Das Mittwochs-Interview · David Siegel
: „Ich kann mich nun bei der Tournee zeigen“

Der Dürrenmettstetter David Siegel will bei der Vierschanzentournee noch sein Ticket für die Olympischen Spiele lösen. Im Gespräch spricht er über seine Chancen und seine Konkurrenten.
Von
Sascha Eggebrecht
Dürrenmettstetten

Der Dürrenmettstetter Skispringer David Siegel hat sich gerade auf die nun bald beginnende Vierschanzentournee vorbereitet. Archivbild

Nicht gesetzt

Herr Siegel, vor rund vier Wochen hat Bundestrainer Werner Schuster erklärt, dass Sie eine Wettkampfpause bräuchten. Kam dieser Schritt überraschend?

David Siegel: Nein. Es war ganz klar im Team besprochen worden, dass es nach Rußland einen Wechsel im Team geben wird. Nach meinen Leistungen war es zu erwarten. Ich bin dann in den Continentalcup gegangen und Constantin Schmid hat meinen Platz eingenommen.

Zuvor hatten Sie zweimal die Qualifikation für ein Weltcupspringen verpasst. Was lief schief?

Es war ein allgemeines Problem. Ich hatte ein schlechtes Körpergefühl. Ich wollte die vorgenommenen Korrekturen umsetzen, doch nichts klappte. Durch Gleichgewichtstraining habe ich dieses Problem nun aber lösen können.

Demnach hat Ihnen die Wettkampfpause gutgetan?

Auf jeden Fall. Nach der Verletzung im Sprunggelenk und der langen Pause fehlten mir doch viele Sprünge. Die konnte ich nun nachholen. Zudem musste ich nicht Reisen und hatte dadurch keinen Stress.

Ist nun alles besser?

Die Trainingssprünge in der vergangenen Woche waren allesamt zwei Klassen besser als sonst. Die Pause hat sich gelohnt.

Im Continentalcup haben Sie zuletzt in Finnland die Plätze 31 und 15 erreicht. Sind Sie daher immer noch auf der Suche nach Stabilität in den Sprüngen?

Die Konstanz ist in den Sprüngen weiterhin nicht da. Die jetzigen Sprünge waren aber schon sehr gut. Von elf Sprüngen waren zehn konstant. Dennoch geht es weiter hoch und runter bei mir. Die Zeit wird zeigen, wie viel Stabilität noch in meine Sprünge kommen werden.

Nun steht die Vierschanzentournee auf dem Plan. Welche Ziele verfolgen Sie dort? Die Konkurrenz im eigenen Lager ist groß ...

Ich möchte schon einen Platz unter den Top 30 in Oberstdorf erreichen. Zudem möchte ich alle Sprünge bei der Tournee machen. Ich werde mich aber nicht verrückt machen. Ich werde meinen Weg gehen und dann wird auch etwas Gescheites dabei rauskommen.

Nach Oberstdorf wird auch ein Bus mit Fans aus Ihrem Heimatdorf Dürrenmettstetten anreisen. Ein besonderer Moment für Sie?

Ja, klar. Es ist schon etwas besonderes, wenn die Familie, Freunde und Fans an der Schanze stehen und mitfiebern. Vor zwei Jahren war es auch wunderschön, als ich oben auf der Schanze stand und ich unten die ganzen Fans aus Dürrenmettstetten mit ihren großen Plakaten gesehen habe. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man weiß, dass so viele dir die Damen drücken. Alle haben einfach Spaß.

Werden Sie sich auch etwas Zeit für die Einheimischen nehmen?

Das wird schwierig werden. Die Tournee ist stressig und durchgetaktet. Ich habe nur über Handy mit meinen Eltern Kontakt. Ansonsten will jeder gleich ein Foto und Autogramme. Da ist schnell immer eine große Traube um einen herum.

Nach der Tournee sind es nur noch wenige Tage bis Olympia. Haben Sie Ihren Traum schon aufgegeben?

Nein. Ich weiß, dass es schwieriger geworden ist. Aber, ich gebe meinen Traum nicht auf. Es gibt noch Chancen. Ich kann mich nun bei der Tournee zeigen und beweisen. Ich habe es noch in der Hand.

Die Konkurrenz im eigenen Lager ist groß. Freitag und Wellinger springen in einer anderen Liga. Die freien Olympia-Plätze werden somit rarer. Wer sind die Konkurrenten um ein Olympia-Ticket?

Da gibt es einige. Stefan Leye, Karl Geiger und Markus Eisenbichler springen auch in die Top-Ten-Plätze. Da bieten sich also genügend Springer an. Es wird auch für die Trainer schwierig werden, die richtige Entscheidung zu treffen.

Wie meinen Sie das?

Wenn mehrere die Norm erreicht haben, müssen trotzdem einige zu Hause bleiben. Da müssen die Trainer schon gucken, wer hat die Norm zum Anfang der Saison geschafft, wer später. Wer hat gerade eine auf- und welcher Springer eine absteigende Form.

Svenja Würth hatte das Olympia-Ticket schon in der Tasche. Dann der Kreuzbandriss in Hinterzarten. Haben Sie mit Ihr über den Sturz und die Folgen gesprochen?

Ja, wir haben uns am Heiligenabend in Baiersbronn getroffen. Da gibt es immer ein kleines Training und ein Beisammensein. Es ist sportlich sehr tragisch für sie.

Würth ist bereits die vierte Olympia-Hoffnung, die einen Kreuzbandriss erlitten hat. Ist die Belastung für die Sportler zu hoch?

Schwer zu sagen. Die Sportler haben ja nicht die gleichen Athletiktrainer. Daher denke ich, dass es Zufall war. Den Sturz von Svenja habe ich im TV gesehen. Da war schnell klar, dass der nicht gut fürs Knie war.