Olympia 2024
: Erste Medaille für Deutschland! Märtens krault zu Gold

Lukas Märtens hat in Paris die erste Medaille geholt und sich selbst zum ersten deutschen Schwimm-Olympiasieger im Becken seit 36 Jahren gekrönt.
Von
sid
Paris
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Paris 2024 - Schwimmen: 27.07.2024, Frankreich, Paris: Olympia, Paris 2024, Schwimmen, Paris La Defense Arena, 400m Freistil, Männer, Finale, Lukas Märtens (r) aus Deutschland jubelt neben Guilherme Costa aus Brasilien. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Lukas Märtens (r) aus Deutschland jubelt neben Guilherme Costa aus Brasilien.

Michael Kappeler/dpa

Den Fabelweltrekord verpasst, aber Gold gewonnen: Shootingstar Lukas Märtens hat Team D in Paris die erste Medaille beschert und sich selbst zum ersten deutschen Schwimm-Olympiasieger im Becken seit 36 Jahren gekrönt. Der 22-Jährige schlug im Finale über 400 m Freistil vor 17.000 Zuschauern im Rugbystadion La Defense nach 3:41,78 Minuten als Erster an und sicherte sich nach drei WM-Medaillen und EM-Gold 2022 den größten Titel seiner noch jungen Karriere.

Der Magdeburger ließ die Konkurrenten den Australier Elijah Winnington und Kim Woomin aus Südkorea hinter sich, an die 15 Jahre alte Bestzeit von Paul Biedermann (3:40,07) im Hightech-Anzug kam er aber nicht heran. Schon im April bei den deutschen Meisterschaften hatte Märtens mit der besten Zeit auf dieser Strecke seit zwölf Jahren am Weltrekord gekratzt. Damit steht, wie er damals in Berlin schon scherzte, der Landesrekord von Sachsen-Anhalt immer noch.

Seit 1988 kein Gold mehr für deutsche Schwimmer

Märtens beendete eine lange Durststrecke für die deutschen Beckenschwimmer: Seit „Albatros“ Michael Groß 1988 hatte niemand mehr olympisches Gold gewonnen. Florian Wellbrock, in Tokio Olympiasieger im Freiwasser, hatte damals als Dritter über 1500 m Freistil dieses Ziel noch verpasst. 

Schon im Vorlauf hatte Märtens, Trainingskollege von Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock, seine aktuelle Stärke demonstriert und souverän als Schnellster den Endlauf erreicht. Seine rasante Entwicklung ist umso beeindruckender, weil ihn in dieser Saison immer gesundheitliche Probleme zu Pausen zwangen. „Wir haben mich ganz gut hinbekommen, unter den ganzen Umständen“, sagte Märtens, dem mehrere Monate Training fehlen: „Perfekt ist der Zustand nie, trotzdem bin ich super drauf, gesundheitlich habe ich das alles gut in den Griff bekommen." 

Der Frankfurter Oliver Klemet, der ebenfalls in Magdeburg bei Bundestrainer Bernd Berkhahn trainiert, kam auf Platz Sieben. Der 22-Jährige startet in Paris noch über 1500 m und im Freiwasser. Für Märtens geht das olympische Programm schon am Sonntagmorgen mit dem Vorlauf über 200 m weiter. Auch auf der halben Distanz hat er als Zweiter der Weltjahresbestenliste Medaillenchancen. Außerdem stehen die 4x200-Freistilstaffel und die 200 m Rücken an.

„Seine Entwicklung war der Hammer“, schwärmte Wellbrock über Märtens, dessen Entwicklung er jeden Tag im Training verfolgen konnte: „Es ist schön mitzuerleben, wie da neben einem so ein Topstar heranwächst.“ Bei seiner Olympiapremiere vor drei Jahren in Tokio, als er mit der besten Meldezeit angereist war, schied er als Zwölfter schon im Vorlauf aus. Seitdem hat er sich zu einer festen Größe über 400 m entwickelt: Von den letzten drei Weltmeisterschaften brachte er einmal Silber und zweimal Bronze mit.