Horb · Das Mittwochs-Interview: „Wollen kein Fahrstuhlteam werden“

Sehen in eine positive VfB-Zukunft: Der Vorstand des Stuttgarter Fanklub Harry Hirsche‘s Nico Fleck, Stefan Kraft und Samuel Rasch.
sag SÜDWEST PRESSE: Herr Kraft, hat der VfB Stuttgart den Hamburger
SV als Deutschlands größten
Chaosverein abgelöst?
Stefan Kraft: Nein. Der Verein hat nach dem Rücktritt von Ex-Präsident Wolfgang Dietrich noch die Kurve gekriegt. Zudem macht Thomas Hitzlsperger einen richtig guten Job.
Dietrich sprach von Feindseligkeiten und Häme, die er bei der Mitgliederversammlung erlebt habe. Sind die Fans zu hart mit ihm ins Gericht
gegangen?
Nico Fleck: Teils, teils. Aber die Morddrohungen gegen ihn, die gingen natürlich überhaupt nicht.
Welche Fehler werfen Sie Dietrich vor?
Samuel Rasch: Er hat viele leere Versprechungen gemacht. Ende Juli sollte ein neuer Investor präsentiert werden. Passiert ist jedoch nichts. Zudem weiß niemand, warum er Sportvorstand Jan Schindelmeiser entlassen hat. Genauso weiß man nicht genau, warum er der Vertragsverlängerung für Ex-Trainer Korkut zugestimmt hatte.
Was hat er gut gemacht?
Nico Fleck: Er hat für die Ausgliederung gesorgt. Das war sicherlich positiv. Jedoch wollte er
auf regionale Investoren setzen, dies wurde nicht umgesetzt. Außerdem ist die Daimler-Kohle schon weg.
Grünen-Politiker Cem Özdemir hat den Rückzug auch begrüßt. Wäre er ein guter Präsident?
Stefan Kraft: Der soll in der Politik bleiben.
Was halten Sie von Schorndorfs OB Matthias Klopfer, der sich als einziger bis jetzt als Kandidat für das Präsidentenamt ins Spiel gebracht hat?
Nico Fleck: Ich wünsche mir lieber einen Präsidenten, der auch Ahnung vom Fußball hat.
Jürgen Klinsmann hat Interesse
bekundet, das Amt des Vorstandsvorsitzenden zu übernehmen. Wäre er eine gute Wahl?
Samuel Rasch: Ich würde mich freuen, wenn er die Aufgabe übernehmen würde. Er hat jahrelang für den Klub gespielt und ist eine echte Identifikationsfigur.
In der vergangenen Saison wurde
zu lange an Trainer Weinzierl festgehalten. Hätte der Klub den Klassenverbleib schaffen können, wenn
Interimstrainer Nico Willig früher
gekommen wäre?
Samuel Rasch: Was man sagen kann, ist, dass Willig seine Aufgabe gut gemacht hat. Vielleicht hätte er es schaffen können, aber das ist alles nur Konjunktiv. Der Verein hat in der vergangenen drei Trainer verschlissen, da muss
man ganz klar sagen, dass nicht nur der Trainer an der Misere schuld war. Das Team hat nicht zusammengepasst und die Motivation fehlte auch.
Nun soll Trainer Tim Walter aus Kiel den Wiederaufstieg schaffen. Was halten Sie von diesem Coach?
Stefan Kraft: Man hört auf jeden Fall nichts Schlechtes. Und gegen Hannover hat die Mannschaft beim 2:1-Erfolg auch überzeugt. Somit kann ich bis jetzt nichts Negatives sagen. Positiv ist auch, dass er verstärkt auf die jungen Spieler setzen will.
Walter ist bekannt dafür, dass er
offensiv spielen lässt. Wird der VfB also mit Hurrafußball zurück in die Bundesliga kehren?
Samuel Rasch: Wenn wir vorne gut treffen und hinten trotzdem sicher stehen, dann ja.
Oder wird Stuttgart genauso wie der HSV noch eine zweite Saison im
Bundesliga-Unterhaus bleiben?
Stefan Kraft: Das glaube ich nicht. Wir werden einen der ersten beiden Plätze holen.
Finden Sie es eigentlich gar nicht so schlimm, in der 2. Liga zu spielen? Immerhin dürfen die VfB-Fans wohl jetzt mehr Siege bejubeln …
Nico Fleck: Das stimmt. Aber, die Bundesliga ist schon viel schöner, wenngleich die Stadien in der 2. Liga viel schöner sind, weil sie kleiner sind. Unser Ziel ist daher klar: nicht in der 2. Liga zu verbleiben. Zudem wollen wir auch keine Fahrstuhlmannschaft werden.
Sie meinten vorher, dass der Verein verstärkt auf die Jugend setzen wolle. Wie erklären Sie sich dann, dass der Klub Talente wie Leon Dajaku an Bayern und Eric Hottmann an Sonnenhof-Großaspach abgegeben hat?
Stefan Kraft: Leon wollte weg. Dann ist es auch besser, wenn sich der Klub von so einem Spieler trennt, denn der würde während der Runde nur für Unruhe sorgen.
Welche Teams sind die größten
Konkurrenten um den Aufstieg in
die Bundesliga?
Samuel Rasch: Hannover, Hamburg sind die größten Konkurrenten. Zudem gehören für mich Kiel und Heidenheim zu den Geheimfavoriten.
Und wie sehr freuen Sie sich auf das Derby mit dem Karlsruher SC?
Nico Fleck: Diese Spiele hatten wir schon seit drei Jahren nicht mehr. Die Partien gegen den KSC sind immer etwas Besonderes.
Rechnen Sie mit Krawallen?
Stefan Kraft: Mit Sicherheit wird es Randale geben.
Kommen wir noch auf Ihren Fanklub zu sprechen. Wie hat sich die
Mitgliederzahl entwickelt?
Nico Fleck: Sehr gut. Wir haben nun schon 74 Mitglieder im Klub.
Wie viele Stadionbesuche sind
geplant?
Samuel Rasch: Wir werden mit ein paar Leuten bei allen Heimspielen des VfB sein. Zusätzlich sind sechs bis acht Auswärtsfahrten geplant. Es ist immer eine Zeitfrage. Wenn der VfB am Montag zum Beispiel in Hamburg spielt, ist es schwierig, die lange Fahrt in den Norden zeitlich zu meistern.