Wieder einmal ist Jürgen Gehrke nicht besonders glücklich darüber, mit der Presse zu sprechen. Denn erneut sind Informationen über eine mögliche Saison 2020 in der German Football League (GFL) an die Öffentlichkeit gelangt, ohne dass diese final besprochen wurden oder gar beschlossen sind. Der Abteilungsvorsitzende der Schwäbisch Hall Unicorns nimmt sich dennoch Zeit, den Sachverhalt zu erklären.

Die Situation in der höchsten deutschen Spielklasse ist kompliziert. Einerseits gibt es einige Vereine, die aufgrund der Corona-Pandemie die Saison möglichst schnell abgesagt sehen wollen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Furcht der Spieler vor einer möglichen Ansteckung mit dem Virus und damit einhergehend Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, kein Geld für eine mögliche verkürzte Spielzeit, kein Platz, der zur Verfügung steht. Nicht jeder Footballverein hat seine eigene Heimstätte, viele teilen sich das Sportgelände mit Fußballern, die im Herbst selbst wieder spielen sollen.
All das, und das hat Jürgen Gehrke in der Vergangenheit auch betont, seien für ihn nachvollziehbare Gründe, auch wenn er der Meinung ist, dass man eine Saison planen sollte, selbst wenn – wie momentan – die Chance, zu spielen, ziemlich gering ist.

Eine Diskussionsgrundlage

Jürgen Gehrke sitzt im Ligadirektorium, das Vorschläge an das Präsidium des American-Football-Verbands von Deutschland (AFVD) einreicht. In diesem Direktorium sitzen Vertreter einiger GFL-Vereine, darunter Schwäbisch Hall, Braunschweig, Marburg und Dresden, sowie Vertreter des AFVD-Präsidiums und ein Vertreter der GFL-2-Vereine. Letztlich entscheidet aber einzig und allein das AFVD-Präsidium. Deshalb sind die nun öffentlich gewordenen Vorschläge nur eine Diskussionsgrundlage. „Ob das AFVD-Präsidium dem folgt, ist nicht sicher“, formuliert es Jürgen Gehrke.

Geleakter Vorschlag sieht vier Staffeln in der GFL vor

Der neue Vorschlag des Ligadirektoriums sieht eine Einteilung der GFL in vier Staffeln vor, je zwei für die GFL Nord und die GFL Süd. „Die Einteilung erfolgte vor allem unter einem Gesichtspunkt: so wenig Kosten wie möglich zu produzieren“, erklärt Jürgen Gehrke. Dass es dabei kein sportliches Gleichgewicht gebe, sei ihm und seinen Kollegen absolut bewusst. Im Süden würden die Schwäbisch Hall Unicorns mit den Marburg Mercenaries, Frankfurt Universe und den Stuttgart Scorpions die „Gruppe Mitte“ bilden. Das bedeutet, dass alle letztjährigen Play-off-Teilnehmer aus dem Süden in einer Gruppe versammelt wären. Gespielt werden soll ab dem 5. September, der German Bowl ist für den 14. November vorgesehen. Doch im Prinzip seien das ungelegte Eier, erklärt Jürgen Gehrke. „Denn es ist ja gar nicht sicher, ob alle Mannschaften teilnehmen werden.“
An dieser Stelle schließt sich der Kreis, denn immerhin zehn der 16 GFL-Vereine hatten den AFVD aufgefordert, die Saison 2020 komplett abzusagen. Die Bereitschaft, nun anzutreten, dürfte nicht viel höher sein. Andererseits sehen die Statuten des AFVD für die GFL kein Pandemie-Szenario vor. Wer zu einer Saison nicht antritt, muss 12.000 Euro Strafe zahlen und in die Regionalliga zwangsabsteigen.
Weder das eine noch das andere ist für die betroffenen Vereine ein erstrebenswertes Ziel, für den AFVD sicher auch nicht. Andererseits hat der Verband ein vitales Interesse daran, dass gespielt wird. Abgesehen von der medialen Aufmerksamkeit, die aber abgesehen von der Live-Übertragung des German Bowl meist lokal begrenzt ist, geht es auch um Einnahmen, die dem Verband bei einer Komplettabsage verloren gingen.
Am Samstag gibt es erneut eine Videokonferenz mit Vertretern der GFL, GFL 2 und AFVD, auf der weitere Einzelheiten besprochen werden. Denn es fehlen noch Auflagen und Bedingungen für den möglichen Spielbetrieb. In der heutigen Zeit reichen Terminfestlegungen längst nicht aus. Und mindestens ebenso wichtig: Würde es Strafen bei einem Nichtantritt geben? Möglicherweise werden ziemlich schnell danach Inhalte der Konferenz wieder an die Öffentlichkeit gelangen. Die Inte­ressen scheinen derzeit zu weit auseinander zu liegen.