Fußball Oberliga
: Der SSV Reutlingen zockt sich daheim zum 3:0-Sieg

Allmählich sportlicher Zugzwang, aufsehenserregende Personalentscheidungen und ein verdienter Sieg: Der SSV Reutlingen schlägt Türkspor Neckarsulm mit 3:0.
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Der Doppelpacker für den SSV Reutlingen schreit seine Freude heraus: Denis Gudzevic brachte seine Mannschaft mit zwei sehenswerten, flachen Schüssen mit 2:0 in Führung.

Der Doppelpacker für den SSV Reutlingen schreit seine Freude heraus: Denis Gudzevic brachte seine Mannschaft mit sehenswerten, flachen Schüssen aus der Entfernung mit 2:0 in Führung.

Joachim Baur
  • SSV Reutlingen besiegt Türkspor Neckarsulm 3:0 und kontrolliert das Spiel im Regen.
  • Trainer Herbst setzt Sökler, Markopoulos und Pepic nicht ein – sie sind nicht verletzt.
  • Gudzevic trifft in Minute 20 und 39, Zimmermann erhöht in 90.+1 auf 3:0.
  • Pfostentreffer El Abed in 53. Minute bleibt einzige große Chance der Gäste.
  • Neue Spieler überzeugen, Gudzevic trägt Kapitänsbinde und lobt den Teamgeist.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es wurde beim Blick auf die Aufstellung, die Thomas Herbst, Trainer des SSV Reutlingen, gegen Türkspor Neckarsulm ins Rennen schickte, nicht schlecht gestaunt: Konstantinos Markopoulos, Kapitän Marcel Sökler und Nedim Pepic waren weder auf der Bank noch im Kader zu finden. Vielmehr saßen die drei wind- und wettergeschützt unter dem Dach der Tribüne im Stadion an der Kreuzeiche – und waren nur Zuschauer, als der SSV Neckarsulm mit 3:0 schlagen konnte. „Das war weder eine leichte noch eine populäre Entscheidung“, gibt der Coach zu. Vielmehr eine Entscheidung, die er als wesentlich jüngerer Trainer wohl  vielleicht nicht so hätte treffen können. „Ich hatte den Eindruck, dass großer Druck und Erwartungen auf ihnen liegen, ich wollte sie mal durchschnaufen lassen“, erklärte Herbst sich nach dem Spiel, „klar, wenn das schiefgeht und wir nichts holen, haben wir noch eine Diskussion mehr zu führen.“ Doch die Fragen nach dem überzeugenden Sieg gegen Neckarsulm könnten durchaus lauten, ob sich die Diskussion nicht erstens lohnen könnte und zweitens jetzt erst recht geführt wird.

Den Reset-Knopf fürs Team gefunden

Denn die Spieler, die Herbst als Alternativen agieren ließ, machten ihre Sache gut. Wycliff Yeboah und Tim Schwaiger hielt der Trainer selbst fest, zeigten gar ihre bislang besten Saisonleistungen. Herausstechen konnte auch der neue Kapitän, Denis Gudzevic. „Diese Binde am Arm ist ein tolles Symbol, aber ich brauche eigentlich keinen extra Push. Ich will immer vorangehen“, sagte dieser strahlend nach dem Abpfiff – wohlwissend, dass er es war, der in Durchgang Nummer eins zwei Mal den Neckarsulmer Abwehrblock geknackt bekam. Nach kurzer Findungsphase kam der SSV immer besser ins Spiel und übernahm in strömendem Regen die Spielkontrolle. Nachdem einige gute Ansätze von eben jenem Tim Schwaiger noch nicht trafen, schloss Gudzevic in der 20. Minute kompromisslos aus der zweiten Reihe ab – 1:0. Danach flachte das Spiel ab. Dies war auch durch die Tatsache begründet, dass die Gäste kaum etwas zum Spiel beitragen konnten. Zwar musste SSV-Torwart Nino Trost einige Male ran, aber es blieb auf beiden Seiten überschaubar.

Guzevics zweites Tor, fast eine 1:1-Wiederholung des ersten Treffers, kam daher einigermaßen aus dem Nichts (39. Minute). Nach Vorlage von Luca Plattenhardt über die linke Seite, schob er erneut ein. „Heute war die Gemeinschaft da, die zuletzt oft gefehlt hat, und wo dann auch die Ergebnisse nicht gestimmt haben“, so der Doppelpacker, „wir haben mehr gearbeitet als Gegner, das ganze Team hat zusammengehalten“, lobt er. Auch der dritte Treffer lag noch vor dem Pausenpfiff in der Luft: Schwaiger, Yeboah und Yannick Toth konnten jedoch nicht jeweils voneinander abstauben (44.). Es blieb nach 45 Minuten beim 2:0. Die Chancenverwertung in Durchgang eins war auch das größte Manko, das Herbst im Spiel seiner Mannschaft feststellte.

Warum der dreifache Wechsel?

Was genau sich intern abgespielt hat und final dafür gesorgt hatte, dass Sökler, Markopoulos und Pepic nicht mal im Kader waren, konnte nicht geklärt werden. Auch blieb offen, wann und wie Trainer Thomas Herbst ihnen das kommunizierte. Auf der Pressekonferenz fiel der Satz, dass er es ihnen gar nicht mitgeteilt hatte. Fakt ist, dass keiner der drei verletzt ist und sie zeitnah wieder ins Team zurückkommen können. Ob und wie sie zu Einsatzzeiten kommen, dürfte spannend werden, in Anbetracht der Tatsache, dass sich einige Spieler das Vertrauen des Trainers an diesem Wochenende ebenso verdient haben.

„Wir gewinnen verdient, aber ich muss ehrlich sagen, dass wir dann Anfang der zweiten Hälfte ein wenig Glück haben und uns nicht das 2:1 einfangen“, wie Toth später nicht unerwähnt lässt. Tatsächlich atmete das ganze SSV-Team spürbar durch, als der Schuss von Karim El Abed in der 53. Minute nur gegen den Pfosten rummste. Es sollte die einzig gefährliche Torannäherung der Gäste bleiben. Das Spiel verlagerte sich zum Großteil der zweiten Hälfte in die Region um den Mittelkreis, ehe kurz vor dem Ende der SSV dann abermals hochdrehte und merklich mutiger wurde.

Eine Beobachtung, die sich mit Toths Wahrnehmung zu decken schien: „Dieses Kombinieren, dieses Zocken, das hat richtig Spaß gemacht und da lassen wir noch Tore liegen“, sagt dieser. Nicht mehr einschieben konnten der eingewechselte Samuel Melissopoulos (89.), oder kurz zuvor Teamkollege Noah-Elias Maurer, der nach sehenswerter Ballstaffette sehr frei zum Torschuss gekommen war (86.). Für das 3:0 sorgte nach feiner Kopfballverlängerung Stefan Zimmermann (90.+). „Ich hab’ ein Team gesehen, das 90 Minuten hungrig war und einen riesigen Aufwand betrieben hat. Das war ein gutes Spiel, ein schöner Samstagnachmittag“, hält Herbst abschließend fest – mit demselben zufriedenen Schmunzeln, um die Lippen, wie alle, die es mit dem SSV halten oder mitgespielt haben.

So spielten sie

SSV Reutlingen: Trost, Hageloch, Zimmermann, Toth (83. Sauerborn), Asare (60. Melissopoulos), Gudzevic, Yeboah, Bouich (60. Maurer), Schwaiger, Plattenhardt (90.+1 Riedinger), Vogler (83. Wagner)

Türkspor Neckarsulm: Michalik, El Abed, Albayrak (85. Pförtner), Buturuga, Kaliki, Omerovic, Suncak, Bulut (76. Rohm), Bah (58. Demir), Hoxha (79. Tasdögen)

Tore: 1:0 Gudzevic (20.), 2:0 Gudzevic (39.), 3:0 Zimmermann (90.+1)

Schiedsrichter: Krapf

Zuschauer: 700