Am Dienstag hat die Arbeitsgruppe Spielplan der Handball Bundesliga Frauen einmal mehr telefonisch konferiert. „Es gibt nichts Neues“, fasste Ferenc Rott, Manager der TuS Metzingen, ganz trocken zusammen. Nichts Neues muss aber nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein. So hält man weiterhin an zwei Terminen fest: Trainingsstart Ende Juni/Anfang Juli, Saisonstart am Wochenende, 5./6. September. Doch mit dem Corona-Virus spielt eine Unbekannte mit. Sollte es mit dem Saisonstart nicht klappen, werde man kurzfristig reagieren.

Ungleiche Voraussetzungen: Wer kann wann was und wie trainieren?

Hinter dem Termin steht aber nicht das einzige Fragezeichen. „Man muss berücksichtigen, dass in jedem Bundesland andere Regeln herrschen“, verweist Ferenc Rott auf den Föderalismus in Deutschland. Wer kann wann was und wie trainieren? Da sollte zumindest im Ansatz Chancengleichheit herrschen. Eine HBF-Mitgliederversammlung am Samstag, 27. Juni, in Köln gilt als Eckpfeiler.

Ein Hygienekonzept, das sich gewaschen hat

Bis dahin kann man eventuell besser einschätzen, was auf die einzelnen Vereine zukommt. Auch bezüglich der Zuschauer. So hört man aus dem Männerbereich, dass man die Zuschauerkapazitäten zumindest zu einem Drittel ausschöpfen will – mit einem Hygienekonzept, das sich gewaschen hat. „Ganz ehrlich. Für mich ist das ein Horror-Szenario. Man kann sich gar nicht ausmalen, was das für ein immenser Aufwand wäre“, graust es dem TuS-Manager, der aber keineswegs ausschließen kann, dass es so weit kommen wird. Und die nächste Baustelle ist dann europäisch.

Europäische Reform

Der Europäische Vereinshandball wird zur kommenden Saison reformiert. Die Champions League bekommt einen neuen Modus, aus dem EHF-Cup wird die European Handball League und aus dem bisherigen Challenge-Cup folgt dann der EHF Cup als dritthöchster Wettbewerb. Der zweithöchste Vereinswettbewerb, für den unter anderem die TuS Metzingen qualifiziert ist, ist künftig also die EHF European League. Bei den Frauen werden zunächst drei Qualifikationsrunden gespielt, ehe dann die Gruppenphase mit insgesamt sechzehn Mannschaften in vier Vierergruppen gespielt wird. Nur die beiden besten Teams einer Gruppe kommen anschließend ins Viertelfinale, wo ein Gruppenzweiter gegen einen Gruppensieger spielt. Die Sieger dieser KO-Runde erreichen dann das Final 4, wo dann kompakt der Sieger ermittelt wird.

Je nach Ablauf der Qualifikation wird der spätere Sieger zwischen zwölf und 16 Partien für den Sieg benötigen. Anders als bei den Männern, die unter der Woche international spielen, werden die Partien bei den Frauen am Wochenende ausgetragen. Der europäische Wettbewerb hat Vorrang vor dem nationalen.

Ein Rückzug der TusSies kommt nicht in Frage

„Man kann da nicht von vorne herein sagen, dass es ein Zuschussgeschäft wird. Auch hier hängt es ab, ob man die Ausgaben mittels Zuschauereinnahmen kompensieren kann. Fallen die auch noch in der Gruppenphase weg, wird es bitter“, rechnet Rott vor. Ein Rückzug der TusSies vor dem Startschuss kommt aber nicht in Frage. „Ich kann doch nicht mit dem Slogan ,Europa wird pink’ arbeiten und dann einen Rückzieher machen. Spielerinnen sind zu uns gekommen, weil sie hier international spielen können, Sponsoren haben Extra-Prämien gezahlt, die kann man jetzt nicht einfach vor den Kopf stoßen“, lautet die klare Ansage des Managers.
Anders sieht es beim Nachbarn in Dänemark aus. Dort haben mit Silkeborg-Voel und Kopenhagen Handbold zwei Klubs auf einen möglichen Start in der EHF European League verzichtet. Auch potentielle Nachrücker winkten ab. Nur der Liganeunte Nykøbin biss an. Man scheut die Zusatzbelastung – auch jene finanzieller Art. Zudem lasse die EHF keinen Spielraum für die Vermarktung. Wie sieht die Handball-Welt in Zeiten von Corona aus? Niemand weiß das. Da kann man die Dänen fast schon wieder verstehen, die einen ersten Bremsfallschirm ausgelöst haben.