Kein Kalajdzic, keine Tore: Die meisten Diskussionen beim ohnehin hektischen 0:0 zwischen dem 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart gab es am Sonntag um einen, der gar nicht dabei war. Denn Stuttgarts Torjäger Sasa Kalajdzic stand nicht im Kader. Der Österreicher, der im Sommer schon mit dem FC Bayern München und Borussia Dortmund in Verbindung gebracht worden war, steht offenbar vor einem Wechsel zum englischen Premier-League-Club Wolverhampton Wanderers. Deshalb hatte er auf eigenen Wunsch schon am Samstag beim Abschlusstraining des schwäbischen Fußball-Bundesligisten gefehlt.
Drei Tage nach dem Einzug in die Gruppenphase der Conference League blieb der FC in der Liga weiter ungeschlagen, kam zum dritten Mal in Folge aber nicht über ein Unentschieden hinaus. Auch der VfB spielte am vierten Spieltag zum dritten Mal Remis, hatte die andere Partie aber verloren und ist daher weiter sieglos. Stuttgart war dem Erfolg näher, scheiterte aber immer wieder am Kölner Torhüter Marvin Schwäbe. Und an der Roten Karte gegen Luca Pfeiffer (56.) – ausgerechnet den Ersatz von Kalajdzic. Weil er sich unter anderem darüber so aufregte, sah VfB-Coach Pellegrino Matarazzo auch noch Gelb-Rot (72.).
„Wir sind zum Schluss gekommen, dass es keinen Sinn macht, ihn mitzunehmen. Weil er sich im Kopf nicht frei genug fühlt, um heute auf dem Platz zu performen“, hatte Matarazzo bei DAZN über das Fehlen seines Torjägers gesagt. Der Ex-Darmstädter Pfeiffer war so zu seinem ersten Startelfeinsatz gekommen, sein Debüt endete nach einem Tritt auf den Knöchel von Timo Hübers aber vorzeitig. Die Kölner profitierten im vierten Spiel damit zum dritten Mal von einem Platzverweis des Gegners, schafften trotz mehr als einer halben Stunde Überzahl aber nicht mehr den zweiten Saisonsieg.
Kölns Trainer Steffen Baumgart änderte seine Startelf gegenüber dem 3:0 unter der Woche im Playoff-Rückspiel beim Fehérvár FC auf fünf Positionen. „Das sind keine Wechsel in dem Sinne, sondern im Sinne der Belastungssteuerung“, sagte der Coach. Dennoch wirkten die Gäste zu Beginn deutlich frischer und hatten schon in den ersten fünf Minuten drei ordentliche Chancen durch Wataru Endo nach 22 Sekunden, Silas (4.) und Konstantinos Mavropanos (5.). Die Kölner mussten zudem früh zwei Verletzungen wegstecken. Mathias Olesen musste nach 17 Minuten vom Feld, Jeff Chabot spielte trotz einer schon nach vier Minuten erlittenen Verletzung mit Kopfverband, der immer wieder nachgeklebt wurde, bis zur 52. weiter. Endgültig stoppte ihn dann eine weitere Blessur am linken Fuß.
Kölns Retter schon vor der Pause war Schwäbe, der gegen Silas zweimal überragend parierte (22./38.). Auch der FC hatte zwei Riesenchancen zur Führung, doch Kapitän Jonas Hector trat nach Freistoßablage von Ondrej Duda völlig ungedeckt aus zehn Metern mittig vor dem Tor am Ball vorbei (37.) und den Turban-Kopfball von Chabot schlug Mavropanos von der Linie (45.+2).
Die zweite Halbzeit begann mit den nächsten Chancen für Silas – und den nächsten Rettungstaten von Schwäbe (48./49). Dann sah Pfeiffer zurecht Rot und das zerfahrene Spiel wurde gar nicht so viel anders, weil der VfB sich in Unterzahl gut behauptete und die müden Kölner aus der Überzahl zu wenig machten. In der fünften Minute der Nachspielzeit rettete dann Florian Müller mit einer Glanzparade den verdienten Punkt für die Stuttgarter, als er einen Distanzschuss von Jan Thielemann entschärfte.
VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo zeigte sich nach seiner Gelb-Roten selbstkritisch. „Wenn man schon eine Gelbe Karte hat, kann man schon cleverer agieren“, sagte er mit einem Lächeln in der Pressekonferenz: „Das ist mein erster Platzverweis als Trainer. Als Spieler habe ich mehrere gehabt.“

VfB Stuttgart will Festpreis für Kalajdzic

Der VfB Stuttgart wird seinen wechselwilligen Topstürmer Sasa Kalajdzic keinesfalls unter Wert ziehen lassen. Das machte Sportdirektor Sven Mislintat nach dem 0:0 in der Fußball-Bundesliga beim 1. FC Köln deutlich.
Am Sonntagabend sprach noch nichts für einen Transfer, sagte Mislintat, „weil das Angebot nicht das ist, was wir uns vorstellen. Das wissen die Berater auch. Wir haben vorher klar besprochen, was ein realistischer Preis ist, davon sind wir weit entfernt.“
Der Vertrag von Kalajdzic in Stuttgart läuft zum Saisonende aus, dann könnte der Österreicher ablösefrei wechseln. Der Klub ist aber zuversichtlich, dieses Szenario verhindern zu können.
Vor dem Spiel in Köln habe Kalajdzic wissen lassen, dass er aufgrund der unklaren Situation „nicht komplett frei“ gewesen sei, sagte Mislintat. Deshalb stand Kalajdzic nicht im Kader.