Nur wenige Tage ist es her, da sprach August Renz noch voller Optimismus darüber, wie ein Ansteckungsfreier Reitunterricht vonstatten gehen kann. Fünf Schüler in der einen Halle, vier in der anderen, nur eine Person darf in die Sattelkammer und die Familienmitglieder stehen mit ausreichendem Abstand auf der Tribüne. Das Wohl von Mensch und Tier habe dabei höchste Priorität. „Wir haben vor, dass so weiterzumachen, denn die Schulpferde müssen bewegt werden“, war der Reiterhof-Besitzer der RG Heufelden überzeugt davon, dass dies ein sicherer und gesunder Weg war. „Damit die Kinder wenigstens noch ein bisschen rauskommen“, hatte er zudem Mitleid mit dem Nachwuchs. Jetzt finden Besucher der Homepage der Reitanlage Renz den aktuellen Hinweis, dass bis auf Weiteres geschlossen ist.

Turnier in Moosbeuren zum Saisonauftakt gestrichen

Am Dienstag waren die Einschränkung aufgrund der Corona-Pandemie in Baden-Württemberg noch einmal erheblich verschärft worden, was August Renz, der mit Sohn Marc den Unterricht geleitet hatte, letztlich dazu zwang, komplett zu schließen. Umliegende Vereine hatten Tür und Tor bereits vor gut einer Woche zugemacht. Der RFV Ehingen mit seinen Voltigiergruppen, das RSZ Josefshof am Winkel in Oberstadion-Mühlhausen, die RSG Öpfingen, die PSF Munderkingen und der RV Moosbeuren, der schon am jüngsten Wochenende die Springturnier-Saison eingeläutet hätte.

Überhaupt: Für die Pferdesportler und passionierten Hobbyreiter in der Region und in ganz Deutschland hätte die Saison jetzt so richtig begonnen. Im April und Mai sind bereits sämtliche Turniere im Umkreis abgesagt worden. Selbstverständlich auch Topevents wie die Vielseitigkeit in Marbach (siehe Infokasten).

Jeder hat die Verantwortung, das Tier ausreichend zu bewegen

Wie in anderen Sportarten ist zum Schutz vor der Infektion mit dem Virus höchste Vorsicht geboten und an Trainingsbetrieb oder Ausritte in Gruppen nicht zu denken. Doch bei Betriebsleitern und Pferdebesitzern gestaltet sich die Zwangspause etwas komplizierter als bei Ballsportlern, Turnern oder Leichtathleten. Mit „Zu Hause“ bleiben ist das so eine Sache. Denn der Pferdefreund hat eine Verantwortung: Er muss die Tiere pflegen, nach ihrer Gesundheit schauen und vor allem: Ihnen ausreichend Bewegung verschaffen. Aufgrund dieser besonderen Situation hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) auch rasch reagiert, informiert umfassend auf ihrer Internetseite, was es zu tun gilt  und veröffentlichte auch einen Notfallplan für eine Ausgangssperre.

Auf eine Umstellung reagieren manche Pferde

Darin ist festgelegt, dass so wenig Personen wie möglich die Anlage und die Stallungen betreten und die Pferde pflegen und bewegen. Insbesondere für Schulpferde werden jetzt sogenannte Notbewegungshelfer eingesetzt, die sich nach einem strengen „Anwesenheitsplan“ um ein Tier kümmern. Auch August und Marc Renz haben Leute rekrutiert, die diese Aufgabe übernehmen. Mit den Ponys sind insgesamt 30 Pferde auf der Anlage. „Jedes Pferd ist versorgt und maximal zwei, drei Leute sind im Stall“, erklärt Marc Renz. „So versuchen wir jetzt irgendwie über die Wochen zu kommen.“ Seine Erfahrung hat gezeigt, dass die Vierbeiner sehr empfindlich auf eine Umstellung reagieren können. Eine Stute von ihm habe trotz viel Auslauf auf der Weide Koliken bekommen, nachdem ihr das gewohnte Bewegungspensum fehlte.

Obwohl laut WHO nicht bekannt ist, dass der Mensch die Krankheit auch auf das Tier übertragen kann, ist Marc Renz skeptisch. „Bislang ist kein Fall bekannt, aber sicherheitshalber sollen die Bewegungshelfer sich nicht mehr die Hand abschlecken lassen. Sicher ist sicher.“

Marbach sagt Internationale Vielseitigkeit ab


Kein Start für den mehrfachen Olympia-Sieger Michael Jung aus Horb: Die Internationale Vielseitigkeit in Marbach bei Münsingen findet aufgrund der Corona-Pandemie nicht statt. Das Pferdesport-Ereignis war vom 14. bis 17. Mai auf dem Gelände des baden-württembergischen Haupt- und Landgestüts geplant gewesen. Ein Ersatztermin noch in diesem Jahr sei unrealistisch, teilte der Veranstalter mit. „Aufgrund der aktuellen Situation haben wir uns nun schweren Herzens entschlossen, die Veranstaltung in diesem Jahr nicht stattfinden zu lassen.” Die Turnierleitung will sich auf den neuen Termin im kommenden Jahr konzentrieren. Offen bleibt, ob am 3./4. Juli die Marbach Classics über die Bühne gehen können. Bei dieser Veranstaltung verschmelzen die Klassikklänge der Württembergischen Philharmonie Reutlingen mit der Eleganz edler Pferde. rf