0:3 gegen 1. FC Magdeburg: Pokalaus! FV Illertissen verliert größtes Spiel der Vereinsgeschichte

Hatte viel zu tun in der Defensive: Maximilian Neuberger vom FV Illertissen (rechts). Besonders Maximilian Breunig (weiß) machte dem Fußball-Regionalligisten zu schaffen. Der Stürmer erzielte die Führung für den 1. FC Magdeburg in der zweiten Runde des DFB-Pokals.
Lucca Fundel- Der FV Illertissen unterliegt dem 1. FC Magdeburg im DFB-Pokal mit 0:3 und scheidet aus.
- Magdeburgs Breunig erzielt das 1:0, Mathisen und Pesch erhöhen; Torwart Zok hält einen Elfmeter.
- 4157 Fans im Vöhlinstadion sehen den Klassenunterschied zwischen Regionalliga und 2. Bundesliga.
- Illertissen zeigt nur eine kurze Drangphase, bleibt aber torlos trotz Chancen durch Glessing und Hausmann.
- Trainer Bachthaler lobt sein Team für den Einsatz und sieht die Niederlage als „Rückkehr zur Normalität“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Selbst Tobias Rühle zuckte auf der Ersatzbank zweimal zusammen. Hinter ihm knallte und zischte es fast durchgehend. Seien es Bengalos, Raketen, Böller oder Rauchtöpfe. Die Fans des 1. FC Magdeburg zündelten ordentlich. Sie fackelten alles ab, was sie mitbrachten – und ignorierten die zahlreichen Mahnungen des Stadionsprechers konsequent. „Die Böller sind unnötig“, sagte Rühle. Die Leuchtfackeln hingegen gefielen ihm schon besser.
Was dem 34-Jährigen aber ganz und gar nicht passte, war das Ergebnis. Mit seinem FV Illertissen verlor der Stürmer in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten mit 0:3 (0:2). „Wir waren nicht so griffig, so stark wie gegen Nürnberg“, sagte Rühle. Er sprach von einem sichtbaren Klassenunterschied. „Das muss man akzeptieren. Wir haben alles probiert, aber es reicht halt einfach nicht.“
Tatsächlich gab es vor 4157 Zuschauerinnen und Zuschauern im Vöhlinstadion von Beginn an keinen Zweifel, wer gewinnen würde. Zu souverän agierte der 1. FC Magdeburg. „Da gibt es nichts zu deuteln“, räumte FVI-Cheftrainer Holger Bachthaler ein – und blieb positiv. „Ich habe meinen Jungs gerade gratuliert, zur Leistung, zum Aufwand.“
Frühe Gäste-Führung im Vöhlinstadion
Seine Mannschaft hatte sich wie erwartet tief zurückgezogen und auf seine Stärke gesetzt: das schnelle Umschaltspiel. Schon in der vierten Minute bot sich die Gelegenheit zum Konter, doch Baris Atik stoppte den FVI mit einem taktischen Foul. Den anschließenden, scharf getretenen Freistoß setzte Maximilian Neuberger per Kopf über den Querbalken.
In den folgenden Minuten übernahm Magdeburg wieder das Zepter – und belohnte sich in der elften Spielminute: im perfekten Moment startete Stürmer Maximilian Breunig in die Tiefe und köpfte eine Flanke des Ex-Illertissers Alexander Nollenberger eiskalt ins linke untere Eck ein. 1:0 für den Zweitligisten.
Das Spiel fand fortan nahezu ausschließlich in der Hälfte des bayerischen Regionalligisten statt. Der Favorit ließ den Ball flüssig in den eigenen Reihen laufen, war nach hinten abgesichert und bestimmte das Spiel. Immer wieder wurde er durch Weitschüsse gefährlich. So auch nach einer starken Seitenverlagerung auf Ghrieb. Der Flügelstürmer zog mit dem Ball eng am Fuß von rechts nach innen. Wartete geduldig auf die Lücke. Fand sie. Zog ab. Aber scheiterte an FVI-Keeper Malwin Zok. Der ließ den Ball zwar nach vorne abklatschen. Warf sich dann aber auf ihn (16.).

Zündelten fast das gesamte Spiel über: der Anhang von Fußball-Zweitligist 1. FC Magdeburg beim DFB-Pokalspiel im Vöhlinstadion gegen den FV Illertissen.
Tom Weller/dpaEx-Ulmer Tobias Rühle zu Beginn auf der Bank
Acht Minuten später parierte Zok erneut stark im Nachfassen und war kurz darauf schon wieder gefragt: Es gab einen umstrittenen Foulelfmeter für Magdeburg. Breunig trat an, Zok hielt, aber Marcus Mathisen schaltete am schnellsten und brachte den Nachschuss im Netz unter zum 2:0 für die Gäste (31.).
Anschließend hatten die Illertisser etwas mehr Freiraum. Per direktem Freistoß durch Milos Cocic (38.) und einem wuchtigen Weitschuss Eduard Heckmanns (43.) kam der FVI zu zwei Abschlüssen, die aber nichts einbrachten.
Bachthaler hatte gegenüber dem wilden 4:3-Sieg gegen den FC Bayern München II auf zwei Positionen frische Akteure gebracht: Alexander Kopf und Denis Milic starteten anstelle von Namrud Embaye und Daniel Hausmann. Die Pokalhelden Michel Witte, Clayton Irigoyen und Tobias Rühle saßen zunächst auf der Bank. Rühle: „Wir spielen eher tief auf Konter. Da ich in meinem Alter auch nicht mehr der Laufstärkste bin, ist das okay für mich.“
Rückkehr zur Normalität
In der 63. Spielminute war es dann so weit: Bachthaler brachte Rühle ins Spiel. Noch immer stand es 0:2, Breunig (50.) und Nollenberger (60.) waren zuvor jeweils am Aluminium des FVI-Tors gescheitert. Mit Rühle kam etwas Schwung in die Illertisser Mannschaft, die nun erstmals Oberwasser entwickelte.
Erst schickte Yannick Glessing, den der Stadionsprecher als „unser Goldstück“ bezeichnete, den Ball aus aussichtsreicher Position in den Illertisser Nachthimmel (68.). Dann wurde Glessing wenig später von Milos Cocic bedient, legte sich den Ball auf den linken Fuß und zog aus spitzem Winkel ab (69). Den Schuss fälschte der FCM zur Ecke ab. Nach deren Ausführung kam der Ball über Umwege zu Hausmann. Sein Versuch aus kurzer Distanz landete auf dem Tordach.
Es war die einzige Drangphase des FVI, der anschließend wieder defensiv gefragt war – und sich glücklich schätzen durfte, dass Breunig gleiche mehrere Riesenchancen liegen ließ. Stattdessen erhöhte Noah Pesch zum 3:0 Endstand (84.).
Schon durch das Erreichen der zweiten Runde hatte der FV Illertissen Historisches geschafft. „Pokalsensation bedeutet ja immer, dass es was Außergewöhnliches ist“, sagte Bachthaler. Die Niederlage nun gegen Magdeburg, sie war nur die Rückkehr zur Normalität. Es war eben ein Spiel ohne Knalleffekt.
So haben sie gespielt
FV Illertissen gegen 1. FC Magdeburg 0:3 (0:2)
Illertissen: Zok – Gölz, Zeller, Neuberger, Heckmann (77. Embaye) – Kopf, Hingerl (77. Fofanah) – Cocic, D. Milic (63. Rühle) – Pfaumann (46. Hausmann) – Glessing (86. Ekinci)
Magdeburg: Reimann – Heber, Mathisen, Tob. Müller – Nollenberger (66. Hercher), Michel, Krempicki (71. Ulrich), Musonda (71. Geschwill) – Ghrieb (86. Diawara), Breunig, Atik (46. Pesch)
Tore: 0:1 Breunig (11.), 0:2 Mathisen (31.), 0:3 Pesch (84.)
Bes. Vork.: Zok hält Foulelfmeter von Breunig (31.)
Gelbe Karten: Neuberger / Atik, Nollenberger
Schiedsrichter: Patrick Schwengers (Frankfurt am Main)
Zuschauer: 4157


