Darts
: Das Spiel gegen die Legende

Robert Marijanovic bekam es bei den German Darts Masters am Freitagabend in Düsseldorf mit Großmeister Phil Taylor zu tun. Die Überraschung blieb aus, dennoch präsentierte sich der Freudenstädter gut. Den Turniersieg sicherte sich Peter Wright.
Von
Fabian Schäfer
Horb

Am Ende war Phil „The Power“ Taylor doch zu stark für Robert Marijanovic. Im Finale unterlag der Brite jedoch seinem Gegner Peter Wright.

Nicht gesetzt

E s ist soweit. Während von Experten und Fernsehmoderatoren noch die vorangegangene Partie diskutiert wird, tritt Robert Marijanovic aus der Tür direkt neben der Bühne. Wenige Sekunden später erscheint auch Phil Taylor. Marijanovic steht in der Weltrangliste deutlich hinter dem Briten, also wird er zuerst auf die Bühne gehen. Der Freudenstädter läuft den Ausläufer entlang, mitten in die durch halbhohe Banden abgetrennten Fans. Auf der Bühne begrüßt John McDonald, der „Master of Ceremonies“ (Hallensprecher), das Publikum und kündigt das kommende Spiel an. Marijanovic rückt seine Brille zurecht, schließt die Augen, wendet das Gesicht zur Hallendecke. Dann geht der Blick nach vorne. Er lächelt.

„Its the Robstar, Robert Marijanovic!“, ruft John McDonald. Aus den Lautsprechern dröhnt „Big Gun“ von „AC/DC“. Der Freudenstädter setzt sich in Bewegung, das Grinsen hat sich auf das ganze Gesicht ausgeweitet. Links und rechts klatscht er die jubelnden Zuschauer ab. Kurz vor der Bühne hält er inne – eine Umarmung für die Schwester, ein Küsschen für die Freundin, die direkt an der Bande stehen. Dann springt er fast die wenigen Stufen zur Bühne hinauf, hebt grüßend die Arme, schüttelt die Hände der Offiziellen. Währenddessen hat sich Phil Taylor bereits in seine Walk-On-Position gebracht. Er wirkt entspannt, lächelt, unterschreibt sogar noch eine kleine Tasche für einen Fan, während John McDonald die Erfolge des 57-Jährigen aufzählt. Dann, unter lautem Donnergrollen, wird „The Power“ auf die Bühne gerufen. Souverän marschiert der Rekord-Champ den Gang entlang in Richtung Bühne. Oben angekommen, reichen sich die Kontrahenten die Hände. Beide lächeln, Taylor wirkt lockerer als der Freudenstädter. „Den Walk-On konnte ich erstmals richtig genießen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Vielleicht, weil keiner erwartet hat, dass ich gewinne“, erzählt Marijanovic später.

Guter Start hinter der Bühne

Bereits am Freitagmorgen ist der 37-Jährige kurz in die Düsseldorfer „Castello-Arena“ gefahren und hat eine Stunde mit Dragutin Horvat trainiert. Um 17 Uhr geht es dann zum zweiten Mal in die Halle. Als gegen 22.30 Uhr Horvat und sein Gegner Peter Wright die Bühne betreten, geht auch bei dem Freudenstädter der Puls hoch. Er trifft Phil Taylor am Practice-Board in einem kahlen Raum neben der Halle. Hier wird „ausgebullt“: Wer zuerst die Mitte der Scheibe, das „Bulls Eye“, trifft, darf nachher auf der Bühne das Match beginnen. Marijanovic gewinnt. „Das ist natürlich ein guter Start. Da denkt man sich: Wenn ich meine Aufschläge durchbekomme, könnte vielleicht was gehen“, erzählt der jetzige Superleague-Sechste.

Die Partie beginnt. Noch bevor Caller Russ Bray das Match eröffnet, schallt die Taylor-Hymne „There’s only one Phil Taylor“ durch die Halle. Und das bleibt so. Bis zum Ende der Partie singen sich die Fans regelrecht die Kehlen wund. Davon, dass Marijanovic hier der „Heimspieler“ ist, ist nichts zu merken. „Ich hab’ keinen Druck, ich bin nur Statist. Die Leute wollen Taylor sehen, ich bin da so wichtig wie der Schreiber“, scherzte der 37-Jährige vor dem Match.

Dennoch kommt der Freudenstädter gut in die Partie. Schnell steht er bei 40 Punkten Rest. Der erste Wurf verfehlt das nötige Doppelfeld, der zweite sitzt in der Doppel zehn – 1:0 für Marijanovic. Doch der 16-malige Weltmeister lässt sich nicht beeindrucken und startet direkt mit der ersten 180 in das zweite Leg. Kurz darauf hat Marijanovic plötzlich die Chance zum 2:0, doch diesmal verpasst er das Doppel. Taylor trifft – 1:1. Marijanovic dreht sich zu seinem Anhang im Publikum um, schüttelt kurz den Kopf, tippt sich gegen die Stirn. „Alles Kopfsache“, bedeutet er seiner Familie vor der Bühne. „Man nimmt sich vorher viel vor, was man nicht machen will. Und dann tut man es doch“, ärgert sich Marijanovic später.

Im vierten Leg gelingt dem Freudenstädter seine erste – und einzige – 180. Marijanovic reißt die Faust hoch. Er spielt gut, trifft viele Triple-Felder. Doch Taylor ist besser. „Ich will bloß keine 26 werfen“, hatte Marijanovic vor dem Spiel gesagt. Das gelingt ihm. Am Ende unterliegt er mit 2:6, das vorletzte Leg geht nochmals an den beruflichen Lagerleiter. „Es war aufregend. Ich habe mich ein bisschen geärgert, weil Taylor nicht sein höchstes Niveau gespielt hat. Zwei Legs hätte ich mir noch gegönnt“, sagt Marijanovic direkt nach dem Spiel. „Aber es war okay, ich bin nicht untergegangen oder wie ein Idiot da gestanden.“ Hätte er noch einen Gang höher geschalten, hätte Taylor das um zwei Gänge getan, ist sich Marijanovic sicher.

Als das Spiel vorbei ist, nimmt Taylor wie immer das Dartboard von der Wand, lässt es von allen Beteiligten unterschreiben und schenkt es – nicht wie sonst – einem Fan, sondern Marijanovic. „Er hat gesagt: Es ist deins. Was soll ich da machen?“, witzelt der 37-Jährige. „Vielleicht hat er es mir auch geschenkt, weil ich ihm leidgetan habe, weil die Fans nur für ihn gesungen haben.“

Die Qualität des Turnieres nimmt im Laufe des Samstags deutlich zu. In den beiden Halbfinals stehen sich James Wade und Phil Taylor sowie Peter Wright und Raymond van Barneveld gegenüber. Taylor setzt sich letztlich klar mit 11:7 durch, Wright muss kämpfen und siegt mit 11:9 gegen den Niederländer van Barneveld. Im Finale hat anschließend „The Power“ die Chance, bei seinem letzten Auftritt in Deutschland einen weiteren Turniersieg zu holen. Doch die Kraft geht dem 57-Jährigen aus. Peter Wright zeigt dagegen sein stärkstes Match im Turnierverlauf und gewinnt deutlich mit 11:4.

Für die deutschen Spieler sind die ersten German Darts Masters eine weniger erfolgreiche Angelegenheit. Keiner schafft es in die zweite Runde, auch Deutschlands Nummer eins Max Hopp scheitert in seinem Auftaktmatch am zweimaligen Weltmeister Gary Anderson. „Wir haben beide nicht unsere besten Darts gespielt, es war kein schönes Match. Ich habe den Druck gespürt“, erzählt Hopp im Anschluss an die Partie. Immerhin Mensur Suljovic aus Österreich gelingt der Sprung in Runde zwei. Dort führt er deutlich gegen den späteren Turniersieger Peter Wright mit 9:6, dann verliert der 45-Jährige vier Legs in Folge und gibt die Partie doch noch aus der Hand. „Ich war sehr nervös. Leider hat es nicht geklappt. Ich hatte die Chance, nicht genutzt, vorbei“, resümiert ein sichtlich enttäuschter Suljovic nach dem Match. Das Turnier an sich bezeichnet er trotzdem als „großen Schritt“ für die deutschsprachigen Dartspieler.

Auch Turniersieger Peter Wright sagt im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE: „Viele der deutschen Spieler sind noch sehr jung. Und man wird nur besser mit Erfahrung. Ich wünschte, ich wäre so jung gewesen, als ich so gespielt habe. Jetzt bin 47, sie sind 22, 23 Jahre alt. Ihnen gehört die Zukunft.“