„Ich kann es noch gar nicht fassen“, räumt Lukas Saueressig beim Blick auf die Anzeigetafel unumwunden ein. „Wir wollten die Serie halten“, so der HBW-Regisseur weiter, „gefühlt war jeder Wurf ein Treffer...“

Die Nordhessen präsentierten sich hingegen emotions- und ideenlos, fanden keine Mittel gegen die aggressive Abwehr des Aufsteigers, die Melsungens Distanzschützen früh attackierte, „und die Lust nahm“, wie Saueressig beobachtet hat.

Enttäuschung bei den Nordhessen

„Was soll ich sagen?“, zuckt Heiko Grimm frustriert mit den Schultern. „Aber ich bin ein ehrlicher Mensch“, so der MT-Coach weiter, „das war eine beschämende Leistung von uns, unerklärlich. Wir haben zwei Mannschaften gesehen, die Handball gespielt haben. Die eine mit Wille und Leidenschaft – die andere hat das über sich ergehen lassen.“

Bereits zur Pause lagen die Bartenwetzer mit 12:16 zurück, kamen in Durchgang zwei aber noch einmal auf 16:19 heran (35.). In der Folge fand Melsungen nicht mehr statt – und die „Gallier“ machten es zweistellig. „Verrückt“, findet Balingens Trainer Jens Bürkle.

Starker Start der Schwaben

Gegen den Top-Klub überraschte der 38-Jährige mit Neuzugang Filip Taleski in der Startsieben, welche gegen den gewaltigen MT-Mittelblock einen schnellen und präzisen Ball spielte. Melsungen tat sich hingegen schwer, zog in 60 Sekunden zwei Fahrtkarten.

Anders der Aufsteiger: Der führte nach einem Saueressig-Hammer mit 2:0 (2. Minute) und legte den dritten Treffer nach. Vom Kreis netzte Marcel Niemeyer. Scheinbar unbeeindruckt führte Lasse Mikkelsen im Melsunger Rückraum Regie – Kai Häfner (8 Tore bei 13 Versuchen) suchte an alter Wirkungsstätte den Abschluss.

So richtig rund lief es bei den Gästen aber nicht und der HBW konservierte den Drei-Tore-Vorsprung (4:1/6.). Erneut ein Faktor: Balingens Keeper Mike Jensen.

Grimm nimmt frühe Auszeit

Melsungen haderte, kam nur auf magere zwei Treffer in den ersten zehn Minuten. Gregor Thomann antizipierte einen Kühn-Pass und erhöhte auf 6:2 (11.). Grimm reagierte und zückte früh die grüne Karte. Ohne Erfolg.

Die Schwaben blieben am Drücker, bauten durch einen abgefälschten Lipovina-Wurf den Vorsprung aus: auf 7:2 (14.). Ohne Zweifel investierte der Zweitliga-Meister mehr, hatte aber noch Schwierigkeiten, um über den mächtigen Block um Finn Lemke zu kommen.

Erneut traf Vladan Lipovina (8:3/16.) – und der MT-Übungsleiter wechselte das Personal zwischen den Pfosten (Simic für Sjöstrand). In Überzahl verkürzte Mikkelsen. Mehr war gegen entfesselte Schwaben nicht drin.

HBW wackelt nur kurz

Einziges Manko in dieser Phase: die Chancenverwertung. So kam Melsungen nach einem Häfner-Dreierpack wieder heran (14:12/27.). Der HBW wackelte kurz, aber Oddur Gretarsson behielt beim Strafwurf die Nerven.

Die „Hölle Süd“ bebte als Benjamin Meschke einen Abpraller spektakulär zum 16:12 verwertete.

Klare Sache nach der Pause

Auch nach dem Seitenwechsel wirkte die MT limitiert in ihren Möglichkeiten – präsentierte sich desolat. Gretarsson stellte den alten Fünf-Tore-Abstand wieder her (21:16/36.). Grimm bat erneut zur Extrabesprechung an die Seitenlinie (38.). Vergebens.

Die Balinger rührten Beton an, während Melsungen resignierte. „Wir wussten natürlich, dass wir in Balingen Zweikämpfe führen müssen und dass man Mentalität haben muss, um dagegenzuhalten“, erklärt der Ex-Nationalspieler, „das haben wir in der Kabine auch noch einmal angesprochen. Dabei rauskommen tut leider nichts.“

„Das war überragend“

Nach einem 0:6-Negativlauf fiel die MT weiter zurück: auf 16:25 (42.). In der 47. Minute machte es der HBW zweistellig: Jensen traf ins leere Melsunger Gehäuse (29:19).

„Das war überragend. Wir haben gekämpft bis zur letzten Minute“, betont Gretarsson und Jannik Hausmann fügt hinzu: „Jeder hat heute die Energie gespürt. Ich habe das selten erlebt, dass jeder so liefert. Es war auch ein Zeichen, dass die Gegner hier erst einmal bestehen müssen.“

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