Horb · Tennis: Melbourne ein Stück näher gekommen

Romy Kölzer hat als einzige deutsche Spielerin den Sprung in das Viertelfinale beim AHG-Cup in Bildechingen geschafft.
UlmerEines haben Tennisprofis auf jeden Fall gemeinsam: Ziel ist die Teilnahme bei den vier größten Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York. Klar, denn bei den Grand-Slams können die Sportler am meisten Geld verdienen. Zudem kommt hohes Renommee obendrauf. Auch die 27-jährige Romy Kölzer will im Januar 2020 in Australien starten - natürlich nicht im Hauptfeld, sondern in der Qualifikation. Um ihren Traum zu verwirklichen, muss die Spätstarterin, die zunächst ihre schulische Laufbahn nie außer acht ließ, zum Ende des Jahres einen Platz um die 250 in der WTA-Rangliste haben.
Nachdem sie das Abitur in der Tasche hatte, entschied sie sich für die Kombination aus Studium und Karriere. An der Clemson University in den USA schloss sie ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaften ab, an der Virginia Commonwealth University machte sie ihren Master in Sport-Management. Mit großer Disziplin spielte sie sich in die Top 25 der College-Rangliste. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt Romy Kölzer. Mit einer anderen Entscheidung hatte sie sich dann auch nicht schwergetan. „Während meines Masterstudiums habe ich ein Jahr gar nicht aktiv gespielt und war nur als Coach an der Uni beschäftigt. Diese Auszeit war auch sehr gut für mich, weil sich mein Körper mal richtig erholen konnte. Nach der Pause fasste sie dann den Entschluss, sich voll auf das harte Profi-Geschäft einzulassen. Und das ist teuer.
Um sich in der Weltrangliste - aktuell steht sie auf Platz 424 - weiter nach oben zu arbeiten, muss sie viele Turniere spielen - auch in Übersee - und da fallen hohe Kosten für Flüge und Unterkunft an. „Einen Trainer kann ich mir nicht leisten“, sagt die 27-Jährige. Um etwas Planungssicherheit zu haben, hat Kölzer ein Crowdfunding-Projekt gestartet.
Ziel des Projektes war es, insgesamt 3750 Euro zusammen zu bekommen. Denn der Mindestbetrag wurde nicht erreicht. Die Spender haben daraufhin ihr Geld wieder zurückbekommen und Kölzer bleibt ohne Unterstützung zurück. Trotz des Scheiterns des Projekts bleibt die Spielerin zuversichtlich und gibt sich kämpferisch. „Mein großes Ziel bleibt weiterhin die Qualifikation zu den Australien Open zu spielen.“
Weitere wichtige Punkte, um in der Weltrangliste nach oben zu klettern, konnte sie gestern in der zweiten Runde des AHG-Cups auf der Anlage des TC Bildechingen holen. Nach anfänglichen Problemen gegen die Französin Manon Leonard zog die Deutsche souverän mit 6:2 und 6:1 ins heutige Viertelfinale ein. Zunächst geriet Kölzer aber mit 0:2 in Rückstand. „Sie hat unheimlich langsam gespielt ganz anders als die anderen Spielerinnen. Auf diese Spielweise musste ich mich erst einstellen. Ich musste mich mehr bewegen und noch mehr zum Ball gehen“, erklärte Kölzer ihren Fehlstart.
„Ich wusste aber, dass ich besser ins Spiel kommen würde. Ich habe aber nicht gedacht, dass Manon so einbrechen würde“, sagte sie. Stimmt aber. Die Französin hatte vor allem mit ihrem Service große Probleme. Bei ihrer 2:1-Führung, aber Breakball gegen sich, schoss sie mit dem zweiten Aufschlag fast den Schiedsrichter ab. Der verunglückte Schlag brachte den 2:2-Ausgleich und zauberte Kölzer ein Lächeln ins Gesicht. Von da an lief das Spiel der Kölzer wie am Schnürchen. Als sich das Match langsam dem Ende zuneigte, freute sich auch Turnierdirektor Thomas Bürkle. „Sehr schön, dann werden wir schon mal eine Deutsche im Viertelfinale haben.“ Leonard machte es ihrer Gegnerin dann aber sehr einfach. Viele Fehler bescherten Kölzer bei einer 5:1-Führung den ersten Matchball. Mit einem Volleyfehler beendete Leonard die Partie.
Nach dem Einzug ins Viertelfinale war Kölzer überglücklich. „Die Hitze war schon brutal. Um so besser war es, dass ich nicht gan so lange auf dem Platz stand.“ Aber eigentlich hatten die hohen Temperaturen auch etwas Gutes. Denn mit dem Sieg hat die 27-Jährige wieder einen Schritt in Richtung Melbourne gemacht. Und da herrschen im Januar ja auch immer Temperaturen jenseits der 30 Grad.