Norbert Haug über die Formel 1
: Ex-Mercedes-Motorsportchef rechnet ab – Ein „Trauerspiel“

Keine Übertragung im Free-TV und keine deutschen Fahrer mit Siegchancen - Ex-Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug kritisiert die Formel 1 deutlich.
Von
Florian Huth
Melbourne
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Der ehemalige Motorsport-Chef von Mercedes-Benz, Norbert Haug, kritisiert das derzeitige Standing der Formel 1 in Deutschland.

Christoph Schmidt/dpa

Die Formel 1 hat es derzeit beim deutschen Publikum schwer. Es findet sich kein Sender, der die vier ausgeschriebenen Rennen im Free-TV zeigen möchte. Dass aktuell kein deutscher Fahrer in der Königsklasse dabei ist, der in einem siegfähigen Auto sitzt, macht die Situation nicht einfacher. Der ehemalige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug findet deutliche Worte.

„Begriff Trauerspiel trifft ziemlich exakt“

Haug hat sich vom sinkenden Stellenwert der Formel 1 in Deutschland enttäuscht gezeigt. „Der Begriff Trauerspiel trifft ziemlich exakt, was Deutschland in der Formel 1 aktuell zu bieten, oder zutreffender gesagt, nicht zu bieten hat“, schrieb Haug in einer Kolumne für das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Die Mängelliste ist lang: „Kein siegfähiges Team, ein einziger deutscher Fahrer im Feld, der in einem Team mit einem Auto fährt, mit dem auch der Allerbeste nicht gewinnen kann, dazu ein Ersatzfahrer ohne kurzfristige Chancen für einen Renneinsatz.“

Nico Hülkenberg fährt im Auto von Team Haas in der Formel 1 in dieser Saison wohl nur hinterher.

David Davies/dpa

Hülkenberg ohne Chancen – Schumacher wohl ohne Einsatz

Norbert Haug spielt in seiner Kritik auf die Fahrer Nico Hülkenberg und Mick Schumacher an. Hülkenberg ist zwar bei Haas Stammfahrer, fährt mit den Amerikanern aber nur hinterher. Und Mick Schumacher ist bei Mercedes in dieser Saison nur Ersatzfahrer und wird unter normalen Umständen kein Rennen bestreiten. „Was für ein niederschmetternder Kontrast zu den glorreichen Zeiten Deutschlands in der Formel 1 mit zwölf gewonnenen Fahrer-Weltmeistertiteln von Schumacher, Vettel und Rosberg“, ergänzte Haug, der bis 2012 bei den Silberpfeilen verantwortlich gewesen war.

Kein Rennen im Free-TV – Sportliche Langeweile als Mitgrund

Haug kann nachvollziehen, dass sich in Deutschland bislang kein TV-Sender gefunden hat, der neben Rechteinhaber Sky vier Rennen im frei empfangbaren Fernsehen übertragen will. Grund dafür sei auch die sportliche Langeweile. „Heute zeigt einzig und alleine Red Bull Racing, wo in der Formel 1 der Hammer hängt, und der Sieger steht bereits fest, bevor die Lichter der Startampel erloschen sind“, betonte Haug vor dem Großen Preis von Australien am Sonntag: „Kein Fehler von Red Bull, sondern vielmehr der all jener, die nicht hinterherkommen oder womöglich gar überholen können.“