Das Mittwochs-Interview: „Ich will alle Schanzen mitnehmen“

David Siegel will nach seiner Verletzung nun richtig angreifen und hofft auf Weltcupeinsätze. Archivbild
Nicht gesetztSÜDWEST PRESSE: Herr Siegel, Sie haben im Sommer zum zweiten Mal nach 2016 den DM-Titel geholt. Sind Sie also nach Ihrer langen Sprunggelenkverletzung wieder ganz der Alte?
David Siegel: Kann man so sagen. Allerdings ist es der gleiche Erfolg mit einer anderen Hintergrundgeschichte. Denn ich habe nach meiner Verletzung sehr viel an der Technik gearbeitet und auch das Material verändert. Zudem habe ich mich auch persönlich weiterentwickelt.
Als Sie 2016 den DM-Titel geholt hatten, sprach die Presse von einer Sensation. Wie beurteilen Sie die zweite Meisterschaft?
Sie war ebenfalls überraschend. Ich wusste zwar, dass ich gut in Form war, wusste aber nicht, wo ich und die anderen Springer stehen. Zudem hatte ich ein Heimspiel auf der Anlage und es war einfach schön, wenn die Freundin und die Eltern dabei sind und zugucken.
Der Titel wird immer auf der Mattenschanze vergeben. Welchen Stellenwert hat der DM-Titel für Sie und für die anderen Springer?
Für mich hat dieser Titel einen hohen Stellenwert. Ich sage jetzt aber nicht, dass ich im Winter auch der beste deutsche Skispringer sein werde. Ich bin eher gespannt, was dieser Titel im Winter noch wert ist.
Es war ein langer Weg zurück an die Spitze. Was fiel Ihnen in der Zeit des Aufbautrainings am schwersten?
Ich war sehr ungeduldig. Vor allem waren die Physio-Einheiten hart für mich, weil die Beweglichkeit nur sehr langsam wieder zurückkam.
Im Sommer hatten Sie dann auch Zeit sich in Königsfeld beim Golfen zu versuchen. Wie lief es?
Gar nicht gut. Mir fehlt da die Übung. Mein Ball hoppelt einfach nur so übers Gras. Ich weiß gar nicht, wie die anderen es schaffen, dass der Ball fliegt. Es war aber eine nette Abwechslung.
Also wird es keine andere Karriere im Sport geben?
Nein.
Apropos andere Sportart: Ihr Bruder Jonathan erscheint in der Presse nun öfter mal als Torschütze beim Fußball. Er streift sich das Trikot des Kreisligisten VfR Sulz über. Hat er seine Skisprungkarriere beendet?
Im Moment pausiert er, weil er Kniebeschwerden hat. Wie es danach weitergehen wird, wird man sehen.
Bei Ihnen steht dagegen wieder ein ereignisreicher Winter bevor. Sie werden im B-Kader bleiben. Wie sehen Sie Ihre Chancen, nach dem guten Sommer und dem Lehrgang in Innsbruck zunächst im Weltcup starten zu können?
Das wird man sehen. Die Entscheidung wird Bundestrainer Werner Schuster fällen.
Wann wird der Bundestrainer endgültig entscheiden, ob Sie im Welt- oder Continentalcup springen werden?
Da gibt es bis jetzt kein genaues Datum.
Im Weltcup müssten dann die Ergebnisse stimmen, um auch Chancen für einen Auftritt bei der Vierschanzentournee oder bei der WM in Seefeld im Februar 2019 an den Start gehen zu dürfen. Wie gehen Sie mit solchen Drucksituationen um?
Ich sehe diese Situation nicht als Druck an, sondern eher als ein Privileg, überhaupt die Chance zu haben, dort starten zu dürfen. Ich freue mich schon auf die Herausforderung.
Also setzten Sie sich nach der verpassten Olympia-Nominierung nun auch nicht unter Druck, um nicht schon wieder ein Großereignis zu verpassen?
Nein. Es war sicherlich ärgerlich, dass es mit Olympia nicht geklappt hat. Aber nun steht ein neuer Winter vor der Tür und ich habe den Trainingsrückstand nach der Verletzung gegenüber den anderen Springern aufgeholt. Daher habe ich nun viel bessere Chancen, um mich für die großen Springwettbewerbe zu qualifizieren.
Welche Ziele wollen Sie in diesem Winter auf jeden Fall erreichen?
Ich will vor allem in das Weltcup-Team reinspringen und dann alle Schanzen mitnehmen. Das würde dann auch bedeuten, dass ich bei der Vierschanzentournee und bei der WM in Seefeld dabei wäre.
Und wann sehen wir den ersten 200-Meter-Sprung von Ihnen?
Ich hoffe in diesem Winter. Mein Rekord steht bei 192.5 Metern, den will ich brechen und auf über 200 Meter springen.
Warum ist Ihnen diese Marke zu wichtig?
Weil noch weniger Leute von sich sagen können, dass sie schon mal über 200 Meter weit geflogen sind. Zudem schätze ich mich mehr als einen Flieger ein.