Die EM-Pause ist vorbei, der Handball-Alltag hat die Pink Ladies wieder. Wobei sie nur ein paar Tage Pause hatten, ehe die Vorbereitung begann auf den intensivsten Monat in der Geschichte des Metzinger Frauenhandballs. Durchgearbeitet hat Ferenc Rott. Der Geschäftsführer blickt im Gespräch zurück – und vor allem nach vorne.

Herr Rott, die Europameisterschaft endet am Sonntag. Sie waren in Frankreich vor Ort. Wie fällt Ihr Fazit aus? Sie haben dort ja einige Pink Ladies spielen sehen. Zum Beispiel trugen Isabell Roch, Julia Behnke, Marlene Zapf und Maren Weigel das deutsche Nationaltrikot.

Rott Ich habe die Zwischenrundenspiele in Nantes verfolgt, den Rest natürlich im Fernsehen. Deutschland hat einen guten Eindruck hinterlassen, mit Ausnahme des Spiels gegen die Niederlande. Die Mannschaft ist jung und ausbaufähig, das lässt für die Zukunft hoffen. Monika Kobylinska gehört im polnischen Team zu den stärksten Spielerinnen, für sie war das Turnier aber schon nach der Vorrunde beendet. Delaila Amega hat mit den Niederlande das Halbfinale erreicht, hatte brillante Auftritte. Jetzt ist es aber wichtig, dass die Mädels alle gesund zurückkehren. Sie werden in den nächsten Wochen mehr denn je gebraucht.

Am 26. Dezember steht in der Tübinger Paul-Horn-Arena das Derby gegen den TV Nellingen auf dem Programm. Was darf man da alles erwarten?

In erster Linie Handball. Es ist eine sportliche Pflichtaufgabe, und die erfolgreich zu lösen steht ganz klar im Vordergrund. In den vergangenen Jahren haben wir uns nach den Pausen immer schwer getan, wieder in Tritt zu kommen. Ich hoffe, dass es jetzt besser läuft. Den Tag verbringen die Fans ja noch mit ihren Familien, abends dürfen sie sich dann in der Paul-Horn-Arena entspannen. Wobei wir nach dem Spiel einen Liveact planen, der es schon in sich hat.

Wie ist das Interesse an der Partie, wie läuft der Vorverkauf ?

Der läuft blendend, es sind fast schon alle Sitzplätze verkauft. Das heißt aber nicht, dass Interessierte nun zu Hause bleiben müssen. Die große Stehplatztribüne wird ausgefahren, von der man erstklassige Sicht aufs Spielfeld hat. Im Idealfall ist die Halle mit 2500 Zuschauern ausverkauft, zumindest kommen wir aber nahe an diese Marke heran.

Die Vorrunde ist zwar noch nicht beendet, ein kurzes Zwischenfazit kann man aber schon ziehen, zumal sich die TusSies ja auch auf europäischer Ebene bemerkbar gemacht haben.

Ich bin zufrieden, wir sind auf dem richtigen Weg. Die TuS Metzingen spielt einen attraktiven Tempohandball mit schnellem Umschalten und einer aggressiven Abwehr. Die Entwicklung des Teams und der einzelnen Spielerinnen ist enorm. Exemplarisch ziehe ich da einmal mit Delaila Amega, Julia Behnke und Monika Kobylinska drei Eckpfeiler heraus, ich könnte aber auch andere nehmen. Wenn die Backup-Spielerinnen kommen, gibt es keinen Einbruch. Das ist ein großer Verdienst von Trainer André Fuhr, der die Linie reingebracht hat, die ich mir immer gewünscht habe. Seit Saisonbeginn haben wir erst ein Spiel verloren, jenes gegen Bietigheim. Die Quali-Spiele im EHF-Pokal gegen Astrachen stechen heraus, das mit sechs Spielrinnen in Russlands Nationalteam vertreten ist, das bei der EM fulminant aufspielte.

Vertiefen wir einmal die Sache mit dem Europapokal. Da steht ja im Januar bis Anfang Februar ein mörderisches Programm an – das munter flankiert wird von der Bundesliga und dem DHB-Pokal.

Da knallt es in der Tat richtig, andere Teams haben aber dieselbe Belastung, das sollte man nicht vergessen. Für jene, die in der Champions-League engagiert sind oder waren, ist sie sogar noch größer. Auf die Strapazen muss man sich jetzt schon mental vorbereiten, die richtige Trainingssteuerung ist dann besonders wichtig. Dass das ursprünglich auf 2. Januar angesetzte Bundesliga-Spiel gegen Buxtehude auf Wunsch des Gegners nach hinten verlegt wurde, erleichtert uns die Sache schon einmal. Da können wir uns auf die Partie gegen IK Sävehof in Göteborg besser vorbereiten, zumal diese Reise die strapaziöseste ist, weil wir über Zürich gehen müssen. Sofok in Ungarn und Herning-Ikast in Dänemark bereiten da weit weniger Probleme. Grundsätzlich muss man sagen, dass wir es in dieser Hinsicht sehr gut erwischt haben. Da stresst eine einzige Reise nach Russland weitaus mehr.

Da kommt es auf die personelle Ausstattung an, die langsam besser zu werden scheint.

Langsam ist der richtige Begriff. Dorina Korsos tastet sich nach ihrem beispiellosen Verletzungspech gerade wieder in den Handball hinein. Madita Kohorst kann wohl bald wieder im Tor stehen. Bei der Dritten im Bunde, die einen Kreuzbandriss hatte, kann es vielleicht schon im Februar so weit sein. Anika Niederwieser macht gute Fortschritte in der Reha. Für Marija Obradovic, die vor ihrer Verletzung in überragender Form war, haben wir trotz intensiver Suche keinen halbwegs adäquaten Ersatz gefunden. Wir sind aber auch so stark genug, um in dieser Saison noch etwas reißen zu können. Das haben die Spiele gezeigt, in denen sie schon gefehlt hat.

Geht das vielleicht ein bisschen präziser?

Es wäre schön, wenn wir endlich etwas hochhalten könnten, irgendeine Trophäe. Wichtiger ist mir allerdings, dass alles in die richtige Richtung läuft. Der erneute Einzug ins Final4 wäre gut. Wenn wir die Gruppenphase im EHF-Pokal überstehen würden, wäre das ein ganz großer Erfolg. Schön wäre es zudem, wenn wir das Rennen in der Bundesliga so lange wie möglich offenhalten könnten. Vor Jahren haben wir eine Teilnahme an der Champions-League noch abgelehnt. Ich glaube, dass wir jetzt in der Lage wären, in der Gruppenphase zumindest einigermaßen mithalten zu können. Druck gibt es aber nicht: Es muss nichts, aber viel kann.

Sie müssen derzeit in erster Linie auf den Kader für die kommende Spielzeit schauen. Da könnte es etliche Bewegungen geben.

Ich hoffe, dass ebendies nicht der Fall sein wird, die Mannschaft zusammenbleibt. Wenn die wichtigsten Spielerinnen verlängern, ist auch nicht sehr viel zu machen. Sollten allerdings Angebote von Europas Topklubs kommen, sind wir machtlos. Die eine oder andere Änderung wird kommen, ich hoffe aber, dass es sich in erträglichem Rahmen hält. (Mehr dazu im Extra-Kasten auf dieser Seite)