Basketball Der Bann ist gebrochen

Die Einlaufkinder sind nach dem Sieg mittendrin in der Jubeltraube der Merlins-Spieler.
Die Einlaufkinder sind nach dem Sieg mittendrin in der Jubeltraube der Merlins-Spieler. © Foto: Philipp Reinhard
Ilshofen / Klaus Helmstetter 22.10.2018
Die Hakro Merlins Crailsheim liefern eine überzeugende kämpferische und spielerische Mannschaftsleistung ab und fahren hochverdient ihren ersten Saisonsieg ein.

Das war ein Abend so recht nach dem Geschmack der rund 2500 Zuschauer in der Arena Hohenlohe: kämpferische Merlins, von Beginn an bis in die Haarspitzen motiviert, den Gegner energisch attackierend und möglichst gleich den Schneid abkaufend! Im Bestreben, dort anzuknüpfen, wo sie im letzten Heimspiel gegen Gießen aufgehört haben. Jena schien beeindruckt. „Wir waren nicht so richtig bereit, die Crailsheimer Intensität mitzugehen“, urteilte Co-Trainer Stephan Frost in der Nachbetrachtung. Oder, um mit Philipp Neumann zu sprechen: „Jena hat von Anfang an unter seinen Möglichkeiten gespielt, was uns natürlich geholfen hat.“

„Manchmal“, befand ein ob seines ersten Sieges in der BBL (im saisonübergreifend 14. Spiel) glück­licher und zufriedener Merlins-Coach Tuomas Iisalo in den Katakomben der Arena Hohenlohe, „muss man etwas anders machen, manchmal muss man aber einfach etwas besser machen!“ Bezug nahm er dabei auf die intensive Trainingswoche der heimischen Korbjäger, in der Stichworte wie „engagiertes Verteidigen“ und „energisches Ausboxen“ eine entscheidende Rolle gespielt haben. „Wir haben sehr viel an unserer Defensive gearbeitet, sind dabei teilweise im Training intensiver zu Werke gegangen, als wir das im Spiel machen würden – um es einfach zu verinnerlichen“, verdeutlichte Philipp Neumann, Längster unter Crailsheims Stammkräften, der am Samstag 15 Punkte und acht Rebounds beisteuerte. Konsequenz dieser schnellen und aggressiven Ausrichtung: Sherman Gay musste als siebter Ausländer erneut zuschauen, die Kollegen außerhalb des Courts mental unterstützen.

Die Hausherren waren von Beginn an hellwach (Iisalo: „Kein langsamer Start, auch nicht im dritten Viertel“), erlaubten Jena nur eine kurze 2:0-Gästeführung. Mit temporeichem, variablem Auftreten und frühem Stören in der Spielentwicklung, in der Defensive streute der Coach stellenweise neben der Mann-gegen-Mann- auch schon mal eine Zonenverteidigung ein, wuchs der Vorsprung rasch auf 20:11.

Frank Turner leitete das zweite Viertel mit einem unbedrängten Korbleger ein und ließ prompt einen Steal folgen. Ben Madgen traf seinen ersten Dreier. Philipp Neumann versenkte den Ball im Fallen noch fast akrobatisch im Korb. DeWayne Russell bediente ihn wenig später mit einem No-look-Bodenpass in die Zone, hinter dem Körper gespielt. Ein Raunen in der Halle! Die Merlins zogen davon, auf 20 Punkte (43:23) Vorsprung. Die Kulisse war längst da, laut und vernehmlich. Und diese intensive Interaktion zwischen Team und Fans ging weiter, ohne Unterlass, bis zum Ende der Partie. Iisalo: „Wir hatten unglaubliche Unterstützung. Das ergab einen Kreislauf, von dem beide Seiten profitiert haben.“

Zu Recht in der BBL

„Die Mannschaft hat in der Woche hart gearbeitet und das toll umgesetzt. Wenn wir dieses Level über das gesamte Spiel halten, gehören wir zu Recht in die BBL“, freute sich Ingo Enskat, der sportliche Leiter, zur Halbzeit.

Und die Merlins konnten das Level halten. Ein kurzer Aufreger zu Beginn des dritten Viertels. Nach einem Foulpfiff gegen Dru Joyce gab es eine unübersichtliche Situation mit anscheinendem Gesprächsbedarf, in deren Folge Jenas Coach Björn Harmsen nach zwei technischen Fouls die Halle verlassen musste. Für ihn übernahm Assistent Stephan Frost. Der lobte später die „Intensität der Crailsheimer Mannschaft und die Atmosphäre in der Halle“, konstatierte, dass Jena seine „Spielidee nicht wie gewohnt auf das Feld bekommen hat“.

Die Merlins ließen sich nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil: Konrad Wysocki sammelte im dritten Viertel drei Dreier ein, Ben Madgen steuerte derer zwei bei und Frank Turner traf von der Linie. Zwischenzeitlich stand es 79:46. Die höchste Führung. Szenenapplaus!

Im finalen Abschnitt war die Entscheidung längst gefallen. Madgen versenkte zwei weitere Dreier, der in der Schlussphase eingewechselte Nachwuchsakteur Sören Urbansky kam und traf. Wie auch Benjamin Moser durfte er sich über 1:34 Minuten Erstligaluft freuen. DeWayne Russell hob sich seine einzigen drei Punkte für den Schluss auf, um das Endergebnis dreistellig ausfallen zu lassen. Standing Ovations. Die Zuschauer in prächtiger Feierlaune.

Jena bekam zu keiner Phase wirklich Zugriff auf die Partie. Die vermeintlichen Trümpfe stachen nicht. Bester Werfer war Ikenna Iroegbu mit 14 Punkten. Die Dreierquote von 25 Prozent spricht für sich.

„Ein tolles Spiel unserer Mannschaft. Gleich mehrere Spieler haben eine große Leistung gezeigt. Frank Turner war mal wieder bockstark. Ben Madgen hat in der zweiten Halbzeit Verantwortung übernommen und wichtige Würfe getroffen. Genau so müssen wir weitermachen“, ließ sich ein rundum zufriedener Ingo Enskat vernehmen.

Zur Freude über den Erfolg kam noch die über den höchsten Sieg in der BBL-Geschichte der Merlins. „Bisher datierte der von unserem ersten Sieg überhaupt in der Liga mit 16 Punkten Vorsprung. Jetzt haben wir mit 23 noch ein paar draufgelegt.“ 100:84 hatte es am 25. Oktober 2014 gegen Trier geheißen.

Auf dem Boden bleiben

Und noch einmal Philipp Neumann: „Wir haben heute extrem viel richtig gemacht, müssen aber trotzdem auf dem Boden bleiben. Wir wissen, wo wir stehen, und haben einen Minischritt in die richtige Richtung gemacht. Ich glaube, dass am Ende nicht zwei, drei Siege den Unterschied machen, sondern einer – und das könnte genau der vom heutigen Abend gewesen sein!“

Das letzte Wort soll Tuomas Iisalo vorbehalten bleiben: „Unsere Leistung ist nicht nur das Ergebnis der Arbeit in dieser Woche, sondern der Arbeit seit Beginn der Saison. Manchmal dauert es länger, etwas umzusetzen, heute hat es geklappt. Auf diesen Erfolg wollen wir aufbauen!“

Für die Merlins geht es am Sonntag nach Göttingen. Ein Déjà-vu für Brion Rush bei den ehemaligen Kollegen.

So spielten sie

Crailsheim – Jena

101:78

Crailsheim: Russell 3 (1 Dreier), Mad­gen 23 (5/6 Dreier), Turner 19 (1), Herrera 5 (1), Wysocki 14 (4 Dreier), Neumann 15 (8 Rebounds), Rush 5 (1), Ferner 0, Cuffee 2, Lawson 13, Moser 0, Urbansky 2

Jena: Iroegbu 14, Mazeika 6, Reyes-Napoles 8 (2), Theis 5 (1), Wolf 9 (1), Jenkins 7 (1), Allen 11, Mc Elroy 5, Joyce 10 (2), Mackeldanz 3

Viertel: 23:16, 50:33, 79:50, 101:78
Rebounds: 39:33
Assists: 30:20
Dreier: 13 von 28 und 7 von 28

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