Ermstal-Marathon: Der Weg nach Amsterdam führt übers Ermstal

Anthony Tomsich (Zweiter von links) in guter Gesellschaft. Simon Stützel (rechts neben ihm) war in 2022 ein exzellenter "Mitläufer". Schnelle Partner pushen den Läufer von der LAV Tübingen.
Thomas KiehlEs ist der ganz besondere Flair beim Ermstal-Marathon, der Spitzenläuferinnen und -läufer anzieht. "Die Stimmung an der Strecke macht den Reiz aus", hat Leah Hanle gesagt. Sie macht sich auf, ihren zwei Siegen über die zehn Kilometer Nummer drei folgen zu lassen (wir haben berichtet). Anthony Tomsich könnte den Zehner auch prima, sein Ding ist aber der Halbmarathon. Dass er den Weg zwischen Metzingen und Bad Urach (und retour) sehr gut kennt, ist nicht nur so daher gesagt. 2022 hat er gewonnen, 2023 hat er gewonnen - es gibt deshalb keinen Grund, sich für den zweiten Sonntag im Juli irgendetwas anderes vorzunehmen. "Das Event ist ganz toll, ist in der Nähe und gibt unserer Laufszene in der Region eine gute Energie", lobt der Lauf-Enthusiast.
Wieder lockt der Marathon
Einer wie Anthony Tomsich rennt natürlich nicht nur mit, weil ihm der Lauf gefällt. Gewisse Absichten stecken dahinter, es gibt Trainingspläne, die langfristig ausgelegt sind. An deren Ende steht für den gebürtigen US-Amerikaner ein Marathon. Jener in Amsterdam soll es sein, der am 20. Oktober gestartet wird. Praktischerweise ist dort Tomsichs Ausrüster Mizuno sehr engagiert, sodass am weltweit angesehenen Lauf-Großereignis praktisch kein Weg vorbei führt. Und genau deshalb ist er auch beim Ermstal-Marathon wieder aktiv. Er passt wunderbar in den Trainingsplan, beziehungsweise wurde jener genau so konzipiert.
Wer macht mit?
Der Läufer der LAV Stadtwerke Tübingen wird sich im Ermstal garantiert in guter Gesellschaft befinden. Allerdings wusste er beim Gespräch noch nicht was, beziehungsweise wer auf ihn wartet. "Ich habe mich nicht informiert. Da kann sich ja aber auch noch einiges tun. Ich konzentriere mich auf die lokalen Events, natürlich wäre es schön, wenn ich gute Konkurrenz hätte, Leute, mit denen ich laufen kann", sagt Tomsich. Jahrgang 1987 ist er, nimmt es aber auch mit den jungen Hüpfern auf. Richtig fein war es allerdings 2022, als mit Simon Stützel ein weiterer schneller Routinier mit am Start war. Der jagte die Marathon-Bestzeit, die er dann auch geknackt hat, machte schon auf der ersten Teilstrecke hoch nach Bad Urach viel Alarm, Anthony Tomsich ging freudig mit und drückte dann bergab mächtig auf die Tube. Einen "Marathoni" als Pacemaker gibt es definitiv nicht, weil die Strecke nicht mehr im Angebot ist, vielleicht findet sich ja aber noch ein schneller "Halber".
PB ist immer im Hinterkopf
In 1:11:09 Stunden hat Tomsich 2022 gewonnen, ein Jahr später war er nach 1:11:33 fertig. "An einem gute Tag ist für mich eventuell eine persönliche Streckenbestzeit drin", sinniert der Wahl-Tübinger. Sicher hat er auf dem Schirm, dass Kumpel Stützel auch diesen Streckenrekord hält (1:09:01). Anthony Tomsich war sogar schon einmal nach 1:04 fertig, allerdings auf einer anderen Strecke. "Im vergangenen Jahr hat es hinten raus schon wehgetan", blickt der Mann zurück, der lange in Alaska gelebt hat. Das heiße und so gut wie schattenlose Ermstal hat ihm fast den Stecker gezogen.
Wie so viele hofft der Halbmarathon-Doppelsieger am 14. Juli auf erträgliche Temperaturen und darauf, dass sich bis dahin die nötige Form einstellt. "Richtig fit bin ich noch nicht. Wenn ich aber in den nächsten Wochen gut trainieren kann, dann passt es", sagt der Vater eines zweijährigen Sohnes. Mit dem bestreitet er weiterhin einen Großteil seines Trainings. Ein Aspekt hat sich allerdings geändert: Mittlerweile rennt der Kleine auch - allerdings nur im diverse Spielplätze herum, die bei Trainingsläufen angesteuert werden. Beim Ermstal-Marathon wird der Spross der Familie selbstverständlich wieder dabei sein. Mama auch, die auf die beiden Männer ja aufpassen muss. Das eine Gespann wird es sich auf dem direkt an der Strecke gelegenen Spielplatz in Neuhausen gemütlich machen, während Papa rennt. Aufmunternder Beifall wird eh nicht fehlen, auf jenen freut sich Anthony Tomsich aber ganz besonders.
Vielleicht fahren sie auch mit nach Amsterdam. Um nur noch kurz auf die Marathon-Ambitionen einzugehen. In Berlin ist Tomsich im vergangenen Jahr 2:19:30 Stunden gelaufen, kurz vor Weihnachten hat er in Valencia mit 2:18:06 eine neue Bestzeit geliefert. Beide Strecken zählen zu den schnellsten auf der Welt - Amsterdam ebenfalls. Das weiß Anthony sicher.