Fußball-Ass der Woche: Talent ja, richtige Einstellung nein

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Nicht gesetztWenn Dominik Bentele heute Spiele von Borussia Dortmund im Fernsehen anschaut, begleitet ihn ein wehmütiges Gefühl: Denn während dort sein ehemaliger Mitbewohner Ömer Toprak in Deutschlands höchster Fußballliga vor 80000 Zuschauern aufläuft, kickt Bentele in der Landesliga beim FC Holzhausen: Vor 150 Zuschauern. Der eine machte sein Hobby zum Beruf, für den anderen blieb es ein Traum.
Dabei hatten die beiden Fußballer eigentlich dieselben Voraussetzungen und genossen die anerkannte Jugendausbildung beim Bundesligisten SC Freiburg: Bentele teilte sich damals das Zimmer mit dem zwei Jahre älteren Toprak. „Das ärgert mich schon, weil ich das Talent für den großen Sprung hatte, aber meine Einstellung hat nicht gepasst. Bei Ömer hat alles gestimmt: Er ist zum Beispiel nie später als 23 Uhr zurück ins Internat“, erzählt der 27-Jährige, für den damals andere Dinge wichtiger waren.
Als er nämlich beim Drittligisten VfR Aalen seinen ersten Profivertrag unterschrieb, ruhte er sich auf seinem Erfolg aus: „Ich dachte: Ich bin ja eh noch jung und schaffe das schon noch“, sagt Bentele. Eine schöne Wohnung, ein schnelles Auto – für den damals 20-Jährigen zählten diese Statussymbole mehr als diszipliniert für die mögliche Profikarriere zu arbeiten.
Während es für Toprak dann schnell zu Deutschlands Top-Klubs Leverkusen und nun Dortmund ging, landete Bentele unsanft wieder auf dem Boden der Tatsachen. Denn auch beim damaligen Regionalligisten Sonnenhof-Großaspach konnte sich der 27-Jährige nicht durchsetzen: Coach Alexander Zorniger hatte in seiner Aufstellung keinen Platz für Bentele.
Neben Zorniger hatte der Holzhauser Linksaußen auch zuvor in der U19 des SC Freiburg einen prominenten Trainer: Christian Streich, der heute die Erstligamannschaft des SC trainiert. „Er wollte mir das Kopfballspiel beibringen“, erzählt der 1,73 Meter große Bentele, dessen große Schwäche bis heute der Kopfball ist. Dafür konnte Streich dem 27-Jährigen aber andere Fußball-Tugenden mit auf den Weg geben: „Er hat eine emotionale Einstellung mit brutal viel Leidenschaft und das überträgt er auf die Mannschaft, die damit wächst, auch wenn die Qualität nicht die höchste ist“, erzählt Bentele.
Beim FC Holzhausen aber hat für ihn der Kader die höchste Qualität in der Landesliga: „Wir haben uns deshalb als Mannschaft ganz klar das Ziel Aufstieg in die Verbandsliga gesetzt.“ Ein erstes großes Ausrufezeichen an die Konkurrenz sendeten die Holzhauser am Samstag mit dem 7:0-Kantersieg gegen Holzgerlingen, als Bentele mit seinem Dreierpack einer der Garanten für den Erfolg war.
Einer der Faktoren für die vergangenen zwei Siege ist auch, dass Bentele und Janik Michel immer besser zusammen harmonieren: „Er könnte noch öfter querlegen, dann wäre es perfekt. Aber das hört er in jedem Training von mir“, sagt Bentele. Dass er selbst seit Michels Verpflichtung im Schatten des bulligen Mittelstürmers steht, macht dem 27-Jährigen nichts aus: „Im Gegenteil: Ich bin froh, dass er da ist. Durch ihn ist unsere Qualität enorm gewachsen.“
Wie Michel und Bentele lockt der FC Holzhausen Spieler von außerhalb immer wieder mit Berufsangeboten beim Heinrich-Kipp-Werk: „Das war der Hauptgrund für meinen Wechsel“, verrät der Familienvater. Seine Eltern haben ihn in seiner Jugend gewarnt, nicht alles auf die mögliche Profi-Karriere zu setzen: „Sie waren dahinter her, dass ich eine Ausbildung mache und die habe ich dann auch durchgezogen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn wenn es damals nach mir gegangen wäre, hätte ich sie nicht bis zum Ende absolviert.“ Nun spielt der 27-Jährige schon seine zweite Saison beim FC und hat trotz der geplatzten Profi-Karriere das berufliche Standbein nicht verloren.
Er sieht aber auch die Gefahr von vielen guten Einzelspielern, die aus höheren Ligen zu Holzhausen wechseln: „Es ist immer schwierig, aus Einzelkönnern eine Mannschaft zu formen.
Und wenn von oben nur hochnäsige Kicker kommen, dann klappt es auch nicht. Aber Janik und ich wollen unsere Erfahrung einbringen und den anderen Spielern helfen – dann gibt es auch keine Probleme. Man merkt, dass wir zusammenwachsen“, sagt Bentele.
Im Kampf um den Aufstieg sieht er vor allem Pfullingen, Böblingen und Zimmern als Holzhausens größte Konkurrenten an. Der linke Mittelfeldmann will mit seinen Toren und Vorlagen das große Ziel verwirklichen: „Ich will mindestens 15 Treffer machen und genau so viele vorbereiten“, sagt er ehrgeizig. Damit hätte er seinen früheren Mitbewohner Toprak zumindest in einem Punkt übertroffen: Denn als Innenverteidiger wird dem Dortmunder das nicht gelingen.
Dominik Bentele FC Holzhausen
Geburtsdatum: 21. Februar 1991
Wohnort: Sigmaringen
Beruf: Bürokaufmann
Bisherige Vereine: SV Rosenfeld, TSG Balingen, SSV Reutlingen, SC Freiburg, VfR Aalen, SG Sonnehof-Großaspach, SC Pfullendorf, TSV Berg, FV Ravensburg.×
Position: Linkes Mittelfeld
Rechts-/Linksfuß: Rechtsfuß
Größter sportlicher Erfolg: DFB-Pokalgewinn mit der U19 des SC Freiburg 2009, Zwei Länderspiele für die Deutsche U17-Nationalmannschaft
Saisonziel: Aufstieg in die Verbandsliga