Moment mal, bitte! Ex-Sieger Schneider über die Bedeutung des Haller Dreikönigslaufs

Danny Schneider beim Lauftraining.
Danny Schneider beim Lauftraining. © Foto: Ufuk Arslan
Bühlertann / Hartmut Ruffer 05.01.2019
Danny Schneider hat 2005 den Dreikönigslauf gewonnen. Er spricht über die Bedeutung des Laufs und einen besonderen Praxisbesuch.

Zum Jahresausklang dominierte Danny Schneider die Konkurrenz beim 5-km-Silvesterlauf in Backnang. Der 40-jährige Bühlertanner gehört seit Jahren zu den besten Langstreckenläufer der Region. 2019 trägt er nicht nur ein neues Trikot. Er möchte beim Dreikönigslauf vorne platziert sein und auch im Cross-Lauf einiges erreichen. Dass er diese Ziele hat, hat auch etwas mit einem Besuch der Praxis des langjährigen Mannschaftsarztes des FC Bayern, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfart, zu tun.

Herr Schneider, wie wichtig ist Ihnen der Dreikönigslauf?

Danny Schneider: Der Lauf hat für mich schon eine Bedeutung. Und ein gewisser Druck ist auch vorhanden, schließlich kommen Familie und Bekannte aus Bühlertann extra wegen mir an die Strecke. Dass ich dann nur mitmache und mich abkochen lasse, darf nicht passieren (lächelt).

In Backnang haben Sie den 5-km-Lauf mit fast einer Minute Vorsprung gewonnen. Wann merken Sie, dass Sie gut in Form sind?

Solange ich gesund bleibe, dann schon ein bis zwei Wochen vor dem jeweiligen Lauf. Man spürt einfach, ob es gut oder nicht gut geht.

Zum Jahreswechsel sind Sie vom SC Bühlertann zur TSG Schwäbisch Hall gewechselt. Warum haben Sie sich dazu entschlossen?

Bei der TSG kann ich jetzt unter anderem zusammen mit Kay-Uwe Müller und Johannes Weingärtner trainieren. Bei Wettkämpfen ist die Unterstützung besser, als wenn ich alleine unterwegs wäre.

Das alles hätten Sie auch schon ein paar Jahre vorher haben können.

Das ist richtig, aber ich wusste nach meiner Verletzung, die ich mir beim Fußball zugezogen hatte, nicht, wie lange und wie gut ich noch laufen kann. Deshalb wollte ich keine Verpflichtung eingehen.

Nun sind Sie dazu bereit?

Ja. Ein Verein braucht Sportler, die vorauslaufen. Es geht auch darum, dem Nachwuchs zu zeigen, was alles möglich ist. Wir bündeln Trainingskompetenz und verschiedene Sichtweisen. Es ist ein Geben und Nehmen.

Sie fördern bereits den Nachwuchs. Gemeinsam mit Pit Reicher bieten Sie in Bühlertann Sport für Grundschulkinder an. Was ist dabei Ihr Ziel?

Es geht darum, herauszufinden, welche Sportart für welches Kind die geeignete ist. Der Fußball hat vergleichsweise wenig Nachwuchsprobleme, bei anderen Sportarten sieht es nicht so gut aus. Wir sind überzeugt, dass es für jedes Kind die passende Sportart gibt. Wer zwei Meter groß wird und 130 Kilogramm wiegt ist vielleicht beim Football gut aufgehoben. Andere rennen schnell und sind vielleicht die nächsten guten Leichtathleten. Wir wollen für jedes Kind die passende Sportart finden.

Sie selbst trainieren täglich. Was treibt Sie an?

Mir macht das Spaß. Das körperliche Wohlbefinden ist ein ganz anderes, als wenn ich keinen Sport mache. Den Lohn dieser Arbeit sehe ich dann auch mit guten Platzierungen bei den Wettkämpfen.

Sie arbeiten und haben Familie. Wie teilen Sie Ihre Trainingszeit ein?

Das ist ein Kompromiss, in dem die Familie klar an Nummer 1 stehen muss. Und klar ist auch, dass es ohne die Unterstützung meiner Frau nicht gehen würde. Sie trägt alles mit. Wäre ich allein und könnte mein Leben nach dem Sport richten, käme mit dem gleichen Aufwand sehr wahrscheinlich mehr heraus.

Warum?

Beim Laufen kommt es auch auf die Regenerationszeiten an. Laufe ich am Abend, hat es wenig Sinn, tags darauf gleich wieder in der Früh unterwegs zu sein. Kann ich mir die Zeiten frei einteilen, habe ich immer den bestmöglichen Abstand. Das ist bei einem normalen Arbeitsleben aber kaum möglich.

Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Ich möchte vor allem bei Crossläufen erfolgreich sein. Die Tempowechsel, die Sprünge, die Stufen – das liegt mir. Zudem kommt mir die Länge solcher Läufe entgegen.

Das müssen Sie erklären.

Crossläufe sind meist zwischen fünf und acht Kilometern lang. Das ist ideal für mich. Zehn Kilometer sind bei meinem Trainingspensum fast schon zu lang.

Stimmt es, dass Sie mit dem Laufen bereits aufhören wollten?

Ja, ich hatte vor 10 Jahren eine Operation am Sprunggelenk. Es brannte die ganze Zeit darin. Ich entschloss mich, zu der Praxis von Dr. Müller-Wohlfart zu gehen. Meine Frau hat mich fast für verrückt erklärt (lacht). Aber ich dachte: Er ist der Beste, der muss das ansehen, auch wenn es eine kostspielige Sache ist.

Wie lief die Behandlung in München ab?

Unglaublich professionell. Ich war bei Dr. Hahne, der auch Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist. Er untersuchte mich und sagte: Kommen Sie morgen wieder, dann hat der Osteopath von Arjen Robben für Sie Zeit. Tags darauf beratschlagten alle Ärzte zusammen vor mir als Patient, was möglich ist. Der Osteopath behandelte mich und korrigierte den Sitz der Thallus-Rolle. Als ich dann wieder trainierte, habe ich mich wie 20 gefühlt! Das war so etwas wie der Wendepunkt.

Inwiefern?

Weil mir dadurch klar geworden ist, dass wir hier in der Region auch die Unterstützung von Physiotherapeuten und Osteopathen für starke Läufer benötigen. Nur so können diese auch Erfolge auf nationaler Ebene und darüber hinaus erzielen. Ein Student kann sich die Privatbehandlung bei einem Physio kaum leisten. Wenn es Sponsoren dafür gäbe, wäre das aber möglich.

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Steckbrief Danny Schneider

Geburtstag: 4. Februar 1978
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Bühlertann
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Maschinenbautechniker
Hobbys: Laufen, Familie
Bisherige Stationen: 2005/2006 TSV Crailsheim, 2007 bis 2018 SC Bühlertann, seit 2019 TSG Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: vier Titel bei der Hobby-WM der Mountainbiker in Saalbach (2013/2015), zweimal Zweiter bei den deutschen Meisterschaften über 10 km, Sieg über 5000 Meter bei der Senioren-DM 2018 in Mönchengladbach

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