Kolumne „Anpfiff“
: Viel Geld, Trikots, Bier: Sammeln für Ahrtal-Klubs

Moritz Hagemann bl ickt auf eine außergewöhnliche Aktion zurück.
Von
Moritz Hagemann
Ergenzingen

Starkes Duo: Karl Schäfer (links) und Dieter Sesterheim.

Uli Bernhard

Im Juli 2021 wurde das Leben der Menschen im Ahrtal auf den Kopf gestellt. „Chronik einer Katastrophe“, nennt der WDR seine Rückschau auf die Flut, die bundesweit mindestens 188 Todesopfer forderte.

In solchen Fällen halten die Menschen zusammen - selbst, wenn sie durch hunderte Kilometer getrennt sind. Wie der Ergenzinger Karl Schäfer und der Adenauer Dieter Sesterheim, Vorsitzender des Fußballkreises Rhein/Ahr. Auf der einen Seite der umtriebige Ergenzinger Funktionär, auf der anderen Seite der Geschäftsführer der Stiftung „Fußball hilft!“ im Rheinland - das passt! Nur vier Monate nach der großen Flut kamen die beiden in Kontakt, als Schäfer 18 Fußballtrikots spendete. Dabei habe Sesterheim das ganze Ausmaß der Katastrophe geschildert, so Schäfer: „Da kam die Idee auf, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen.“ Er nahm Kontakt zum Bezirksvorsitzenden Edgar Pakai auf, Uli Bernhard übernahm die Pressearbeit und ein Spendenkonto wurde ins Leben gerufen. Die Aktion „Hilfe für Fußballvereine im Ahrtal“ war geboren.

Zeit, auf diese außergewöhnliche Spendenaktion zurückzublicken: „In den ersten Wochen meldeten sich Spender aus der gesamten Region“, erinnert sich Schäfer. Schon im Februar waren 8000 Euro auf dem Konto. Da sei der Gedanke aufgekommen, erstmals ins Ahrtal zu fahren. Den Sprinter stiftete Michael Schäfer aus Ergenzingen, Sesterheim konnten der erste Scheck sowie viele Sachspenden übergeben werden. Nicht nur für den Wiederaufbau, auch für die Seele: Unter anderem hatte die Hochdorfer Kronenbrauerei 450 Liter Bier mit auf den Weg geschickt. An jenem 12. Februar seien die Beteiligten einige Orte an der Ahr abgefahren, die besonders betroffen waren: „Man konnte noch nach vielen Monaten das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe sehen“, berichtet Schäfer. „Alle waren geschockt.“

Am Ostersamstag 2022 ging es für Schäfer, einige Bezirksfunktionäre und die B-Junioren der SGM Gäufelden/Bondorf mit dem Bus der Firma Vögele wieder ins Ahrtal. Nach einem Spiel wurde der nächste Scheck in Höhe von 6000 Euro überreicht. Auch danach hörte Schäfer nicht auf zu sammeln. Er war auf etlichen Veranstaltungen unterwegs, um für die gute Sache zu werben. Die Sportfreunde Rohrdorf etwa spendeten einen gebrauchten Rasentraktor, den Schäfer mit Gerhard Schweizer nach Rheinland-Pfalz brachte.

Beim nächsten Besuch im Ahrtal im März 2023 konnte erneut ein Scheck über 9000 Euro übergeben werden, womit die Marke von 20000 Euro geknackt war. Vereine wie der TuS Ergenzingen, der VfL Hochdorf, der SV Vollmaringen, der SV Baisingen sammelten bei ihren Veranstaltungen Spenden ein, gaben Sachspenden, auch Privatpersonen öffneten ihr Portemonnaie. Ende Oktober fuhren Schäfer und Bernhard letztmals ins Ahrtal. Im Gepäck: 5000 Euro per Scheck sowie 31 Trikots, die die SG Vöhringen spendete. „Es wurde dann gemeinsam festgelegt, dass Anfang dieses Jahres die Aktion beendet wird“, so Schäfer. Dieser Tag ist nun fast gekommen: Kommenden Freitag, 19. Januar, wird das Konto geschlossen. Knapp über 30000 Euro sind bislang für die Fußballvereine im Ahrtal zusammengekommen, deren Plätze, Sportheim und Umkleidekabine unter den Wassermassen begraben waren. 13600 Euro von Verein, rund 10700 Euro von Privatpersonen und fast 6000 Euro aus Betrieben.

Auf die „Chronik der Katastrophe“ ist die „Chronik des Zusammenhalts“ gefolgt - an der Karl Schäfer und die Bezirksfunktionäre zwar maßgeblichen Anteil haben, die aber nicht ohne viele Vereine und weitere Personen möglich gewesen wäre. Die Aktion demonstriert die Stärke des Sports, der es geschafft hat, in den schwersten Stunden zusammenzurücken und für Freude und Hoffnung zu sorgen. Dieter Sesterheim, der vor Ort auch Spenden einwarb, wurde von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits mit der höchsten Sportauszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz geehrt. Auch Karl Schäfer hätte eine Auszeichnung verdient.