Wer BMX fährt, muss sein Rad beherrschen und topfit sein. Der Fichtenberger Maik Baier hat BMX als Leistungssport betrieben und fährt auch jetzt noch international vorne mit.

Bei der BMX-Weltmeisterschaft im belgischen Heusden-Zolder haben Sie vor Kurzem in der Master Class den Titel geholt. Kam dieser Erfolg für Sie überraschend oder war das Kalkül?

Maik Baier: Nach der Unterschenkelfraktur im September 2018 dachte ich erst gar nicht an die Teilnahme. Als ich im April wieder ins Training eingestiegen bin, erst mal nur auf dem BMX-Rad, war das Ziel schon, Weltmeister zu werden, denn ohne Ziel gibt es keinen Weg. Nach dem Deutschland-Cup-Sieg Anfang Juli wusste ich, dass ich bei der WM aufs Podium fahren kann. Dass der Tag dann so souverän verlief, war eher überraschend.

Was hat Sie nach dem 2016 verkündeten Karriereende bewogen, wieder in den Leistungssport einzusteigen?

Da ich bis 2016 mein ganzes Leben auf 100 Prozent Leistungssport eingestellt hatte, empfinde ich es jetzt nicht mehr ganz als Leistungssport, da ich Vollzeit arbeiten gehe. Nichtsdestotrotz führe ich mein Hobby sicher noch professioneller aus wie ein Hobbysportler. Bewogen hat mich der langweilige Alltag ohne Leistungssport, der mich nicht mehr an meine physischen und psychischen Grenzen gebracht hat.

Sie haben 2012 an den Olympischen Spielen in London teilgenommen. Ist das sportlich noch zu toppen?

Was die Veranstaltung angeht sicher nicht, doch meine gewünschten Ziele habe ich dort nicht erreicht und die Qualifikation für Rio 2016 verlief durch viele Verletzungen nicht nach Plan.

Wie lange fahren Sie schon BMX, wie kamen Sie zu diesem Sport?

Mein erstes Rennen war am 4. August 1996. Somit fahre ich seit 23 Jahren BMX. Mein Vater fuhr Motocross und ich war schon mit Stützrädern auf der BMX-Strecke unterwegs. Im Sommer ’96 sind mein Bruder und ich zufällig zu einem Vereinstraining dazu gekommen.

Was reizt Sie daran?

Als Kind sicher der Spaß und der Wille, als Erster die Ziellinie zu überqueren. Welches Kind verliert gerne? Als Leistungssportler die Challenge, jeden Tag besser zu werden, und die Herausforderung, im Wettkampf das Bestmögliche herauszuholen. Natürlich kommen die Geschwindigkeiten und Sprünge dazu, die jede Menge Spaß machen.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Man muss sich, egal in welcher Situation, Ziele setzen. Durch das Ziel entsteht ein Weg. Den Weg muss man dann so strukturiert und diszipliniert wie möglich gehen und darf erst aufgeben, wenn man das Ziel erreicht hat, auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht so aussieht, wie man es sich gewünscht hat. Doch man weiß trotzdem, man hat alles dafür getan, auch wenn es oft nur schwer zu akzeptieren ist.

Welche Philosophie steht dahinter?

Ohne Fleiß kein Preis.

Welchen Tipp haben Sie für BMX-Einsteiger?

So viel BMX fahren wie möglich, dranbleiben und wenn es mal wehtut, aufstehen und weitermachen.

Ab wann kann man mit BMX beginnen?

Je früher, desto besser. Durch die nötige Radbeherrschung auf der Strecke fühlen sich die Kids im Alltag auch sehr sicher auf dem Rad. Offizielle Rennen gibt es ab sieben Jahren.

Wo sehen Sie eine Altersgrenze?

BMX ist eine Sportart für die ganze Familie. Es gibt auch noch Rennen für 60 plus und aufwärts.

Wie sehen Ihre Pläne für die sportliche Zukunft aus?

Nächstes Jahr versuche ich, meinen Weltmeistertitel bei der WM, die in den USA stattfindet, zu verteidigen. Weiter schaue ich noch nicht in die Zukunft, aber solange ich Leistung bringen kann und es mein Körper zulässt, sehe ich da kein Ende.

Wie sieht der ideale BMX-Fahrer aus?

Ein Ideal gibt es nicht. Ein Muss ist natürlich eine perfekte Radbeherrschung, das Verhältnis zwischen Körpergewicht und Kraft muss stimmen und dann kommt das Mentale noch dazu. Die komplette Leistung auf einen Zeitpunkt abzurufen und in den 40 Sekunden des Rennens keinen Fehler zu machen.

Wie häufig trainieren Sie?

Je nachdem in welcher Phase des Trainings ich mich befinde. Als Leistungssportler habe ich mindestens einmal am Tag trainiert. Jetzt, dadurch dass ich Vollzeit arbeiten gehe, maximal einmal am Tag, aber das dann auch nur, wenn ich mich auf die Saison oder einen Wettkampf vorbereite.

Wo trainieren Sie?

Das Training auf dem BMX-Rad findet auf den umliegenden BMX-Strecken statt. Das Kraft-und Fitnessprogramm läuft alles privat, seit ich nicht mehr dem Profisport angehöre. Davor habe ich am Olympiastützpunkt in Stuttgart trainiert.

Wie läuft das Training in den Wintermonaten ab?

Wenn die Saison, wie normal, im April losgeht, fängt die Vorbereitung im November an. Man arbeitet in verschiedenen Trainingsblöcken. Ausdauer, Kraftaufbau, das aufgebaute Kraftvolumen stark machen und kurz vor der Saison in Schnellkraft umwandeln, da BMX ein Rennsport ist und es nur um Schnelligkeit geht.

Ernähren Sie sich vor einem Wettkampf nach einer besonderen Diät?

Ich ernähre mich das ganze Jahr ziemlich strikt, nicht direkt nach Plan, aber ich gebe immer auf die Ernährung acht. Durch die hohen muskulären Belastungen kommen Nahrungsergänzungsmittel dazu.

Welche Rolle spielt die Technik des verwendeten Rades?

Man sollte nicht mit einem 20 Jahre alten BMX-Rad an den Start gehen, da sich die Sportart und die Technik am und um das Rad sehr weit entwickelt hat, seit BMX Race olympisch wurde.

Wohin geht die Entwicklung?

Seit den letzten fünf bis sechs Jahren geht die Entwicklung immer mehr in Richtung Carbon. Es wirken sehr hohe Kräfte auf den Rahmen und die Laufräder. Durch das Carbon hat man trotzdem noch die benötigte Steifigkeit und den Gewichtsvorteil. Das Fahrrad ist dann auch noch bei hohen Geschwindigkeiten angenehm zu fahren.

Wie viel muss man in so ein Sportgerät investieren?

Im Vergleich zum Mountainbike ist das BMX-Rad ziemlich günstig. Ein High-End-BMX-Rad für Profis liegt zwischen 2500 und 3000 Euro. Als Einsteiger im Kinderbereich geht es schon mit 600 Euro los.

Welches Land ist für Sie die BMX-Nation?

Die führenden Nationen sind die Franzosen und Niederländer.

Welchen Stellenwert hat BMX in Deutschland?

Leider ist die Sportart nicht weitverbreitet und hat deshalb auch nicht gerade den höchsten Stellenwert. Es würden sicher gerne viele Kids BMX fahren, aber die nächstgelegene Strecke ist den Eltern oft zu weit weg.

Wie könnte man in Deutschland diesen Sport fördern?

Wie so oft und überall hängt es an den finanziellen Mitteln. Dadurch, dass es immer mehr Pumptracks in den Kommunen gibt, finden vielleicht immer mehr Kids zu dem Sport.

Gibt es einen Dachverband?

Der Dachverband ist der Bund Deutscher Radfahrer. Dadurch, dass BMX eine kleine Radsportdisziplin ist, bekommt man aber nur wenig Aufmerksamkeit vonseiten des Verbandes.

Gibt es ein deutsches BMX-Nationalteam?

Ja, das gibt es. Die besten Fahrer in der Junioren-Klasse von 17 bis 18 Jahren und der Elite-Klasse ab 19 Jahren werden in den Kader berufen.

Wie qualifiziert man sich für Olympia?

Der Qualifikationszyklus für die Olympischen Spiele geht zwei Jahre davor los. Durch die deutsche Meisterschaft und internationale Rennen, dabei hauptsächlich Europameisterschaftsläufe und Weltcups, sammelt man Punkte. Letztendlich durften 2012 in London 32 Männer und 16 Frauen an den Olympischen Spielen teilnehmen. In Tokio 2020 dürfen aufgrund der Gleichberechtigung nur noch 24 Männer und 24 Frauen an den Start gehen. Wenn man sieht, dass bei einem Weltcup zwischen 150 und 180 Fahrer an den Start gehen, ist alleine die Qualifikation für Olympia schon ziemlich hart.

Ist BMX eher ein Männersport?

Es fahren auch einige Mädchen und Frauen BMX, doch der Anteil der männlichen Teilnehmer ist schon deutlich höher.

Was hat Sie bewogen, nach Fichtenberg zu ziehen?

Als ich mit 18 Jahren mein Elternhaus für den Leistungssport verlassen und in der Zeit an mehreren Orten zweckgebunden gewohnt habe, habe ich mich nach meinem Karriereende entschieden, zu meiner heutigen Frau zu ziehen. Sie ist gebürtige Fichtenbergerin und mir gefällt das Ländliche hier auch sehr.

Wie lange wohnen Sie schon dort?

In Fichtenberg wohne ich seit März 2016.

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Steckbrief Maik Baier


Geburtstag: 20.06.1989
Geburtsort: Bietigheim-Bissingen
Wohnort: Fichtenberg
Familienstand: verheiratet
Beruf: Industriemechaniker
Hobbys: Radsport allgemein, Motocross
Bisherige Stationen: seit dem 14. Lebensjahr europaweit und seit dem 17. Lebensjahr weltweit sportlich unterwegs
Größte sportliche Erfolge: mehrmaliger deutscher Meister in allen Altersklassen, Olympiateilnehmer 2012, Masters-Weltmeister 2019