Sävehof/Metzingen / Wolfgang Seitz  Uhr
Die TuS Metzingen gewinnt zum Auftakt der Gruppenphase im EHF-Pokal beim schwedischen Meister IK Sävehof mit 29:27. Spielmacherin Delaila Amega bricht sich wohl den Finger.

Die Stimmung in der Kabine war nicht so toll. „Es sah aus, als ob wir verloren hätten“, berichtete André Fuhr kurz nach Abpfiff. Haben die TusSies aber nicht, sondern das Ziel erreicht, zwei Auswärtspunkte im EHF-Cup einzusacken. Dass der Jubel nach dem 29:27 (16:13)-Sieg beim IK Sävehof nicht grenzenlos war, lag in erster Linie daran, dass Spielmacherin Delaila Amega nach 45 Minuten verletzt raus musste. „Sie hat sich wohl den Ringfinger der Wurfhand gebrochen“, so Fuhr nach Rücksprache mit den medizinischen Abteilungen beider Vereine, die sich um die Verletzte kümmerten. Sofort nach Spielende wurde sie geröntgt. Ein herber Rückschlag für die TuS Metzingen – und vor allem für die junge Spielerin, die bisher eine sensationelle Runde spielt.

Bei seiner Ansprache analysierte der Trainer das Spiel seiner Mädels als „leidlich gut“. „Wir hatten gute Ansätze, machten aber auch blöde Fehler“, so Fuhr. Diese häuften sich am Schluss, sodass man sogar noch ein bisschen Glück brauchte, um die Punkte einzutüten. „Vielleicht haben wir uns zu sehr in Sicherheit gewogen. Wichtig ist auch, dass man die Fehler minimiert, wenn es nicht so gut läuft. Und das ist nicht gelungen“, sagt der Trainer. Manager Ferenc Rott sah es lockerer: „Wir hatten gute und weniger gute Phase. Zwei Punkte waren das Ziel und die haben wir geholt.“

In der Heimat bekam man vom Spiel nicht sehr viel mit. Ein Liveticker versah seinen Dienst, ein Stream flackerte nur kurzzeitig auf, obwohl ab der Gruppenphase eigentlich ein solcher vorgeschrieben ist. So konnte man also nicht mit bewegten Bildern verfolgen, wie sich die TusSies zum Auftakt der Gruppenphase verkauften.

Der IK Sävehof entpuppte sich als hartnäckiger Gegner, der sich über 60 Minuten einfach nicht abschütteln ließ, sich nach Leibeskräften wehrte. „Ich hatte eigentlich ein schnelleres Spiel erwartet, beide Teams mussten aber viel über den Positionsangriff gehen. Es war von der Taktik geprägt“, fasste André Fuhr zusammen.

Zehn Fehlwürfe vor der Pause

Im ersten Spielabschnitt ging die TuS Metzingen meist in Vorleistung, kam allerdings nicht richtig weg, was auch mit der Chancenverwertung zu tun hatte. Deren zehn fanden nicht den Weg ins Tor, 16 schon, was von einer durchaus schwungvollen Offensive zeugte. Beim 5:4 (12.) führte der Gastgeber, Monika Kobylinska und Julia Behnke drehten das Ergebnis in die andere Richtung. Ganz gut sah es aus, nachdem Dorina Korsos in der 22. Minute für das 9:12 gesorgt hatte. Die Halbzeitgetränke nahm man beim 13:16 ein.

Und danach packte Dorina Korsos, die nach ihrer langen Verletzungspause immer besser ins Schwung kommt, in Überzahl noch einen Doppelpack drauf. Sah kurz sehr gut aus, ehe Sävehofs Olivia Mellegard ebenfalls doppelt traf. Dem 18:22 (42.), Shenia Minevskaja hatte per Siebenmeter getroffen, schloss sich eine schlechte Überzahl der TusSies an, die Schwedinnen waren dran (20:22). Linnea Petterson konnte ihr Team wieder auf Tuchfühlung bringen. Ein Spielchen, das sich wiederholen sollte. Wieder Minevskaja hatte auf 21:26 gestellt (50.), ein schwedischer Dreierpack sorgte aber in der Folge für große Unordnung in den pinken Reihen.

Dass ein Sävehof-Strafwurf danach nicht rein ging, war aus TuS-Sicht sehr willkommen. Man hatte auch so genug Arbeit, am Ende mit 29:27 zu triumphieren. Geburtstagskind Marlene Zapf zum Spiel: „Es war ein Arbeitssieg. Wir haben das ganze Spiel geführt, konnten uns aber nie deutlich absetzen. Wir haben die ersten zwei Punkte auswärts eingefahren, darüber freuen wir uns natürlich.“

Pokal im Blick

Jetzt gilt es, schnell zu regenerieren, am Mittwoch steht das Pokal-Viertelfinale in Neckarsulm auf den Plan. „Wir wollen nicht nur als Zuschauer zum Final Four fahren“, hat André Fuhr den Mädels klar gemacht. Sie sehen es genauso.

So spielten sie

IK Sävehof gegen
TuS Metzingen

27:29

IK Sävehof: Mouratidou, Kroon Andersson – Cardell, Ekenman-Fernis (3/1), Forsberg (5), Karlsson, Örtorp, Lundbäck (3/3), Hallagard (1), Pettersson (3), Frykmer, Dano (3), Mellegard (5), Lundstedt, Ahlm (3), Olsson (1) 
TuS Metzingen: van de Polder, Kohorst, Roch – Zapf (2), Amega (1), Kobylinska (6), Kovacs (2), Minevskaja (7/3), Harsfalvi (4), Weigel, Vollebregt, Haggerty, Beddies, Behnke (3), Korsos (4)
Siebenmeter: 7/5 (Ekenman-Fernis und Lundbäck scheitern) – 3/3
Zeitstrafen: Forsberg, Hallagard, Mellegard, Olsson – Kobylinska, Minevskaja, Weigel
Schiedsrichter: Malgorzata Lidacka, Urszula Lesiak (Polen)
Zuschauer: 534

14 spezielle Tage für die TuS Metzingen

TuS-Trainer André Fuhr fasst das Programm, das auf seine Mannschaft und ihn wartet, kurz und knapp zusammen: „Die nächsten 14 Tage sind sehr speziell.“ Nach dem Spiel gestern in Sävehof gastiert die TuS am Mittwoch um 19.30 Uhr im Viertelfinale des DHB-Pokals bei der Neckarsulmer Sportunion. Der Sieger zieht in die Endrunde ein, oder wie es Fuhr formuliert: „Fürs Final Four hat man nur einen Schuss.“ Und der muss sitzen. Erschwerend in diesem Zusammenhang: Durch den späten Anwurf gestern in Schweden, kann die TuS Metzingen erst am Montag zurückfliegen, landet am Abend in Stuttgart. Deshalb wird am Morgen noch in Sävehof eine Trainingseinheit eingeschoben.
Am Samstag, 12. Januar (20 Uhr), folgt das erste Heimspiel in der EHF-Cup-Gruppenphase. Zu Gast in Metzingen ist der Topfavorit aus Ungarn,  Siófok KC Hungary.
Ganz speziell geht es weiter. Am Mittwoch, 16. Januar (19.30 Uhr), wird den TusSies in der Bundesliga eine der schwersten Aufgaben gestellt, die es in Deutschlands Eliteliga überhaupt gibt. Sie gastieren beim Meister Thüringer HC. Zum Abschluss geht die europäische Reise dann erneut nach Skandinavien. Am Sonntag, 20. Januar (16 Uhr), werden die TusSies beim dänischen Spitzenklub Herning-Ikast Handbold erwartet. Obwohl man dafür eigentlich das Phrasenschwein füttern muss, sagt André Fuhr es trotzdem: „Wir denken von Spiel zu Spiel.“ Zwischendrin wird gereist, und wenn sich die Gelegenheit ergibt, auch einmal trainiert. Am Ende der intensiven 14 Tage hat sich für die TuS Metzingen dann einiges geklärt bezüglich des weiteren Saisonverlaufs. Da wird man von Spiel zu Spiel schlauer. wose