Olympia-Kolumne
: Wo ist nur wieder Behle?

Olympischer Sport animiert zum Mitmachen – manchmal auch die Reporter. Die dann auch auf eher unvernünftige Ideen kommen. Zum Beispiel: einen Selbstversuch im 50-Kilometer-Langlauf.
Von
Dirk Preiß
Cortina d’Ampezzo
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776396186: This photograph shows a view of the knees, legs and feet of Norway's Johannes Hoesflot Klaebo as he skies during the men's team cross country free sprint qualification event of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic Games at Tesero Cross-Country Skiing Stadium in Lago di Tesero (Val di Fiemme), on February 18, 2026. (Photo by Tobias SCHWARZ / AFP)

Die Beine von Johannes Klaebo sind die stärksten bei den olympischen Langlauf-Wettbewerben – aber auch unser Kollege hat sich achtbar geschlagen.

TOBIAS SCHWARZ/AFP
  • Olympia-Reporter lassen sich vom Sport anstecken und planen eigene Versuche.
  • Lauf um den Toblacher See mit fitten Kollegen; Tempo am schwächsten Glied.
  • Selbstversuch: 50‑km‑Langlauf; Skiverleih gibt Profi-Ausrüstung und Tipp.
  • Arnd Peiffer rät, beim Skating auch mal auf beiden Beinen zu ruhen.
  • Kollege bricht wegen Schulter nach 30 km ab; „Wo ist Behle?“ sorgt für Spannung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als olympischer Reporter schaut man innerhalb von zweieinhalb Wochen ja so allerhand Sport. Vieles ist beeindruckend, manches angsteinflößend, einiges auch animierend. Wir haben uns jedenfalls irgendwann mal gedacht: Warum nicht auch mal Sport treiben?

Sehr stolz auf diesen außerordentlichen Willen haben wir diese Idee eines Morgens in unserer kleinen Olympia-WG präsentiert. Und Mitstreiter gefunden. Das war einerseits schön, andererseits war schnell klar, dass wir zwar als Impulsgeber, aber nicht als sportlicher Anführer auf die Runde um den Toblacher See gehen würden. Der eine erzählte plötzlich von der Teilnahme am Engadiner Skimarathon, der andere outete sich als Ironman-Finisher – und erwähnte das derart beiläufig, als ginge es um das erfolgreich erlangte Zertifikat im Nordic Walking für Gelegenheitssportler.

Allerdings waren unsere Sorgen bezüglich der Laufeinheit dann eher unbegründet, weil das Tempo sich am schwächsten Glied der Kette orientierte und dieses sich auch noch Atempausen ergaunerte, indem er einen jungen Australian Shepard ausgiebig mit Liebkosungen bedachte. Und irgendwie froh war, gar kein Eisenmann zu sein. Denn wenn man das nicht ist, kommt man auch nicht auf dumme Ideen. Zum Beispiel: einen Selbstversuch im 50-Kilometer-Langlauf.

Beim Skiverleih schauten sie dann auch ein wenig erstaunt, als der Kollege M. (Name der Redaktion bekannt) sein Vorhaben schilderte. Die Profi-Ausrüstung hat er dennoch erhalten. Und auch einen Profi-Tipp. Am Vorabend der Tortur trafen wir Arnd Peiffer, der ist ehemaliger Biathlet und hat bei Olympia 2014 zusätzlich den 50-Kilometer-Langlauf bestritten.

Als er nun vom Plan des Kollegen M. hörte, konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen und fragte zur Sicherheit nach: „50 Kilometer? Und du bist quasi Anfänger?“ Dann meinte er milde lächelnd: „Viel Spaß.“ Und gab den Rat, sich trotz Skating-Technik ab und zu auch auf beide Beine zu stellen. Um auszuruhen. Der Kollege hat sich das zu Herzen genommen, hat reichlich Riegel eingepackt und sich dann verabschiedet. Es gab Zwischenberichte, die uns erst erheiterten, dann besorgten – als er sagte: „Houston, wir haben ein Problem.“ Die Schulter.

Wir waren dann kurz davor, einen Suchtrupp loszuschicken, riefen mehrfach „Wo ist Behle?“ – als er nach zweieinhalb Stunden die Tür öffnete. Geschafft, aber auch ein bisschen geknickt. Denn: Nach 30 Kilometern war Schluss. „Immerhin die Frauen-Distanz“, meinte er. Ehe wir ihm erklärten, dass diese am Sonntag in Tesero auch 50 Kilometer weit laufen.

Wir sind natürlich trotzdem stolz auf den Kollegen. Und sind sicher: Arnd Peiffer ist es auch.