Ermstal-Marathon: Corinna Coenning überlegt noch: „Ein Halber wäre schon fein“

Es läuft schon wieder prächtig bei Corinna Coenning vom TSV Glems. Beim Stadtlauf in Bad Urach ließ sie nur drei Männer passieren.
Thomas KiehlIm vergangenen Jahr war Corinna Coenning hautnah dabei beim Ermstal-Marathon, durfte per Akkreditierung in den Start-Ziel-Bereich auf dem Metzinger Kelternplatz und nahm dort in erster Linie die Läuferinnen und Läufer vom TSV Glems in Empfang - so gut das eben ging mit Krücken nach einer Operation an der Achillessehne. Jetzt, zwölf Monate später, wird sie wieder auf dem Kelternplatz aufschlagen. Ohne Krücken, im Trikot des TSV Glems. Eine spannende Frage bleibt: Startet sie auch dort, oder kommt sie nur an?
Herz schlägt für den Halben
Corinna Coenning weiß eigentlich schon, was sie tun will. "Mein Herz schlägt für den Halbmarathon. Das ist einfach ein wunderschöner Lauf. Ich laufe sehr gerne auf dem Kelternplatz los", verrät jene, die in der Rekonvaleszenz schon sehr weit fortgeschritten ist. Deshalb könnte der Lauf über die 21,0975 Kilometer genau in den Jahresplan passen. Dort leuchtet als Fixstern am Sonntag, 29. September, der Berlin Marathon in seiner ganzen Pracht - also über die berühmten 42,195 Kilometer. Da könnte die halbe Distanz im Ermstal prima passen. Das meint auch Corinna Coenning, wird sich aber mit Tim Koch, der sich um ihre Trainingspläne kümmert, noch absprechen.
Koch ist indes kein harter Hund, kann seinem Schützling nicht so sehr viel abschlagen. So ließ er seine Vereinskollegin auch am 9. Juni die Sache am Hohenneuffen angehen. "Da hatte ich richtig Lust drauf", so Corinna Coenning. Über das, was sie beim berühmten und berüchtigten Berglauf abgeliefert hat, gibt es verschiedene Ansichten, deren zwei seien erwähnt: "Ich bin verhalten angegangen, konnte hinten raus noch Gas geben" (Coenning) - "Ich habe so etwas von einer Frau noch nicht gesehen bei diesem Lauf" (altgedienter Sportfunktionär). Gewonnen hat sie die Frauenwertung mit riesigem Vorsprung, "sehr cool" sei es gewesen.
Obwohl es (sie) prächtig läuft, zum Beispiel auch beim Stadtlauf in Bad Urach, sieht sich die Läuferin selbst noch nicht bei 100 Prozent. Die sollen sich aber bis zum besagten 29. September einstellen. Gibt es dann eine neue persönliche Bestzeit auf dem schnellen Berliner Kurs? "Man muss die Kirche im Dorf lassen", wehrt die sympathische Sportlerin zunächst ab, um dann aber ohne Umschweife zur Sache zu kommen: "Natürlich werde ich es angehen, alles andere wäre ja gelogen. Dann müsste ich allerdings die 2:40 angreifen. Das wäre das i-Tüpfelchen, unter Druck setzte ich mich aber nicht." 2022 in Frankfurt war Frau Coenning nach 2:40:48 Stunden fertig. Nur ein bisschen hat sie gehadert, dass nicht damals schon die Schallmauer geknackt wurde.
Bestzeit auch im Ermstal
Das Jahr 2022 war sowieso ein sehr schnelles für die 33-Jährige. Unter anderem war sie auf dem Weg von Metzingen nach Bad Urach und zurück so schnell wie keine Frau zuvor: 1:17:38 Stunden. Dass sie auch an dieser Bestmarke sägen will, hat Corinna Coenning nicht gesagt. Was einen einfachen Grund hat: Sie weiß doch noch gar nicht, was sie laufen wird. Wobei, wie vom Veranstalter zu hören war, der Halbmarathon der richtige Renner wird - kann man sich als ambitionierte Läuferin also kaum entgehen lassen.
Der Achillessehnenriss im vergangen Jahr war ein Schock. Allerdings war der schnell einer Entschlossenheit gewichen, so schnell wie möglich zurückzukommen in den Sport. Ein Entlastungslaufband ermöglichte früh die ersten Kilometer, schon Ende des Jahres wurden fleißig die ersten "richtigen" gesammelt, zwei Wochen weilte Corinna Coenning gar in Kenia. Jetzt ist die Gymnasial-Lehrerin eifrig dabei, sich für Berlin zu präparieren. Umfänge steigern, Tempohärte erlangen - das steht aktuell auf der Agenda. Es ist, von außen betrachtet, ein klarer Fall: Da passt der Halbmarathon absolut rein. "Ich habe mir beim Rennen im vergangenen Jahr vorgenommen, unbedingt wieder an der Startlinie zu stehen", blickt "CoCo" zurück. Und sie ist glücklich, dass das der Fall sein wird wird. Die Distanz wird rechtzeitig mitgeteilt.
"Ich freue mich sehr, wenn ich Corinna wieder einmal sehe. Sie ist einfach super sympathisch", hat Leah Hanle gesagt, die zwei Mal in Folge den Streckenrekord über zehn Kilometer geholt hat und heuer Versuch Nummer drei startet. Wenn die Glemserin mit ihr rennt, wäre von Bad Urach gen Metzingen gar ein sauschnelles und super sympathisches Duo unterwegs. Das hätte natürlich auch seinen Reiz.