Ferenc Rott, Manager des Frauenhandball-Bundesligisten TuS Metzingen, schläft dieser Tage sehr schlecht. „Ich habe das Gefühl, dass die Folgen des Coronavirus nicht mehr aufzuhalten sind“, sagt er. Seine Mannschaft hat erst am 4. April wieder ein Heimspiel. Erwartet wird in der Öschhalle der TSV Bayer 04 Leverkusen.

„Wir müssen abwarten, ob man zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch spielt“, so Rott, der wie so viele nicht einschätzen kann, was da noch alles auf Deutschland zukommt.

Mittwoch versetzt einen Schlag

Der Mittwoch hat ihm noch einmal einen Schlag versetzt: „Wenn man in der führenden Sportart, im Fußball, schon überlegt, die Saison zu beenden, dann wird am Ende der Frauenhandball sicher nicht übrig bleiben“, so Rotts Einschätzung, der die nächsten Tage als entscheidend erachtet.

Nur eines ist sicher: „Für uns sind die Folgen des Coronavirus eine Katastrophe.“

Ob am Samstag wie geplant in Bad Wildungen gespielt wird – man weiß es nicht. Auf alle Fälle bereitet sich die Mannschaft der Pink-Ladies aus dem Ermstal vor.

Keine Zuschauer beim Spitzenspiel des THC

Die TusSies haben das Problem freilich nicht exklusiv. So hatte Rott Kontakt zum Manager des Thüringer HC. Dort steigt am Freitag der Bundesliga-Hit gegen die SG BBM Bietigheim (Eurosport übertragt live). Die Stadt Erfurt hätte für die Partie 500 Zuschauer zugelassen – die man alle registrieren und kontrollieren müsste. Das ist für einen Verein nicht zu stemmen, deshalb wird nun gänzlich ohne Zuschauer gespielt.

„Die Thüringerinnen haben mehr als 600 Dauerkarten. Wie soll man da eine Auswahl treffen“, kann Ferenc Rott die Maßnahme verstehen.

Ob und wie der THC entschädigt wird. Auch das weiß man nicht – vor allem nicht von wem. Wie es bei der TuS Metzingen weitergeht auch nicht.

Ehepaar lebt vom Handball

Ferenc Rott ist Manager, seine Frau Edina Trainerin. Sie leben den Handball und sie leben vom Handball.

In der laufenden Saison könnten der TuS die Einnahmen aus vier Heimspielen wegbrechen. Der Etat wäre damit komplett im roten Bereich.

Kein Vertrauen in die Politik

„Es wird ja immer schlimmer, das lässt sich nicht mehr aufhalten. Da wird sich kein Politiker finden, der auch nur einigermaßen beruhigend einwirken könnte“, ist sich Rott sicher.

Man überbiete sich eher gegenseitig.

Schockierender Blick nach Ungarn

Auch der Blick in sein Heimatland Ungarn ist da kein Trost - er ist eher schockierend. Dort wurde der nationale Notstand ausgerufen, es herrscht ein Einreiseverbot für Menschen, die aus von Corona-gefährdeten Regionen  kommen.

Die Entwicklung im Sport – derzeit ist Ungarn das Frauenhandball-Land Nummer eins weltweit – ist auch dort noch nicht absehbar.

„Die Polizei darf jeden kontrollieren, der ihnen in die Hände kommt.  Und das, obwohl es in Ungarn derzeit gerade 100 Kranke gibt, darunter kein schwerer Fall“, vermeldet der rührige TuS-Manager.

Große könnten überleben, Kleine möglicherweise nicht

In dieser Eigenschaft muss er sich alsbald den Sponsorengesprächen widmen. „Wer sagt da aber in diesen Zeiten zu“, fragt er sich.

Seine Zukunft steht auf dem Spiel, die Zukunft des Sports allgemein. Die Großen können überleben, darunter kann es richtig furchtbar werden.