Ermstal-Marathon 2024 (mit Bildergalerie): Auf flotten Sohlen durchs Ermstal

Der Halbmarathon war eine Tübinger Angelegenheit. Anthony Tomsich trug sich zum dritten Mal in Folge in die Siegerliste ein, Lisa Merkel lag gleich bei der Premiere ganz vorne.
Thomas KiehlWas war denn nun das Highlight des Tages? Schwer zu sagen, nach der 14. Auflage des Ermstal-Marathons. Sicher knallte der neue Streckenrekord von Dominik Notz über die zehn Kilometer so richtig. Der Zweikampf mit Silvan Rauscher hielt das, was man sich von ihm versprochen hatte. Wenn Leah Hanle rennt, ist das immer ein Highlight. Dass sie den dritten Streckenrekord in Folge verpasst hat, lächelte sie weg. „Dann komme ich eben nächstes Jahr wieder“, hat sie versprochen. Anthony Tomsich sicherte sich bei seinem Lieblings-Event erneut den Sieg im Halbmarathon, den dritten in Serie. Lisa Merkel, die die herausragende Vorstellung der LAV Stadtwerke Tübingen im Ermstal mit dem Sieg bei den Frauen abrundete, lief so schnell wie noch nie zuvor über die 21 Kilometer. Und die Sieger im Fünfer, Katrin Kommer und Andreas Auch, waren vor Begeisterung kaum mehr einzufangen. Rundum gelungen alles. Weiter so.

Der Ermstäler Dominik Notz ließ es einmal mehr krachen. Im Zehner siegte er nicht nur, sondern verbesserte auch den eigenen Streckenrekord.
Thomas KiehlDuell der Giganten
Silvan Rauscher gegen Dominik Notz. Beide unterwegs für die LAV Stadtwerke Tübingen – und beide brutal schnell über zehn Kilometer. Darauf hatte man sich gefreut und niemand wurde enttäuscht. Von Lokalmatador „Dome“ Notz wurde fast jeder Schritt beobachtet und dokumentiert. Ganz Dettingen war gefühlt auf den Beinen und filmte kurze Sequenzen. Dem staunenden Journalisten wurde dies alles auf dem Kelternplatz vorgespielt. Von der Nichte, die extra aus Tübingen angereist war (mit dem Rad!), um ihren Schulkameraden zu supporten.
Lustig, dass ausgerechnet der lückenlos überwachte nicht so recht wusste, wie schnell er war. „Die GPS-Uhr hat nicht funktioniert“, klagte er. Er musste also nach Gefühl gelaufen werden, und das war dann nach fünf Kilometern, genau, als an jedem Eck jemand aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis stand, gar nicht so schlecht. Problematisch wurde es, als der Gegenverkehr aus Metzingen kam. „Da kam das Führungsfahrrad nicht durch, ich musste es überholen.“ Gut nur, dass der Dettinger die Strecke kennt. Die hatte er nach 30:45 Minute beendet. Sechs Sekunden schneller als bei seinem Rekord in 2019.
Geburtstagskind Silvan Rauscher war mit seinem Rennen einverstanden, auch mit der Zeit von 31:42. „Wenn man das Triple holen will, muss man gegen Dominik gewinnen. Bei vier Kilometer musste ich aber schon abreißen lassen“, bilanzierte er einen flotten Auftritt bei dem Rennen, das er so mag. Mächtig gefreut hat er sich, dass mit Leon Schall einer seiner Schützlinge, die er bei der TSG Münsingen trainiert, auf Platz drei kam (34:04).
Da war auch Leah Hanle begeistert, die mit Abstand schnellste Zehner-Frau, die mit dem Münsinger schön rennen konnte. Sie belegte im Gesamtfeld damit Rang vier, ließ nichts unversucht, den dritten Streckenrekord in Folge rauszuhauen, was dann allerdings nicht ganz reichte. Für die 34:16 Minuten hatte sie folgende Erklärung: „Es war eigentlich wieder überragend, als aber noch vier Kilometer to go waren, wurde es sehr anstrengend“, sagte die Frohnatur, die sich flugs um ihren Bruder Simon kümmern musste, der sich nach 34:33 eine Auszeit auf dem Pflaster des Kelternplatzes nahm. „Der arme Kerl musste gestern 90 Minuten kicken. Das ist sicher nicht die richtige Vorbereitung“, so die mitfühlende Schwester.
Tonys Anlauf
Zum Thema Vorbereitung hatte auch Anthony Tomsich etwas beizusteuern. „Ich habe am Samstag noch den Spitzberglauf im Hirschau gemacht. Wollte mal sehen, wie das klappt“, sagte Anthony Tomsich, ebenfalls LAV Stadtwerke Tübingen. Es hat sehr gut geklappt. Tomsich hat die 13 Kilometer in unruhigem Gelände in 44:39 Minuten gewonnen und hatte es am Sonntag dann schon wieder eilig. Den Halbmarathon im Ermstal konnte der Familienvater einmal mehr genießen, siegte in 1:12:23 Stunden. „Die Stimmung ist so gut, wie sonst nirgends“, schwärmte Tomsich, den der Begegnungsverkehr ganz besonders anspornt. Und natürlich die Familie. So hat er mit dem kleinen Sohn abgeklatscht, der mit der Mama direkt an der Strecke auf einem Spielplatz den Papa dementsprechend antrieb. Mama, beziehungsweise Frau, natürlich auch.
Markus Heinkel von der SG Dettingen, der erst 2022 zum Laufsport gestoßen ist, machte in seiner rasanten Entwicklung einen weiteren Schritt. „Bis Bad Urach war ich an Tony dran, dann musste ich abreißen lassen“ fasste er die 1:13:16 zusammen. Der Glemser Peter Keinath, fast immer am Start beim Ermstal-Marathon, wurde Dritter in 1:17:22. „Es hat perfekt in meine Vorbereitung reingepasst“, verriet er schon vor dem Start. Man vergaß zu fragen, worauf er sich vorbereitet, es kann aber etwas mit Triathlon zu tun haben. Tony Tomsich hat sich den Marathon in Amsterdam vorgenommen, plötzlich fiel aber auch noch der Name Berlin. Ihm ist sowieso alles zuzutrauen.
Lisas tolle Premiere
„Vielen Dank für ihr Verständnis“, sagte Lisa Merkel zum findigen Journalisten, der flugs alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um sie vor der überraschenden Premiere beim Ermstal-Marathon einer eingehenden Befragung zu unterziehen. „Das ist nur ein Long Run für mich. Es wäre mir sehr recht, wenn man da im Vorfeld nichts berichten würde“, so die junge Dame. Schweren Herzens wurde ihrem Wunsch entsprochen. Am Sonntag war es dann mit der Zurückhaltung vorbei. Schließlich muss man mit einer Siegerin einfach sprechen. „Ich wollte einfach nur laufen und es hat viel Spaß gemacht“, so die junge LAV-Athletin, von der man noch sehr viel hören wird. Nach 1:22:54 Stunden war der Spaß vorbei – oder fing erst an. Vereinskollegin Silke Holzmann wurde mit 1;32:11 gelistet. Zur Erklärung: Es rannte Jahrgang 2003 gegen Jahrgang 1969. Respekt.
„Da haben sie super hinbekommen“, sagte Andreas Auch, der Sieger über die fünf Kilometer, der die Strecke von diversen Teilnahmen über die größeren Distanzen schon kannte. „Der Fünfer hat absolut Zukunft“, war er sich sicher nach seinen 18:19 Minuten. Hinter dem Routinier schossen mit Silas Seeger (18:34) und Joel Schau (19:06) zwei Nachwuchshoffnungen der LG Dettingen ins Ziel.
Katrin Kommer konnte es kaum fassen. Sie ist die erste Siegerin über die fünf Kilometer bei den Frauen. „Ich hatte keine Ahnung, aber nach eineinhalb Jahren mal wieder unter 20 Minuten zu rennen, ist absolut toll“, so Kommer. 19:37 Minuten waren es, die blutjunge Naema Awale aus Münsingen folgte dichtauf in 19:47. Die Stimmung sei gigantisch gewesen und für die Siegerin ist klar, dass der Veranstalter mit dem Fünfer ein neues Highlight im Programm hat. Freundin „Mocki“ hat sie umgehend davon überzeugt, beim nächsten Mal mit ihr zu rennen.
Sabrina Mockenhaupt wurde im übrigen Zweite im Zehner. „Ich bin sehr zufrieden, mag ja die Stecke, bin aber immerhin schon 43.“ Als ob man sich für 36:05 entschuldigen müsste. „Meinen Bruder habe ich extra herzitiert. Vielleicht klappt es mit der Teamwertung“, verriet Mocki. Und es hat fast geklappt, nur die TSG Münsingen war noch flotter unterwegs. In Mockis Team rannte Luigi de Franceschi mit. Man darf ihn mit seinen 60 Jahren sicher Altmeister nennen. „Ich trainiere nicht mehr so wie früher. Da noch 36:33 zu liefern ist gigantisch und klappt nur bei diesem einzigartigen Rennen. Das ist Adrenalin pur, gibt ungeahnte Power“, jubelte er.
Bernd Weis war ebenfalls schon oft dabei, aber jetzt zum ersten Mal mit neuer Hüfte. „Nach meiner Operation, die sehr gut verlaufen ist, bin ich nach wie vor im Aufbau“, so der Duathlon-Spezialist von der SG Dettingen. Auf die 1:28:10 Stunden im halben Marathon lässt sich sehr gut aufbauen.
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Splitter
CoCo muss passen
Schade. Am Samstag hat Corinna Coenning kundgetan, dass sie beim Ermstal-Marathon nicht laufen kann. Ein halber hätte es werden sollen, sie wurde auf der Strecke vor Wochen auch schon gesichtet, hatte dabei Glück, dass der Blitzer in der Kappishäuser Straße in Dettingen nicht anschlug. Am vergangenen Dienstag musste sie aber operiert werden. Ihre Erklärung: „Ein Fadenanker wurde entfernt, mit der die Achillessehne vor einem Jahr in der Ferse verankert wurde. Die standen über den Knochen und haben im Schuh Probleme gemacht. Zieht ein paar Tage Pause nach sich, aber tangiert die Vorbereitung auf Berlin nicht.“ Der sympathischen Läuferin ist zu wünschen, dass das mit dem Marathon in der Bundeshauptstadt klappt. Zugeguckt hat sie bei jenem im Ermstal natürlich, auf der Strecke hat die schnelle Glemserin aber sehr gefehlt.
Elektrische Radelrutsch
Ein Journalist bereitet sich immer gewissenhaft vor. So lässt es sich der Schreiber dieser Zeilen nicht nehmen, immer vor dem Ermstal-Marathon die Strecke zwischen Metzingen und Bad Urach genau zu inspizieren – mehrmals. Am Donnerstag ist ihm ein mitten auf der Strecke positionierter Bagger unangenehm aufgefallen. Der hat dann aber ganze Arbeit geleistet, einen zum x-ten Mal aufgerissenen Weg in Dettingen wieder eingeschottert und geebnet. Alles gut also, eine Baustelle in Neuhausen ist gar gänzlich verschwunden. Am Samstag sind besagtem Journalist, der immer an das Schlechte im Menschen glaubt, dann allerdings ein paar Fahrzeuge ins Auge gestochen, die scheinbar achtlos an der Strecke geparkt waren, in größerer Menge auf dem Marktplatz in Dettingen: E-Scooter. Um es den älteren Lesern zu erklären: Radelrutsch mit Elektro-Antrieb. Da wird doch wohl niemand unterwegs beim Marathon gemogelt haben? Eigentlich schwer vorstellbar, schließlich ist man kaum alleine unterwegs, mit Zuschauern ist zudem immer und überall zu rechnen.
Andrang groß
Kurz vor dem Start des Halbmarathons auf dem Metzinger Kelternplatz gab es in der Festkelter lange Schlangen vor den Toiletten. Niemand wollte unnötigen Ballast nach Bad Urach und wieder zurückschleppen. Dem Körper wichtige Sachen zuführen wollten indes jene, die die Bäckerei unweit des Start-Ziel-Bereichs aufgesucht haben. Dort war die Schlange noch länger.
Erklärungsbedarf
So ein Bürgermeister hat es auch nicht immer leicht. Patrick Hubertz kam pünktlich, um die Läuferschar in Metzingen auf die Reise gen Bad Urach zu schicken. „Ich bin schon viel länger da. Donnerstag war aber Gemeinderat und da gab es noch Fragen.“ Und die wurden, wenn er schon mal da war, eben auch am Sonntagmorgen gestellt. Einen Beifallssturm hat der BM dann auch noch entfacht. Gelobt hat er die Ehrenamtlichen, 300 waren im Ermstal im Einsatz. Die Läuferschar hat fleißig applaudiert.
Eine Frage der Gewichtung
Es war europaweit der Super-Sportsonntag. Da tat man sich schwer, den Überblick zu behalten. Sebastian Hauenstein, einer der Sprecher im Start-Ziel-Bereich, konnte helfen: „Das Highlight ist hier.“ Zweifellos hatte er damit recht. Bei der anderen EM, jener der Fußballer, wurde ja mit einer schrecklichen Fehlentscheidung der besten Mannschaft der Finaleinzug verwehrt.
EM bleibt EM
Strenggenommen dürfte der Ermstal-Marathon ja gar nicht mehr so heißen, weil eben der Marathon aus dem Angebot genommen wurde, der „Sprint“ über fünf Kilometer dazugekommen ist. „Das war die richtige Entscheidung. So ist es doch viel kompakte“, sagte Uwe Euchner vom Veranstalter. 300 Teilnehmer nahmen den Fünfer bei der Premiere – es werden sicher mehr. Geradezu euphorisch äußersten sich die Teilnehmer nach dem Rennen. Genau die richtige Distanz, zumal Punkt zwölf, High Noon, in Dettingen gestartet wurde. Es war zwar schon heißer beim Rennen im fast komplett schattenlosen Ermstal, gefroren hat es am Sonntag aber garantiert niemand. Vielleicht machen die Fünfer gar den Zehnern noch Konkurrenz. Dort hatte sich eine 1100 Frau und Mann starke Karawane vom Bad Uracher Sportgelände Diegele aus auf den Weg gemacht.⇥Wolfgang Seitz