Horb · Skispringen: Die Schanze ist wieder im Visier

Daumen hoch: David Siegel ist mit dem Genesungsverlauf seines Knies zufrieden. Privatbild
Nicht gesetztWenn David Siegel das nächste Mal auf der Schanze ist, dann wird sich nach seiner Knieverletzung vor allem eins verändert haben: Er wird dann ab sofort als Ehemann abheben. Anfang Mai hat er den Schritt in die Ehe gewagt. Dem 23-Jährigen wird es aber am Ende egal sein, ob er als lediger oder als verheirateter Sportler springen kann. Denn er will nur eins: Zurück auf die Schanze.
Rückblick: Am 19. Januar 2019 holte David Siegel im Teamwettbewerb von Zakopane gemeinsam mit Karl Geiger, Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe seinen ersten Weltcupsieg. Im zweiten Durchgang stürzte er nach der Landung jedoch schwer und zog sich dabei einen Kreuzbandriss zu, was für ihn das Saison-Aus bedeutete. Auch die darauffolgende Saison verpasste Siegel aufgrund dieser Verletzung, bei der auch das Innenband, der Meniskus und noch mehr im rechten Knie gerissen oder beschädigt wurde. Doch die lange Zeit der Aufbauphase mit etlichen Einheiten im Fitnessraum und vielen Terminen bei den Physiotherapeuten scheinen bald der Vergangenheit anzugehören. Denn Siegel sagt: „Ich will in drei Wochen wieder auf die Schanze.“
Bis dahin stehen aber noch harte Tage auf dem Programm. „Doch ich will jeden Tag eine neue Hürde nehmen“, sagt der 23-Jährige „und ich will mich immer wieder für eine neue Herausforderung qualifizieren.“ Mit diesen Schritten will er zurück auf die Schanze. „Meine Übungen werden immer schanzenorientierter. Ich bin im Moment sehr zufrieden.“
Eines hat er in seiner langen Verletzungspause auch gelernt: „Klar, höre ich mir dass an, was der Arzt sagt, aber, er sieht nur die Bewegung des Knies.“ Daher richtet er sich im Trainingsplan mehr und mehr danach, was die Trainer ihm raten.
Und da sieht sich Siegel - wie bereits schon erwähnt - auf einem guten Weg. „Ich habe zwar noch nicht alles erreicht, was ich schaffen wollte. Aber, ich bin nicht so weit entfernt davon.“ Wer zwischen diesen Zeilen lesen kann und Siegel etwas näher kennt, der weiß genau, dass er in Wirklichkeit schon weiter ist, als wohl andere Sportler, die sich so eine Verletzung zugezogen haben. Denn der Dürrenmettstetter ist ein gewissenhafter Sportler und überlässt nichts dem Zufall.
Genauso intensiv wie Siegel tüftelt derzeit Bundestrainer Stefan Horngacher am Sommerfahrplan der A-Kaderathleten, zu dem Siegel trotz seiner Verletzung wieder gehören wird. „Der Bundestrainer weiß im Moment aber auch nicht, wie es mit Lehrgängen und Wettkämpfen weiter gehen wird. Im Hintergrund wird nun aber daran gewerkelt“, verrät der Dürrenmettstetter, der noch ein weiteres Ziel fest im Visier hat: die Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf im kommenden Jahr. „Da will ich auf jeden Fall mit dabei sein.“ Und wenn bei den ersten Wettkämpfen noch nicht alles gelingen will, wie es sich Siegel gedacht hat, dann hat er auch schon einen Plan B in der Tasche. „Dann werde ich erstmal im FIS-Cup starten und mich wieder nach oben kämpfen.“
Darin hat er ja schon Erfahrung. Denn nach seiner langwierigen Fußverletzung im Jahr 2017 kämpfte er sich auch zurück.