Einwurf: Muss das denn sein?

Siegerfoto mit Einlaufkindern, die Zuschauer verharren in der Öschhalle geduldig auf ihren Plätzen. Zumindest daran wird sich in Tübingen nichts ändern.
Eibner/Tobias BaurHallenstandards in der Handball-Bundesliga der Frauen werden eingeführt, um die Attraktivität zu erhöhen. Aber ist das etwa nicht attraktiv, was die TusSies in ihrem Wohnzimmer Öschhalle anbieten? Wir blicken nur ein paar Tage zurück, auf das Spiel am vergangenen Samstag gegen den BSV Sachsen Zwickau. 1050 Zuschauer wurden beim 34:24-Sieg der Gastgeberinnen bestens unterhalten, sorgten für einen Heidenlärm. Allen voran im Übrigen eine Fangruppe aus Zwickau, die alles, was Krach machen kann, im Repertoire hatte, inklusive einer Riesenfahne, die zeitweise die Presseplätze beschattete. Die fidele Reisegruppe aus Sachsen war mächtig beeindruckt von der Stimmung und am Ende stolz wie Bolle, als die TusSies flugs mit ihnen abklatschten. Es ist die unmittelbare Nähe, die in solchen Hallen das besondere ausmacht. Da reicht eine Tribüne dicke – manchmal wäre eine zweite allerdings nicht ganz schlecht. Nicht alle Ticketwünsche konnten und können in Metzingen erfüllt werden. „Wir müssen unsere Spiele gar nicht bewerben, weil sie zu einem Großteil sowieso ausverkauft sind“, hat Manager Ferenc Rott verraten. Daran wird sich etwas ändern, wenn er mit seiner Mannschaft nach Tübingen umzieht. Doch er ist guter Dinge, dass es da keine Probleme geben wird.
Es ist beileibe nicht so, dass in der Uni-Stadt keine Stimmung aufkommt. Davon konnte man sich schon etliche Male überzeugen, wenn die TusSies ihre Gastspiele in der Paul Horn-Arena gaben. Laut war es – aber anders laut eben. Unvergessen eines der ersten Spiele, als ein Schiedsrichter danach mit der Presse plauderte: „Ein bisschen bin ich schon erschrocken beim Anblick der rosaroten Halle. Das ist eine eigenwillige Farbgebung. Als dann die Spielerinnen mit den pinken Trikots auftauchten, traute ich meinen Augen gar nicht mehr.“
Alle müssen sich jetzt daran gewöhnen, nicht nur die Schiedsrichterinnen und ihre männlichen Kollegen. Die Zuschauer haben, je nach Wohnort, längere oder auch kürzere Anfahrtswege. „Der Umzug birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen“, sagt Ferenc Rott. Risiken gilt es zu minimieren, indem alles gewissenhaft geplant wird. Und die Chancen will Rott beim Schopf packen, neue Sponsoren für die TusSies begeistern. Die Paul Horn-Arena bietet vielfältige Möglichkeiten, sich zu präsentieren, der VIP-Bereich ist eine Wucht. Inwieweit die Strukturreform, die letztendlich zum Umzug geführt hat, einen Schub für den Frauenhandball an sich gibt, muss abgewartet werden. Man spielt in größeren Hallen nicht automatisch besser.
