Seit Jahren macht Alina-Sophie Koch aus Metzingen als Golftalent auf sich aufmerksam – jetzt scheint die 18-Jährige zu höheren Zielen voll durchzustarten. Am Samstag fliegt sie von Stuttgart aus nach Lexington im US-Bundesstaat Kentucky, von dort aus geht es ins rund 110 Kilometer östlich gelegene Örtchen Morehead, Heimat von knapp 7000 Menschen und Sitz der Morehead State University.

In deren hellroten, kastenartigen Gebäuden ohne große architektonische Ansprüche wird sich die 18-jährige Ermstälerin in den nächsten vier Jahren aufhalten – sofern sie nicht irgendwo in Sachen Golf unterwegs ist.

Denn Alina-Sophie Koch hat ein Stipendium erhalten, das ihr ermöglicht, viel Golf auf hohem Niveau zu spielen und gleichzeitig mit einem Bachelor-Studiengang abzuschließen.

„Es war mir wichtig, dass ich nicht mit leeren Händen dastehe, wenn es mit dem professionellen Golf nicht klappen sollte. Bei dieser Option habe ich zumindest dann einen Bachelor in Chemie nach den vier Jahren“, erklärt die 18-Jährige, die im Oktober ihr 19. Lebensjahr vollenden wird.

Denn noch ist sich Alina-Sophie Koch unschlüssig darüber, ob sie Golfprofi werden möchte. „Das Stipendium gibt mir die ausreichende Zeit, um auch in dieser Frage mehr Klarheit zu erlangen“, so Koch.

Angefangen hat das US-Abenteuer streng genommen schon in dem Moment, als die Sieben-Keltern-Städterin auf der Website der Agentur Scholarbook mit einem Profil verzeichnet war. Dort bedienen sich Trainer gerne der Daten über junge Sportler, erfahren durch Videos, Turnier-Statistiken der letzten vier Jahre und Erfolgsbilanzen viel über die Leistungsstärke potentieller Kandidaten für ein Stipendium an einer sportausgerichteten Universität.

So kam es, dass Koch Anfragen von gleich zwölf US-Universitäten ins Haus flatterten. Doch warum ausgerechnet Morehead, das zwar idyllisch eingebettet in eine stark bewaldete, hüglige Landschaft liegt, aber letztlich doch in einer ländlichen Provinz mit schlechtem öffentlichen Verkehrsnetz zu finden ist.

Neben der Tatsache, dass die Morehead State University zu den 30 besten Hochschulen im Süden Nordamerikas zählt, half bei der Entscheidungsfindung, dass Alina-Sophie Koch kein übermäßiger Fan von touristischen Traumzielen wie Kalifornien oder Florida ist. Die Naturgewalten und Wetterverhältnisse in diesen zwei Bundesstaaten sagen der Metzingerin weniger zu.

„Ich werde in Morehead mit drei Mannschaftskolleginnen meines Women’s Golf Teams der Morehead State University in einer Vierer-WG zusammenwohnen und habe ein Einzelzimmer im Apartment, was in den USA nicht überall selbstverständlich ist. Die mangelhafte Infrastruktur sollte kein Problem darstellen, weil meine Teamkolleginnen Autos fahren“, meint Koch, deren Stipendium alle Kosten außer den Flügen in die Heimat abdeckt.

„Die nächsten vier Jahre werden so aussehen, dass ich alle vier Monate heimfliegen werde. Beispielsweise bin ich im Januar 2020 wieder in Metzingen und vor allem von Mitte Mai bis Mitte August“, lässt Koch wissen.

Mit der Abiturnote 1,3 (Deutsch, Mathematik, Englisch und Chemie) am Metzinger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und dem jetzigen Golf-Handicap 1,3 („es lag bei 4, als mein Profil bei Scholarbook erstellt wurde“) rückt die Studentin in den USA an.

Für Koch ist es das erste Mal, im Ausland zu leben und zu lernen. „Ich hätte gerne schon früher Sprachferien erlebt, habe dies aber immer hinten angestellt, weil ich im Sommer Golfturniere zu bestreiten hatte“, meint die Metzingerin.

Nun kann sie ihrer Leidenschaft voll frönen. Von den USA wird Alina-Sophie Koch auch das eine oder andere abseits von Campus und Golfplatz sehen. Mit dem Women’s Golf Team der Morehead State University tritt sie im Einzel- und Teamwettbewerb der hochklassigen Division 1 auf Universitätsebene an.

Im ersten Semester stehen vor allem Leistungsvergleiche an, die sich innerhalb des Bundesstaats Kentucky, zwischen Mittlerem Westen und Süden der USA gelegen, abspielen.

Im Frühling, von Februar bis Mai, sind hingegen auch Reisen nach Florida in Sachen Golf geplant. „Die Turniere dürften meist über drei Tage verlaufen, bis Freitag bis Sonntag. Da werde ich zwangsläufig einige Tage an der Uni versäumen. Bis zum Winter kommen laut meiner Berechnung sechs verpasste Uni-Tage zusammen, im Frühling fallen weitere sieben an“, hat Koch bereits detailversessen vorausgeblickt.

Auch das ist freilich keineswegs ein Novum für die ruhige, trotz ihres jungen Alters schon sehr klar in ihren Gedanken und reif wirkende Ermstälerin. Als Schülerin in Metzingen hat sie sogar mehr Fehlzeiten hingelegt.

„Ich war häufig donnerstags und freitags vom Unterricht freigestellt, weil ich mit dem Golfclub Schönbuch unterwegs war.“

Mit dem in Holzgerlingen ansässigen Verein ist sie kürzlich erst aus der drittklassigen Regionalliga abgestiegen. Als reine Amateurin hat die Metzingerin ihren Aufwand bisher noch nie monetär belohnt bekommen. „Geld gibt es erst ab dem Profibereich, dann darf man aber keine Amateurturniere mehr spielen und nicht mehr in den deutschen Golfligen antreten“, erklärt sie.

 Professionelle Golfer gehen auf die PGA Tour, deren amerikanische Top-Level-Tour (mit rund 300 Millionen US-Dollar Gesamtpreisgeld) die höchstdotierte Turnierserie der Welt darstellt. Auf europäischem Boden ist die PGA European Tour die höchste Spielklasse.

Ob all dies einmal für Alina-Sophie Koch ein Thema werden wird, steht noch in den Sternen und dürfte sich in den kommenden vier Jahren ihres US-Stipendiums entscheiden.

Stolze Vereine

Beim Golf-Club Hammetweil in Neckartenzlingen, wo Alina-Sophie 2005 erstmals dank ihrer ebenfalls golfaffinen Eltern den Golfschläger schwang, und bei ihrem aktuellen Verein, dem  Golfclub Schönbuch in Holzgerlingen, dürfen sie auf jeden Fall jetzt schon stolz auf das große Talent sein, das von sich sagt: „Ich war ab sieben Jahren schon auf Golf fixiert, und mit 13 Jahren hatte ich mich endgültig total für Golf entschieden. Seither gab es für mich eigentlich nur Schule und Golf.“

Ohne ihre Eltern Christine und Mathias wäre dies freilich unmöglich gewesen, beispielsweise erledigten sie unzählige Fahrdienste und stemmten etliche Kosten. „Sie haben mich immer voll unterstützt“, weiß Alina-Sophie Koch, wem sie ihren sportlichen Erfolg und auch das US-Stipendium zu verdanken hat.