Unglück Olympiasieger Reinelt ist tot

Maximilian Reinelt (Mitte) mit Florian Mennigen (rechts) und Lukas Müller nach dem Olympiasieg in London.
Maximilian Reinelt (Mitte) mit Florian Mennigen (rechts) und Lukas Müller nach dem Olympiasieg in London. © Foto: dpa
Ulm / Ute Gallbronner 12.02.2019

Warum ausgerechnet er? Diese Frage haben sich gestern alle gestellt, als sie vom plötzlichen Tod Maximilian Reinelts erfahren haben. Der 30-Jährige war am Samstag (09. Februar 2019) beim Langlaufen im Engadin zusammengebrochen und konnte nicht mehr gerettet werden. Die genaue Todesursache ist noch nicht klar.

„Ich bin geschockt“, sagt Raimund Hörmann, sportlicher Leiter beim Ulmer Ruderclub Donau. „Max war ein Musterathlet, ein Vorbild in allem. So einen bekommst du nur alle 100 Jahre.“ Ähnlich klingen die Nachrufe aus Dortmund, wo Reinelt mit dem Deutschland-Achter jahrelang trainiert hat. „Jeder, der ihn kennenlernen durfte, war eingenommen von seiner freundlichen und verbindlichen Art“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Verbandes, Siegfried Kaidel.

Fassungslos reagierte auch der Ulmer OB Gunter Czisch. Reinelt sei ein „sympathischer Botschafter“ seiner Heimatstadt gewesen und werde das auch bleiben. „Wir werden ihn als Vorbild in Erinnerung behalten, nicht allein wegen seiner großartigen sportlichen Leistungen und Erfolge, sondern auch weil er ein junger Mann mit Teamgeist, Humor und Bodenhaftung gewesen ist.“

Musik als zweite Leidenschaft

Beim URCD hat Reinelt ebenso wie seine Geschwister Robert, Claudia und  Georg mit dem Rudern begonnen. Der Leistungssport war nie das einzig Wichtige. Max Reinelt war mit der Kirchenorgel genauso vertraut wie mit den Ruderriemen. 15 Jahre hat er bei den Georgs-Chorknaben gesungen, Klavier und Orgel gespielt. Sogar seinen damaligen Rudertrainer Björn Gehrmann, einen eher knorrigen Vertreter seiner Art, hat er mit seinen Kenntnissen über das Innenleben einer Kirchenorgel und mit der Musik verzaubert.

So deckt sich das Urteil von Thomas Stang, Dirigent der Georgs-Chorknaben, mit dem Hörmanns: „Maximilian war ein super Typ. Obwohl er für das Rudern immer viel trainieren musste, war er einer der Jungen, die am häufigsten bei den Proben erschienen.“ Zielstrebig, fleißig, geradlinig, verlässlich – all das sind die Attribute, die auf Max Reinelt zutreffen. Es sind Dinge, die schon vor seinem für alle so unfassbaren Tod über ihn gesagt wurden.

Wegen des Sports und des Berufs ist Max Reinelt nach Dortmund gezogen, weil es dort möglich war, den trainingsintensiven Leistungssport mit dem Medizinstudium zu verbinden. Er hat den Sprung in den Achter geschafft. Jahr für Jahr musste er sich neu beweisen, war mit seinen enorm guten Ausdauer- und Kraftwerten bald nicht mehr wegzudenken aus der Mitte des Boots, dem „Maschinenraum“.

Sportliche Erfolge:

Er wurde zweimal Welt- und fünfmal Europameister, sportlicher Höhepunkt war sicher der Olympiasieg 2012 in London. Die Achter-Jungs bewiesen nicht nur hier, dass sie auch zu feiern verstehen. Bei der legendären Rückreise auf der MS Deutschland spielte Reinelt eine Hauptrolle am Klavier mit seinem Bruder Robert. Er vergaß nicht zu erwähnen, dass der Jüngere viel talentierter sei als er selbst.

Als Ruderer hat Reinelt oft gejubelt, stand mit seinen Kollegen aber auch unter dem Druck, immer gewinnen zu müssen. Er wusste damit umzugehen. 2016 holte das Flaggschiff nochmal Silber in London. Danach trat Reinelt zurück, um als Arzt zugelassen zu werden und zu arbeiten.

Seinen Lebensmittelpunkt hatte der 30-Jährige mit seiner Verlobten wieder in Ulm. Dem Sport ist er verbunden geblieben. Er sei noch überdurchschnittlich fit gewesen, sagen die Kollegen. In der kommenden Woche sollte Reinelt die deutschen U-23-Ruderer ins Trainingslager nach Spanien begleiten. Dieses Mal als Mannschaftsarzt.

Reinelt war kein lauter Sportler, aber er war immer ein Mann klarer Worte. Einer, der nachgedacht hat und dann gesagt hat, was er denkt. Einer, der oft der Sprecher für seine Kollegen war. Freunde wissen, dass auch der Weg in die Sportpolitik für ihn denkbar war. Der Tod hat das alles verhindert.

Passiert ist es am Samstagnachmittag in der Schweiz. Vormittags hatte er zufällig noch einen Ulmer Ruder-Kollegen getroffen. Nichts habe darauf hingedeutet, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Polizei schreibt, nach seinem Zusammenbruch seien Rettungskräfte schnell vor Ort gewesen und hätten den 30-Jährigen ins Krankenhaus nach Chur gebracht. Doch er sei nicht mehr zu retten gewesen.

In Gedanken sind die Ulmer Ruderfreunde bei Reinelts Familie. Für alle bleibt es unfassbar, sagt Hörmann: „Es ist tragisch. Warum ausgerechnet er?

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Erinnerung an Dieter Wiedenmann

Tragödie Reinelt ist der zweite Ulmer Olympiasieger, der jung verstorben ist. Dieter Wiedenmann, im Jahr 1984 gemeinsam mit Raimund Hörmann sowie den Ingelheimern Michael Dürsch und Albert Hedderich Goldmedaillengewinner im Doppelvierer, verstarb 1997 im Alter von nur 37 Jahren.

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