Nationalmannschaft
: 0:2 gegen Österreich: Schwache DFB-Elf erlebt einen ganz bitteren Abend in Wien

Nach der Türkei-Pleite sollte alles besser werden. Doch es folgt der nächste Tiefschlag - und ein Leistungsträger nimmt sich mit einem Ausraster selbst aus dem Spiel.
Von
dpa, mut
Wien
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Leroy Sane (links) im Zweikampf mit Österreichs Stefan Posch.

Christian Charisius/dpa

So droht bei der EM das nächste Turnierdebakel: Julian Nagelsmann und die deutsche Nationalmannschaft haben sich mit einer alarmierenden Frust-Vorstellung in die lange Länderspielpause verabschiedet. Sieben Monate vor dem Auftaktspiel verlor die DFB-Auswahl am Dienstag in Wien mit 0:2 (0:1) gegen Österreich und schleppt eine riesige Hypothek mit ins Turnier-Jahr. Bayern-Star Leroy Sané schlug Gegenspieler Phillipp Mwene vom FSV Mainz 05 zu Beginn der zweiten Halbzeit ins Gesicht und verpasst rotgesperrt möglicherweise die gesamte EM-Vorbereitung.

Dortmund-Profi Marcel Sabitzer (29.) erzielte vor 46 000 Zuschauern die Führung. RB Leipzigs Christoph Baumgartner (73.) entschied die Partie. Nach Sanés Ausraster (49.) versuchte es Nagelsmann mit mehreren Wechseln, keiner half. Zwei Herbst-Niederlagen zum Jahresabschluss gab es vor einer EM oder WM noch nie - die Chance zur Wiedergutmachung hat die DFB-Auswahl frühestens im März.

Drei Tage nach dem 2:3 gegen die Türkei verstärkte Nagelsmann für das Trainer-Duell mit seinem einstigen Förderer Ralf Rangnick zwar die gescholtene Defensive mit Leon Goretzka als Absicherung und drei echten Innenverteidigern. Die DFB-Auswahl blieb aber enorm anfällig gegen motivierte Gastgeber. 

Mit schnellen Ballverlusten im Aufbauspiel brachte sich die DFB-Elf immer wieder selbst in die Bredouille. Dabei sollte mit der Hereinnahme von Routinier Mats Hummels als weiterem Innenverteidiger neben Antonio Rüdiger und Jonathan Tah mehr Stabilität ins deutsche Spiel kommen. Doch das Gegenteil war der Fall, wacklig und anfällig war die Defensive. Bereits nach 90 Sekunden setzte der Leipziger Baumgartner einen ersten Warnschuss auf das erneut von Kevin Trapp gehütete deutsche Tor ab.

Das deutsche Spiel blieb in den ersten 45 Minuten offensiv erschreckend harmlos. Dafür kam aus dem Mittelfeld, wo Leon Goretzka anstelle von Joshua Kimmich neben Kapitän Ilkay Gündogan agierte, viel zu wenig.

Anders dagegen die Österreicher: Mit langen Bällen stellten sie den EM-Gastgeber immer wieder vor Probleme, wie bei zwei Chancen des Freiburgers Michael Gregoritsch (12. und 17.). Das konnte nicht lange gut gehen. Wieder überbrückten die Österreicher schnell die eigene Hälfte. Sabitzer wurde dabei von Tah nicht konsequent attackiert, sodass der Dortmunder mit einem strammen Schuss links unten einschießen konnte. Rangnick, der Österreich souverän zur EM-Teilnahme geführt, ballte die Faust. Auf eine Reaktion seines Teams wartete Nagelsmann im ersten Durchgang auch vergebens, der hilflos wirkende Distanzschuss von Serge Gnabry war da schon fast stellvertretend (40.).

Abwehr wackelt erneut

Richten sollte es nun Thomas Müller, der für Niclas Füllkrug zur zweiten Halbzeit kam. Die erhoffte Signalwirkung wurde aber sofort von einer dummen Aktion Sanés konterkariert. Er ließ sich nach einem hitzigen Duell mit Mwene zu der üblen Tätlichkeit hinreißen, als er dem Mainzer die Hand ins Gesicht drückte und ihn zu Boden stieß. Die Rote Karte war nur folgerichtig.

Wie leicht die deutsche Auswahl auszuhebeln war, wurde beim zweiten Gegentor deutlich, als Gregoritsch mit einem direkten Ball Baumgartner bediente, der Trapp keine Chance ließ – 2:0 für die Gastgeber, der Endstand.

Karriereplanung beim FC Bayern übers Saisonende hinaus

Die Länderspielpause ist vorbei, bereits an diesem Freitag (20.30 Uhr) geht es in der Bundesliga mit dem Klassiker des FC Bayern beim 1. FC Köln weiter.

Thomas Müller hat jetzt offiziell angekündigt, seine Karriere über das Saisonende hinaus fortsetzen zu wollen. „Ich will auf jeden Fall über 2024 hinaus ein Jahr weiterspielen. So ist zumindest mein Plan“, sagte der 34-jährige Münchner Nationalspieler der „Sport Bild“. „Ich habe weiter Spaß daran, auf dem Platz zu stehen – ich hoffe, das sieht man.“

Sein Vertrag läuft wie der von Kapitän Manuel Neuer, Sven Ulreich, Eric Maxim Choupo-Moting und Bouna Sarr am Saisonende aus. Außer sieben Jahren als Kind beim TSV Pähl lief Müller nur für den deutschen Branchenprimus auf. Präsident Herbert Hainer betont: In der Vertragsfrage bestehe keine Eile. „Er weiß, wie ungemein wir alle ihn schätzen.“