte der Verband in einer gleichartigen Angelegenheit entscheiden müssen. Damals wollte der Karlsruher SC die U21 in der Oberliga Baden-Württemberg unterbringen, kassierte aber eine Abfuhr. Die KSC-U21 musste eben doch von der Verbandsliga aus den Weg nach oben antreten. Inzwischen haben sich die Zuständigkeiten intern geändert: „Die Oberliga der Männer wird seit der Saison 2025/26 von der OLBW Oberliga Baden-Württemberg GmbH organisiert“, erklärt Baumeister, „und sie ist für den Spielbetrieb zuständig.“ Und damit auch für die Entscheidung in der umstrittenen Causa „FC Heidenheim U21“. Die GmbH besteht aus den Spielleitern der drei Verbände Baden, Südbaden und Württemberg.

Komplexe Sachlage, wenig Zeit zum Grübeln

Bereits in weniger als zwei Wochen ist in der heiklen Angelegenheit mit einer Entscheidung zu rechnen, wie Baumeister auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE verrät. Die Fachgruppe Spielbetrieb, die den Vorschlag ausgearbeitet hat, musste sich ranhalten – immerhin möchte Heidenheim schon in der Saison 2026/27 Fünftligist sein. Über die Pros und Kontras, die im Raum stehen und die Gesellschafterversammlung der GmbH, also die drei Präsidenten der Landesverbände, in ihrer Entscheidung beeinflussen könnten, will der Verband nicht sprechen. Dafür aber die vielleicht Bald-Konkurrenz der Heidenheimer. In einem Video-Meeting vor zwei Wochen haben die anwesenden Vereine, wie bekannt wurde, an Kritik nicht gespart. Die Skepsis war nicht zu überhören; es war überdies die einzige Möglichkeit, ihre eigene Meinung und Einschätzung zu dem Thema kundzutun.

Entsprechend unverhohlen der Unmut im Statement des SSV Reutlingen vom Freitagnachmittag. Die Verantwortlichen des Traditionsvereins sehen gleich mehrere Aspekte der aktuellen Diskussion kritisch. Ein mögliches Zugeständnis an den 1. FC Heidenheim würde aus Sicht des SSV bedeuten, dass zeitgleich viele Grundprinzipien des fairen Sports ausgehebelt würden. „Die Oberliga ist keine Ausbildungsliga“, schreibt der SSV, denn wie jede andere Liga ist die Oberliga „eine leistungsorientierte Spielklasse, deren Zugehörigkeit sich Vereine sportlich erarbeitet haben.“ Und diese Arbeit sei nicht zu unterschätzen, wie der SSV betont, denn die eigene Jugendarbeit und der Semiamateursport lebten allen voran von Ehrenamtlichen. Nicht nur beim SSV sind die Strukturen so aufgebaut, diesen Charakter weist die gesamte Liga auf. Das Signal an diese Menschen sei verheerend, sollte einem Profiklub der Zugang auf diesem Wege ermöglicht werden.

Dass die Liga, genauer gesagt die Vereine, durch einen auch finanziellen Mega-Player wie den FC Heidenheim unter Druck geraten könnten, lässt Baumeister unkommentiert. Im Statement des SSV ist dazu eine klare Haltung zu finden: „Der SSV hat seine sportliche und wirtschaftliche Planung auf Grundlage der bestehenden Rahmenbedingungen vorgenommen und erwartet, dass diese nicht nachträglich geändert wird.“ Zumal die gesamte Fragestellung dem Verein widersinnig erscheint, da die Deutsche Fußball-Liga (DFL) derzeit ohnehin eine eigene, bundesweite U21-Liga einzuführen plant. In dieser wäre auch der Heidenheimer Nachwuchs richtig aufgehoben, so das Argument des SSV.

„Ein wichtiger Aspekt für die jetzigen Ligateilnehmer wäre, dass es gegebenenfalls einen Absteiger mehr geben würde“, weist Baumeister auf weitere Problemstellungen hin, die angesprochen wurden. Zumal dann Vereine absteigen würden, die keinen Einfluss auf die Entwicklung hätten, da sie nicht sportlicher Natur wäre, wie der SSV nachschärft. Die Haltung der SSV-Verantwortlichen Sascha Schneider, Joe Yebio und Christian Grießer ist eindeutig: Im Sinne der Liga und ihrem Verständnis von Sportlichkeit, Fairness und Transparenz ersuchen sie die Gesellschafter darum, den Antrag abzulehnen.

Keine Sog, keine Präzedenz?

Obwohl die Liga nun das zweite Jahr in Folge von dieser Diskussion ereilt wird und die finale Entscheidung noch aussteht, ist sich Baumeister dennoch sicher, dass „auch wenn dem Antrag des 1.FC Heidenheim zugestimmt wird, dies keine Sogwirkung haben würde“. Als (Noch-)Bundesligist sei der FC im Verbandsgebiet eine Ausnahme. „Viele andere Vereine haben wir nicht, die einen solchen Schritt und einen solchen Antrag überhaupt ins Auge fassen würden“, führt er aus.

Tiefenentspannt auch die Haltung im Lager eines möglichen Bald-Oberligisten, immerhin wollen die Young Boys Reutlingen nach Möglichkeit in der kommenden Saison als Neuling die Liga unsicher machen. „Mich würde das nicht stören“, so Volker Grimminger, Trainer der Young Boys, als er nach seiner Einschätzung zu der Debatte gefragt wird. „Sie haben auch nur zwei Beine.“