Horb · Das Mittwochs-Interview: „Die Tabelle ist völlig zweitrangig“

D er Schein trügt: Die beiden TuS-Trainer Sercan Simsek (Mitte, links) und Ismail Arslan (Mitte, rechts) waren mit ihren Spielern meist zufrieden.
Ulmer SÜDWEST PRESSE: Herr Simsek,
in den letzten Wochen haben Gegner kurzfristig Spiele gegen Ihr Team
abgesagt. Mehr als vier Wochen konnte der TuS deshalb nicht mehr antreten. Wie erging es Ihnen und den Jungs mit diesem Fußball-
Entzug?
Sercan Simsek: Das war frustrierend. Ismail und ich bereiten uns auf jedes Spiel vor, trainieren drei Mal die Woche mit der Mannschaft und wollen das Trainierte im Spiel dann natürlich auch umsetzten. Es ging deshalb darum, die Motivation hochzuhalten. Es ist viel Motivationstalent gefragt, wenn man so lange nicht spielen kann.
Wie haben Sie der Mannschaft für den Liga-Endspurt diesen Motivationsschub verpasst?
Also erstmal vorab: Die Jungs haben richtig Bock zu kicken! Die sind immer gut dabei. Damit das auch so bleibt, versuchen wir in erster Linie, etwas Abwechslung ins Training rein zu bringen. In den Übungsformen wird dann nicht nur die Belastung hochgefahren und ernster Fußball gespielt, sondern Spiel und Spaß eingebaut. Da gibt es dann am Ende vom Training auch mal Lattenschießen (lacht). Wer trifft, bekommt ein Spezi vom Ismail.
Apropos Latte: Wie hoch haben Sie sich die Latte vor der Saison gehängt und sind Sie zufrieden mit der
Abschlusstabelle?
Wir wussten vor der Saison natürlich, dass es für uns schwer wird. Wir haben viele junge Spieler dazu bekommen, die sich erst an das Spielniveau gewöhnen mussten. Ziel war es deshalb so früh wie möglich, nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben - das haben wir super erfüllt.
Welche sportliche Entwicklung hat Ihr Team vollzogen und auf was achtet das TuS-Trainerduo da
besonders?
Wir legen an aller erster Stelle Wert auf die Entwicklung der Jungs - die Tabelle ist völlig zweitrangig. Es ist klar: Die Jungen haben sich am Anfang sehr schwergetan. Das Tempo ist ziemlich hoch und allein körperlich weht in der Landesstaffel ein anderer Wind. Schon zum Ende der Hinrunde sind aber alle ans Niveau rangekommen, haben sich gut entwickelt und Gas gegeben. In der Rückrunde wurden die Jungs für ihren Fleiß belohnt und sind jetzt alle bereit für die Landesstaffel - sowohl taktisch als auch technisch. In den zwei Bereichen versuchen wir, viel zu vermitteln. Körperlich ist das nicht beeinflussbar. In dem Alter schickt man keinen ins Fitnessstudio!
Sie werden bald zusammen Ihre
Trainer C-Lizenz erhalten. Was für
eine Art Fußball lässt das Duo
Simsek/Arslan spielen?
Also bei uns heißt es mit Sicherheit nicht: Hoch und weit bringt Sicherheit (lacht). Wir wollen den Jungs modernen und schnellen Fußball beibringen. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir hinten kontrolliert rausspielen, statt den Ball einfach vorzuknallen. Wir versuchen uns ständig, weiterzubilden und selbst weiter zu lernen. Letztes Jahr durften wir Hertha BSC beim Pfingstturnier betreuen und haben uns einiges bei dem Ex-Profi und Jugendtrainer „Zecke“ Neuendorf abgeschaut. Dieses Jahr betreuen wir den VfB Stuttgart. Das sind tolle und interessante Erfahrungen.
Wie organisieren Sie sich als Trainerduo?
Was das Training angeht, halten wir ständig Rücksprache. Es passt kein Blatt zwischen uns. Wir organisieren das Training zwar abwechselnd jede Woche, aber sind immer im Austausch.
Das klingt nach Zeitaufwand. Wie bekommen Sie das zeitlich hin?
Ismail arbeitet viel und schichtet. Ich studiere im Master und arbeite nebenher. Manchmal kommen wir natürlich an Grenzen, aber wir haben ein gutes Organisationstalent und wenn die Jungs was lernen und Spaß an unserem Training haben entschädigt das. Ismail und ich trainieren jetzt schon seit vier Jahren zusammen. Wir kicken zwar beide nicht mehr, aber wollten unbedingt weitermachen mit Fußball. Jetzt geben wir unsere Erfahrung an jüngere weiter und wollen denen was vermitteln.
Wie geht es jetzt weiter? Ist für das Team in der nächsten Saison mehr als der Nicht-Abstieg drin?
Wir bleiben als Trainerduo bei der C1 und haben das Ziel oben mit anzugreifen. Die Jungs haben jetzt Landesstaffel-Erfahrung und aus unserer Sicht die Qualität dazu. Gerade planen wir den Kader und hatten kürzlich Probetrainings. Was die Älteren angeht, die in die B-Jugend wechseln: Das ist immer schwer zu sagen. Der Sprung in die Verbandsliga ist enorm. Aber ich bin überzeugt, dass die auf jeden Fall das Potenzial haben, wenn sie sich reinsteigern und beißen.