Ergenzingen · Jugendfußball
: Spielerisch fordern und fördern

Der TuS Ergenzingen geht neue Wege in der Spieler- und Trainerausbildung: Seit vergangenem Sommer kooperiert der Verein mit der von Saban Uzun geleiteten Avant Football Academy.
Von
Martin Körner
Ergenzingen

Die Jugendtrainer Sercan Simsek (Mitte, links) und Ismail Arslan (rechts daneben) kümmern sich seit Jahren vor allem um die Ergenzinger Verbandsstaffel-Nachwuchsteams. Durch die Kooperation mit Saban Uzun lassen sie sich von ihm bei ihrer Arbeit schon mal über die Schulter gucken.

Ulmer

Ein neues Ausbildungskonzept gibt es in der Jugendfußballabteilung des TuS Ergenzingen mit Beginn der Spielrunde 20/21. Der TuS

kooperiert mit der Avant Football Academy. Hinter dieser Academy steckt der frühere Ergenzinger Spieler und Jugendtrainer Saban Uzun.

Der 33-jährige Uzun gründete diese Akademie im Frühjahr 2020. „Die Idee hatte ich schon länger“, so der ehemalige Frauenbundesligatrainer. Die Avant Football Academy fördert zum einen Jugendspieler und -spielerinnen in allen Altersbereichen, bietet Camps an und bildet auch Trainer aus und weiter. Uzun kann in seinen jungen Jahren auf eine recht interessante sportliche Laufbahn zurückblicken. Der A-Lizenzinhaber war nach seiner Jugendtrainertätigkeit in Ergenzingen zunächst beim VfB Stuttgart in der Jugendabteilung als Techniktrainer beschäftigt, der weitere Weg führte ihn als Cheftrainer zu den Bundesligafrauen des VfL Sindelfingen. Nach dreieinhalb Jahre wechselte er von Sindelfingen zum VfL Wolfsburg, dort coachte er zwei Jahre lang die U23 Frauen in der Zweiten Bundesliga. Zudem ist der beim Württembergischen Fußballverband im Trainerlehrstab, wie auch für Trainerausbildungen und Fortbildungen eingesetzt. Nach seiner Zeit in Wolfsburg verschlug es Uzun längere Zeit ins Ausland.

Stationen bis nach Brasilien

„Das war sehr interessant“, kommt der Ergenzinger regelrecht ins Schwärmen, wenn er von seinen Stationen plaudert. So hospitierte er bei Galatasaray Istanbul, Benfica Lissabon, Red Bull Salzburg. Auch nach Brasilien trieb es den fußballversessenen Uzun, dort brachte er buchstäblich in der Wildnis den Kindern das Fußball ABC bei.

Der Kontakt zu seinem Heimatverein dem TuS Ergenzingen riss aber nie ab. Vor allem mit den aktuellen Trainern der U17-Verbandsstaffel-B-Juniorenmannschaft Ismail Arslan und Sercan Simsek gab es stets Kontakt. „Beide waren schon in der C- und A-Jugend früher bei mir Jugendspieler“, verfolgte er deren Trainerlaufbahn. Die Beiden brachten im Frühsommer Saban Uzun beim TuS auch ins Spiel. „Wir hatten von Sabans Idee von der Academy mitbekommen und fragten ihn, ob er mit dem TuS kooperieren würde. Wir stellten auch den Kontakt zur Jugendleitung her“, erzählt Ismail Arslan.

Die Jugendleitung um das Trio Alexander Braun, Gerd Bader und Gerald Dettling zeigte sich schnell begeistert: „Die waren sofort offen für etwas Neues“, freute sich Arslan, dass dann schnell die ersten Gespräche über die Bühne gingen. „Schon zuvor hatten wir uns in der Jugendleitung Gedanken gemacht über eine Fußballschule zur Weiterentwicklung unserer Jugendlichen“, so Alexander Braun über die ers ten Überlegungen vom letzten Jahr. Im Juni war es dann soweit und beim TuS fiel die Entscheidung zur Kooperation. „Wir sind glücklich darüber, einen professionellen Kooperationspartner gefunden zu haben, um unsere Nachwuchsarbeit auf ein noch höheres Level zu heben“, so Gerd Bader.

Alexander Braun erklärt den Ablauf der Kooperation, die auf drei Bausteinen basiert: Spieler - Trainer - Verein. Zunächst erfolgte in der ersten Phase von Juli bis Dezember eine Bestandsaufnahme der einzelnen Teams sowie deren Trainer. Das gegenseitige Kennenlernen stand bisher im Vordergrund. Diese wurde laut Braun Mitte November bei einer Videoschulung mit 15 Jugendtrainern vertieft. Saban Uzun hatte mittlerweile zig Trainingseinheiten und auch etliche Spiele der TuS-Junioren aller Altersklassen begutachtet.

Vor allem bei seinen früheren Schützlingen Ismail Arslan und Sercan Simsek war er eng dabei, so begleitete er die beiden U17 -Trainer eine Woche lang beim Training sowie Mannschaftsbesprechungen und Spielen. „Das ist schon irgendwie ein anderes Gefühl, wenn man weiß, dass man beobachtet wird“, so Arslan auf die Frage, wie es so ist, wenn jemand seine Tätigkeit begutachtet. Uzun stand stets im Hintergrund, schaute sich Trainingsablauf und Inhalt an und horchte bei Mannschaftsbesprechungen rein, die coronabedingt meist im Freien stattfanden.

„Die Rückmeldung war dann sehr hilfreich für uns“, waren für Ismail Arslan und seinen Kumpel Sercan Simsek die Gespräche recht positiv. Es wurde besprochen, was war gut, aber auch was anders gemacht werden könne. Und auch über die Spiele wurde ausführlich geredet, welche Taktik wurde gewählt, kam das angedachte System zur Umsetzung, solche Sachen. „Gut war natürlich, dass alles nicht unmittelbar, sondern Tage danach gemeinsam besprochen wurde. Für Arslan waren die Aufarbeitungen nicht nur hilfreich, sondern auch mit keinerlei Emotionen geschnürt.“

Qualitativ weiterentwickeln

Nun sind aber auch die Fördermaßnahmen für die Spieler angesagt, welche durch die Corona-Pause allerdings noch kaum zustande kamen. Ein Fußballcamp wurde bereits in den Sommerferien auf dem TuS-Gelände veranstaltet. Das weitere Programm sieht vor, dass Uzun in Klein- und Mittelgruppen mit sechs bis maximal zwölf Spielern trainiert. Diese Fördertrainingseinheiten, die rund 60 Minuten dauern, sollen dann wöchentlich leistungs- und altersbezogen auf dem Ergenzinger Sportgelände stattfinden, alles unter dem Motto „viel Fußball spielen, viel in Spielformen trainieren“. Für Uzun gilt der Slogan: „Fußball lernen durch Fußball spielen.“ Alexander Braun erhofft sich dadurch, dass sich „die Spieler qualitativ weiterentwickeln und durch die zusätzlichen, themenbezogenen Einheiten weiter verbessern“.

Zunächst hat die TuS-Jugendleitung dieses Talenttraining für die Altersklassen der A- bis D-

Junioren angedacht, welches auch ein Teil des Ergenzinger Ausbildungspakets ist. So kommen auf die Spieler keine weiteren Kosten zu, diese sind im Ausbildungsbeitrag inbegriffen, welchen der TuS seit November 2019 eingeführt hat.

Baustein drei der Kooperation lautet Verein: „Hier versprechen wir uns, dass wir ein einheitliches Spielsystem von den kleinsten Kickern bis zu den A-Junioren installieren können“, spricht Braun über die weiteren Ziele und gibt gleichzeitig bekannt, dass nach einem ersten Feedback zwischen Jugendleitung und der Avant Football Academy die Einigung getroffen wurde, den eingeschlagenen Weg auch 2021 fortzusetzen: „Denn der begonnene Weg ist noch lange nicht zu Ende.“