Kampfsport Abwehrkunst ohne Aggression

Göppingen / Wolfgang Karczewski 26.01.2018

Seit 38 Jahren geht Thomas Oettinger seiner großen Leidenschaft nach. Im Aikido hat der Lorcher seine Passion gefunden. Bei der ­japanischen Kampfkunst, so betont der 56-Jährige, gehe es keinesfalls wie beispielsweise im Judo darum, seinem Gegenüber Schaden zuzufügen, sondern „die Kraft des Angreifers zu nutzen und in fließende Bewegungen umzusetzen“. Und das macht Oettinger nahezu perfekt, denn der Allgemeinarzt ist seit vergangenem Jahr Träger des 7. Dans, eine Auszeichnung, die in ganz Deutschland nur neun Kampfkünstlern zuteil wurde.

Bereits 1980 infizierte ihn seine Schwester mit dem Aikido-Gen. „Ich war sofort begeistert“, erzählt Oettinger. So begeistert, dass er in der japanischen Selbstverteidungsdiziplin rasch Erfolge erzielte. 1984 heuerte er bei der Turnerschaft Göppingen an und gründete dort die Aikido-Abteilung, der er bis heute vorsteht. Seit 1996 ist Oettinger zudem Vorsitzender des Athletik-Sportvereins (ASV) Lorch.

In seinem Beruf kommt ihm sein profundes Wissen über die japanische Kampfkunst zugute. „Ich bin Amtsarzt bei der Polizei in Stuttgart. Dort muss ich unter anderem beurteilen, wie gut jemand die Selbstverteidigung beherrscht“, erklärt er.

Zwei bis drei Mal pro Woche trainiert Oettinger in Lorch und Göppingen Jugendliche und Erwachsene, die ihm beim Aikido nacheifern. Allein bei der Turnerschaft sind es rund 40 Sportler. Allerdings dauert es sehr lange, um einen solch hohen Dangrad zu erreichen wie ihn Oettinger innehat. „Man muss schon 30, 40 Jahre dabei sein, sonst schafft man das nicht“, sagt der Lorcher. Zunächst gibt es Schülergrade mit farbigem Gürtel. Dann kommt der Schwarzgurt. Erst danach sind die Meistergrade an der Reihe. Bis zum 5. Dan muss man vor einer Kommission ein bestimmtes technisches Programm vorführen und, sofern man keinen Trainerschein hat, einen theoretischen Prüfungsteil bestehen. Ab dem 6. Dan werden die Grade verliehen.

Seine hohen Graduierungen sorgten dafür, dass Oettinger in den vergangenen Monaten mit Ehrungen geradezu überhäuft wurde: So erhielt der 56-Jährige 2017 die Sportverdienstmedaille der Stadt Göppingen sowie die Ehrennadel des Deutschen Aikido-Bundes in Gold. Vor einigen Tagen wurde Oettinger von der Stadt Lorch zum Sportpionier ernannt.

In Japan, dem Herkunftsland der Kampfsportart, besuchte Oettinger mit seiner Familie Moriteru Ueshiba, den Enkel des Aikido-Gründers Morihei Ueshiba, den Träger des 10. Dans. „Wir haben bei ihm in Tokio ein Frühtraining gemacht. Da war bereits um 7 Uhr extrem viel los“, berichtet er. In Deutschland haben nur zwei Aikidokas den 8. Dan. Diese Auszeichnung ist mit der Bundestrainerfunktion gekoppelt, erklärt Oettinger. Derartige Ambitionen hegt der Lorcher derzeit nicht. „Das kann ich mir nicht vorstellen, schließlich stehe ich voll im Beruf, aber ausschließen will ich es für die Zukunft nicht.“

So spielten sie:

Oberliga:
Mannschaft 1 : Mannschaft2

3:1

Torschützen: Spieler 1 (30.), Spieler 2 (40.), Spieler 3 (60.), Spieler 4 (70.).

Aikido: Moderne japanische Kampfkunst

Der Name Aikido setzt sich aus den Wortbestandteilen „Ai“ (Harmonie), „Ki“ (Energie, Atemkraft) und „Do“ (Weg) zusammen. Das Ziel bei dieser japanischen Kampfkunst ist es, dem Angriff des Gegenübers nicht mit Aggression zu begegnen, sondern ihn abzuwehren und die Kraft des Angreifers zu nutzen. Die Energie des Angriffs wird dabei zum Angreifer zurückgelenkt. Dies geschieht vor allem durch Würfe und Hebel.

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