Nach der Begrüßung von TuS-Manager Ferenc Rott konnte man sich am Donnerstagabend ausmalen, dass die TusSies einiges zu verkünden haben. „Mit dem Ausmaß haben wir nicht gerechnet, deshalb machen wir es öffentlich.“ Es war eine Pressekonferenz in der Öschhalle, der viele TuS-Anhänger beiwohnten, noch mehr waren auf Facebook am Start und stellten dort fleißig Fragen.

Am Montag wurde publik, dass Monika Kobylinska die TuS Metzingen verlassen wird, eine Option zieht, die ihr bei festgeschriebener Ablösesumme den Wechsel zu Champions League-Teilnehmer Brest ermöglicht. Dass vier weitere gehen, musste erst einmal verkraftet werden.

„Katharina Beddies wird eine Handball-Pause einlegen. Ich hoffe, dass die nicht allzu lange geht. Kathi hat sich in zehn Jahren große Verdienste erworben, hat alles mitgemacht“, so Rott. Die Linksaußen geht mindestens mit einem weinenden Auge: „Mir ist die Entscheidung nicht leichtgefallen, da ich die Fans in der Öschhalle vermissen werde. Aber ich möchte mich nun erst einmal auf mich und meinen Beruf konzentrieren. Wann und ob ich nochmals mit Handball anfangen werden, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“

Julia Harsfalvi, ausgeliehen von Györ, geht, wie vereinbart,  zurück nach Ungarn. „Für mich ist die Zeit bei den TusSies eine tolle Erfahrung. Aktuell konzentriere ich mich hier auf die nächsten Monate und hoffe, dass wir unsere Ziele erreichen.“ Nicht verlängert wurde der Vertrag mit Shenia Minevskaja. „Das haben wir uns nicht einfach gemacht. Mit den eineinhalb Jahren, in denen sie wieder das TuS-Trikot trägt, waren wir nicht ausnahmslos zufrieden“, verteidigte Ferenc Rott die Personalie, die für viel Wirbel gesorgt hat. Die Spielerin selbst ist enttäuscht: „Ich habe mir in der Region auch neben dem Handball etwas aufgebaut, weil ich mir erhofft habe, langfristig hier zu bleiben. An einen Abschied habe ich erstmal nicht gedacht, weil ich mich sehr wohl fühle. Ich werde mich in den kommenden Wochen aber weiterhin voll in den Dienst der Mannschaft stellen.“

Behnke nicht zu halten

Getoppt wurde das noch von der finalen Meldung. Auch Kapitänin Julia Behnke wird von Bord gehen. „Sie war damals meine Wunschspielerin, hat sich in fünf Jahren stetig weiterentwickelt. Dass sie durch die gute EM für andere Klubs interessant geworden ist, wundert mich nicht“, sagt der Manager über seine Kapitänin, die zu einem der finanzkräftigsten Klubs der Welt wechseln wird – der vorerst aber noch nicht genannt werden will. „Ich hatte eine super Zeit und konnte mich wahnsinnig entwickeln. Jetzt will ich einen neuen Schritt gehen und neuen Herausforderungen entgegenblicken. Das letzte halbe Jahr werde ich nochmal alles geben“, so „Jule“.

„Klar haben wir uns das anderes vorgestellt. Ich bin auch wegen Spielerinnen wie Moni, Sheni und Jule zur TuS gekommen. Ich hätte mit dem Team gerne weitergearbeitet, andere haben aber andere Möglichkeiten.“ Trainer André Fuhr weiß, warum es jetzt den tiefen Einschnitt gibt: „Die Entwicklung einiger Spielerinnen hat die Entwicklung der Mannschaft überholt.“ Anders gesagt: Sie sind einfach zu gut, wollen auf höchster Ebene spielen, gut verdienen. Die TuS steht knapp vor dem obersten Level, finanzielle Abenteuer wird es aber nicht geben.

Positive Nachrichten

Wo es Abgänge gibt, muss es auch Neue geben – oder fast Neue. Dorina Korsos, bisher ausgeliehen und lange verletzt, kommt nach ihrer Leidenszeit immer besser in Schuss. „An ihr werden wir noch viel Freude haben“, rühmt Ferenc Rott die zweimalige Champions-League-Siegerin. Die Kontrakte von Isabell Roch, Maren Weigel und Kelly Vollebregt laufen aus. „Mit ihnen wollen wir weitermachen“, sagt Rott. Das Problem ist, dass die jungen Damen noch andere Angebote haben.

Ein Trio ist ganz neu – und sehr jung. Bo van de Wetering ist 19 Jahre alt, ein Riesentalent auf Linksaußen und kommt von VOC Amsterdam nach Metzingen. Die ebenfalls 19-jährige Lena Degenhardt (TV Nellingen) ist ein Kind der Region. „Sie wird ihren Weg machen“, weiß Ferenc Rott. „Lena signalisiert schon lange, dass sie pink tragen will“, freut sich André Fuhr auf die hochveranlagte Halblinke.  Sie war ihm bekannt, die Dritte im Bunde, das gibt er ehrlich zu, nicht. Als Katarina Pandza dann aber vorspielte war er überzeugt, dass Ferenc Rott einmal mehr als Talentscout ganze Arbeit geleistet hat. Die noch 16-Jährige kommt vom österreichischen Topklub Hypo Niederösterreich für den Rückraum.

Ein Ausbildungsverein wollte die TuS nicht mehr sein. Doch was ist eigentlich schlecht daran? „Jugend heißt nicht, dass sie keine Leistung bringen können. Jugend ist mutig und geht nach vorne“, hält Ferenc Rott ein Plädoyer, in das er auch den Trainer mit einschließt. „Wir hätten keinen besseren Trainer finden können als André.“ Sein Ruf ist fast schon legendär, schwappt sogar, herrührend aus seiner Blomberger Zeit, nach Holland über. „Ich habe mich für Metzingen entschieden, weil ich mich in diesem Club weiterentwickeln kann. Das ist wichtig für mich, wenn ich ins Ausland gehe. Mit André bekomme ich einen Trainer, der nachweislich junge Talente verbessern kann“, freut sich Bo van de Wetering jetzt schon mächtig auf die gemeinsame Zeit. Es bricht eine neue bei der TuS an – die muss aber nicht zwingend schlecht sein.

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