„Äußerst unglücklich“ findet Jürgen Gehrke das, was passiert ist. Der Abteilungsvorsitzende der Schwäbisch Hall Unicorns hatte zuletzt sehr häufig Videokonferenzen mit dem AFVD-Präsidium, dem Ligadirektorium und Vertretern der GFL- und GFL2-­Vereine. Erarbeitet wurde ein „Beschlussvorschlag“ zur Saison 2020. Darüber sollte noch diskutiert werden, „doch irgendjemand hat das an die Presse weitergegeben“. Als das Arbeitspapier öffentlich wurde, schickte der Verband flugs eine Pressemitteilung hinterher. Der Tenor: Es soll gespielt werden, aber in reduzierter Form.

Bei den Vereinen herrschen zwei Meinungen vor. Zehn GFL-Vereine, die namentlich nicht genannt werden, hatten sich zusammengeschlossen und den Verband unmissverständlich aufgefordert, die Saison komplett abzusagen. „Das Festhalten an einem wie auch immer gearteten Wettkampfbetrieb wäre fahrlässig in Bezug auf die Gesundheit der Teilnehmer und die finanzielle Entwicklung der Vereine. Darüber hinaus würde dies die Saison 2021 ebenfalls ins Risiko setzen“, heißt es in dem Positionspapier, das die Webseite Touchdown24 in Teilen veröffentlicht hat.

Finanziell kaum zu stemmen

Andere, dazu zählen die Schwäbisch Hall Unicorns, wollen, wenn es doch noch möglich ist, eine wenn auch verkürzte Saison spielen. Jürgen Gehrke positioniert sich klar, auch wenn er Verständnis für die andere Seite hat. Denn wenn es gesundheitlich vertretbar wäre, zu spielen, dann womöglich ohne Zuschauer. Für einige Vereine beziehungsweise ausgelagerte Spielbetriebs-­GmbHs ist das finanziell kaum zu stemmen. Unicorns-Sportdirektor Siegfried Gehrke erklärt die Haltung der Unicorns: „Wir haben verschiedene Szenarien durchgerechnet und festgestellt, dass wir natürlich keinen Gewinn machen, aber alles ganz gut wegstecken könnten.“

In den Zeiten des Erfolgs haben sich die Haller Footballer ein finanzielles Polster angelegt, von dem sie nun zehren können. Damit das so bleibt, haben sich die Unicorns einen Ausgabenstopp auferlegt. Das betrifft beispielsweise auch auswärtige Spieler, die nun kein Benzingeld mehr bekommen. „Sie dürfen natürlich trotzdem zum Training kommen und das tun sie auch. Die Loyalität ist groß“, freut sich Jürgen Gehrke. Er verweist zudem noch auf die Satzung: „Wir sind dafür da, um Menschen das Footballspielen zu ermöglichen. So steht es ja auch geschrieben. Wir haben in unserer Abteilung rund 500 Mitglieder. Auch wenn die Chance klein ist, in diesem Jahr noch zu spielen, sehen wir diese. Und solange es diese noch gibt, sollten wir auch versuchen, sie wahrzunehmen. Natürlich wäre es günstiger, alles abzusagen, aber das ist doch nicht Sinn und Zweck eines Vereins.“ Momentan trainiert die Bundesliga-Mannschaft in Kleingruppen. Das soll auch den Jugendteams ermöglicht werden. „Natürlich müssen wir da die Eltern mitnehmen. Bislang haben wir auf unsere Anfragen diesbezüglich nur positives Feedback erhalten. Und wer nicht mitmachen möchte, kann das natürlich. Wir respektieren diese Entscheidung“, unterstreicht Jürgen Gehrke.

Schwäbisch Hall

Was die GFL betrifft, meint Carsten Dalkowski, Sprecher der GFL und Mitglied im AFVD- Gesamtvorstand: „Vereine und Ligen, insbesondere die GFL, werden alles daransetzen, dass die Spielerinnen und Spieler, die spielen wollen, dies dieses Jahr auch können.“
Das Verbot von Großveranstaltungen geht bislang bis zum 31. August. Deshalb soll die Saison im September beginnen und im November abgeschlossen sein. Wer daran teilnimmt, steht noch nicht fest. Wichtig für die Vereine ist auch, was passiert, wenn sie eine Teilnahme verweigern. Laut den Statuten würde das den Zwangsabstieg und eine Geldstrafe bedeuten. In der Pressemitteilung des AFVD heißt es dazu: „Absteiger wird es keine geben. 2021 werden alle Vereine in den Ligen spielen, für die sie 2020 spielberechtigt waren. Ausnahme: Die Meister der zweiten Ligen können für 2021 wählen, ob sie einen Aufstieg wahrnehmen wollen.“ Ob eine Teilnahme an einer verkürzten Saison verpflichtend ist, ist aber ebenso unklar wie die Frage, ob es überhaupt eine auch verkürzte Spielzeit geben wird.
Prinzipiell sei eine kurze Vorbereitung machbar, meint Sportdirektor Siegfried Gehrke: „In der College-Saison haben die Teams auch nur wenige Wochen Zeit bis zum ersten Spiel.“ Allerdings ist derzeit das reguläre Mannschaftstraining noch untersagt.