Kollaps am Spielfeldrand: „Hör mal auf, Junge!“ – bei Bayern versuchten viele, Kompany zu bremsen

Er schonte sich nicht, nun wird er wohl wochenlang fehlen: Bayern-Trainer Vincent Kompany.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa- Bayern-Trainer Vincent Kompany kollabierte am Freitag am Rand eines U23-Trainings.
- Er bleibt noch einige Tage im Krankenhaus, Ursache wird geprüft – Ausfall wohl für Wochen.
- Kompany arbeitete trotz Virusinfektion weiter und schonte sich kaum, sagten Vereinsverantwortliche.
- Aaron Danks übernimmt vorerst, anstehen: DFB-Pokal gegen Magdeburg und Liga-Klassiker gegen Dortmund.
- Aus der Liga kommen Genesungswünsche, in München betonen Eberl und Hoeneß den Schutz und die Zeit.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Uli Hoeneß lieferte Vincent Kompany höchstpersönlich das Essen ans Krankenbett. Mit einer roten Tüte des Münchner Feinkost-Unternehmens Käfer in der Hand stattete der Ehrenpräsident des FC Bayern dem Trainer am Samstag einen Besuch im Krankenhaus ab – auch der Vereinspatron nahm nach dem Schock rund um den Zusammenbruch von Kompany Anteil. Genau wie die gesamte Bundesliga.
Ob aus Dortmund, aus Köln, Mainz oder Leipzig: Von überall schickten die Kollegen am Samstag Genesungswünsche in Richtung München – Werder Bremens Trainer Daniel Thioune bekam auch eine Antwort von Kompany. „Wir sind so oft Kontrahenten“, sagte er, „aber als Trainerkollegen halten wir auch zusammen und wissen, dass die Gesundheit unser höchstes Gut ist.“
Das sehen sie selbstverständlich auch in München so. Natürlich würden sich bei den Bayern alle wünschen, dass Kompany „so bald wie möglich wieder bei der Mannschaft sein kann“, sagte Hoeneß der Welt am Sonntag. Der 40-Jährige bekomme dabei aber „alle Zeit, die er braucht.“
Dass das keine Frage „von Tagen, sondern von Wochen“ sei, hatte Sportvorstand Max Eberl bereits zuvor unmissverständlich klar gemacht. Zunächst muss ohnehin noch geklärt werden, warum Kompany am Freitag am Rande des U23-Trainings kollabiert war. Erste Erkenntnisse hätte es zwar bereits gegeben, berichtete Eberl, dennoch müsse Kompany, „noch einige Tage im Krankenhaus bleiben, bis alles geprüft und gecheckt ist“.
Der Belgier soll so lange von der Arbeit ferngehalten werden, bis er sich wieder fit fühlt. Dass das nicht einfach wird, ist allen beim FC Bayern bewusst. Auch er habe seinem Chef erst einmal klar machen müssen, berichtete Vertreter Aaron Danks über ein Telefonat mit Kompany, „dass wir nicht über Fußball sprechen werden“.
Arbeiten bis zum Zusammenbruch
Kompany hatte schon vergangene Woche unter den Folgen einer Virusinfektion gelitten, verpasste dennoch kein Spiel. Dass er sich trotz der durchaus ernsthaften Erkrankung kaum schonte und buchstäblich bis zum Zusammenbruch weiterarbeitete, wirft dabei nur ein Schlaglicht auf Sorgen, die es beim FC Bayern offenbar schon länger gibt: dass Kompany sich zu viel zumutet und dabei seine Gesundheit aufs Spiel setzt. Zu wenig Schlaf, kaum Sport, unregelmäßiges Essen, Unmengen an Kaffee hätten innerhalb der Mannschaft schon länger Sorgen über die Arbeitswut des Trainers ausgelöst, berichtete die „Bild“-Zeitung aus dem Umfeld der Säbener Straße.
„Es ist wirklich nicht einfach, Vincent dazu zu bringen, sich auszuruhen„, sagte Co-Trainer Aaron Danks, der Kompany immerhin mal bei der Pressekonferenz am vergangenen Dienstag vertreten „durfte“. Da litt Kompany noch immer an den Folgen der Virusinfektion, die sich offenbar auch auf älteres Narbengewebe auswirkte und Hüftprobleme sowie Schmerzen in den Beinen auslöste, was dem Trainer das Gehen und Stehen erschwerte.
„Als Trainer will man immer alles tun und alles machen“
„Als Trainer will man immer alles tun und alles machen. Ich habe einen ziemlich saftigen Virus bekommen. Letzte Woche habe ich dann nicht auf meinen Körper gehört“, sagte Kompany selbst zu seinen Beschwerden nach dem 2:2 gegen Arsenal. „Und dann hat der Körper irgendwann gesagt: „Jetzt hör mal auf, Junge!“ Aber natürlich fühle ich mich besser, sonst wäre ich nicht hier.“ Offenbar eine Fehleinschätzung: Zwei Tage später brach Kompany zusammen.
Es werde wohl „die größte Aufgabe“, betonte Sportvorstand Eberl nun mit Blick auf Kompanys Genesungsprozess vielsagend, den Trainer „zu schützen, auch ein Stück weit vor sich selbst“. Kompany sei ein „unfassbarer Arbeiter“, der dazu neige, auch über den Punkt hinweg zu arbeiten, bei dem man normalerweise sage, „ich kann nicht mehr“.
So ist der akribische Belgier dafür bekannt, noch nach Spielen bis spät in die Nacht Videos vom nächsten Gegner zu sichten und für eigene Scouting-Trips in den kurzen Lücken des eng getakteten Spielplans auch strapaziöse Reisen auf sich zu nehmen. Als Kompany zusammenbrach, schaute er sich – trotz seiner angeschlagenen Gesundheit – gerade das Training der U23-Mannschaft der Bayern an. Auch das ist für einen Bundesliga-Trainer alles andere als ein Pflichttermin inmitten englischer Wochen.
„Wir sind alle stur“, sagt Trainer-Kollege Miroslav Klose
Wir wissen alle, wie anstrengend so ein Trainerjob ist“, sagte Dortmund-Coach Niko Kovac, der Kompany eine SMS schickte. Nürnbergs Trainer Miroslav Klose gestand: „Es ist nicht einfach, denn wir sind alle stur. Wir müssen uns selbst die Freizeit für den Kopf freischaufeln.“ Auch ihm gelinge es zu selten, mal abzuschalten.
Schalkes Aufstiegstrainer Miron Muslic kann nachvollziehen, was Kompany widerfahren ist: „Ich kenne das. Der Tag ist manchmal sehr, sehr lang. Unser Job ist sehr fordernd.“ Bisweilen auch überfordernd?
Bei den Bayern wird vorerst Kompanys Assistent Aaron Danks in die Chefrolle schlüpfen und mit dem übrigen Trainerstab die anstehenden Spiele bewältigen. Der Engländer genießt hohes Ansehen im Verein und auch bei den Profis. Am Mittwoch steht das DFB-Pokal-Spiel gegen den 1. FC Magdeburg an, am Samstag dann der Klassiker in der Liga gegen Borussia Dortmund, danach geht es in der Champions League zu Atlético Madrid.
Trotzdem bleibt die Situation eine Herausforderung für Kompany, für Danks, für die Spieler und die Bayern-Bosse. „Wir haben keine normale Phase. Wir haben die Geschichte mit Jamal Musiala gehabt. Wir haben das dramatische Erlebnis mit Joshua Kimmichs Papa gehabt. Wir haben die Geschichte mit Vinnie jetzt“, zählte Eberl auf: „Aber wir als Gruppe werden füreinander da sein.“
Er wünsche sich zwar, sagte BVB-Coach Niko Kovac mit Blick auf das Duell am kommenden Wochenende, dass er und Kompany sich „zumindest in der nächsten Woche noch mal hören können.“ Wichtig sei aber vor allem, seinem Kollegen „Ruhe zu geben, denn er braucht die Zeit.“

