Klaus-Dieter Rupp ist Vorstand beim FC Tauberbischofsheim
: „Ich habe keine Angst“

Seit knapp acht Monaten ist Klaus-Dieter Rupp aus Rot am See Vorsitzender des weltweit erfolgreichsten Fechtclubs in Tauberbischofsheim
Von
Ralf Mangold
Rot am See
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Klaus-Dieter Rupp war ein erfolgreicher Fechter und ist seit kurzem Vorstand beim Fechtclub Tauberbischofsheim⇥

Ralf Mangold

Die dominante Stellung des Fechtclubs Tauberbischofsheim im internationalen Sport unterstreichen die 38 Medaillen bei Olympischen Spielen und den Paralympics, 241 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie 655 Deutsche Meistertitel. In einem Verein mit Spitzensport ist der Vorstandposten beinahe ein Fulltimejob.

Herr Rupp, waren Sie früher selbst ein guter Fechter?

Klaus-Peter-Rupp: Ich hatte Emil  Beck als Trainer und war zumindest national recht erfolgreich.  Emil Beck hat mit seinem eigenen Stil das Fechten in Deutschland groß gemacht. Anfang der siebziger Jahre bin ich wegen der besseren Trainingsbedingungen von meinem Heimatverein in Bad Mergentheim nach Tauberbischofsheim gewechselt. Einer meiner Trainingspartner war übrigens Dr. Thomas Bach, der 1976 Gold mit der Mannschaft im Florett geholt hat und  heute Präsident des internationalen olympischen Komitees ist. Meine Motivation war es, als erfolgreicher Sportler bei möglichst vielen Turnieren in unterschiedlichen Ländern dabei zu sein. Damals waren solche Reisen noch etwas Besonderes, da konnte man nicht für 30 Euro nach Mallorca fliegen. Nachdem ich mit 26 Jahren meine aktive Laufbahn beendet hatte, habe ich die höchste Fecht-Trainerlizenz erworben und war Betreuer der deutschen Fecht-Nationalmannschaft. Zudem habe ich Nationalteams beispielsweise von Brasilien oder Kuweit bei Lehrgängen trainiert.

Wie sind Sie nun Vorstand bei einem international so erfolgreichen Verein geworden?

Ich war eine Zeit lang Geschäftsführer beim Verband und habe durch meine Marketingagentur viele Kontakte zur Wirtschaft. Auch nach meiner aktiven Zeit blieb der Kontakt zum Fechtclub immer gut Vor einem Jahr kam dann der Anruf, der Verein suche einen neuen Vorstand, der aus dem Fechtbereich kommt. Im Vorstand des Klubs waren nämlich nur Leute, die wenig Ahnung vom Fechten hatten. Dies sollte geändert werden. Ich war überrascht von der Anfrage, habe aber aus großer Verbundenheit sofort zugesagt.

Wie sehen ihre Aufgaben als Vorstand aus?

Der Fechtclub Tauberbischofsheim ist kein normaler Verein. Wir haben aktuell 300 aktive Fechterinnen und Fechter. Mit der Vermarktungsgesellschaft und dem Rehazentrum gibt es zwei ausgegliederte Firmen, die hundertprozentige Töchter des Vereins sind. Zudem haben wir einige Profi-Trainer unter den rund 20 Angestellten beim Verein, für deren Personalführung ich zuständig bin. Im Schnitt beschäftige ich mich momentan fast täglich vier bis fünf Stunden ehrenamtlich mit Vereinsangelegenheiten.

Fechten ist eine Randsportart und wird in der Öffentlichkeit oft nur bei Olympia wahrgenommen. Was machen Sie, um dennoch für Sponsoren attraktiv zu sein?

 sind wir ein Team mit vier Leuten, in dem sich neben mir unter anderem auch der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bronzemedaillengewinner am Reck Eberhard Gienger mit einbringt. Vor allem mit den Werten des Fechtsports wie Disziplin, Fairplay und Respekt versuchen wir uns mit unserem Bundesstützpunkt bei möglichen Werbepartnern aus der Region Heilbronn/Franken zu positionieren. Dabei betonen wir unsere tolle Jugendarbeit mit den vielen talentierten Nachwuchsleuten, die wir finanziell unterstützen.

Unzählige Medaillen haben die Tauberbischofsheimer Fechter bei internationalen Großveranstaltungen in den letzten Jahrzehnten gewonnen, Die Konkurrenz ist aber großer geworden …

Früher gab es nur starke Konkurrenz aus den Ländern des Ostblocks. Inzwischen gibt es aber gute Fechter auf der ganzen Welt. Dennoch sind wir national und international immer noch sehr erfolgreich.  Das ist sicherlich eine große Herausforderung, die wir als Verein und auch auf Verbandsebene annehmen müssen.

Der Säbel-Weltcup, der am vergangenen Wochenende in Tauberbischofsheim als Ersatzort für Padua hätte ausgetragen werden sollen, wurde kurzfristig ebenfalls abgesagt. Warum das?

Sicherheit und die Gesundheit der Menschen geht vor, deshalb haben wir den Weltcup abgesagt. Wir haben zudem als Vorsichtsmaßnahme den kompletten Trainingsbetrieb vorerst bis Sonntag  komplett eingestellt, nachdem bei einem Fechter der Virus nachgewiesen wurde. Neben dem Streben nach sportlichem Erfolg haben wir schließlich auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Es wäre aktuell grob fahrlässig, einen Wettkampf in Deutschland mit vielen Zuschauern durchzuführen. Die Jungs fliegen demnächst nach Buenos Aires und die Damen reisen mit der Nationalmannschaft in die USA. Wie es mit den Wettbewerben in Deutschland weitergeht, kann man jetzt noch nicht absehen.

Drohen in Zukunft weitere Absagen?

Weitere Absagen von Großveranstaltungen wie der nächste Weltcup in fünf Wochen, die deutsche Meisterschaften oder die Olympiaqualifikationswettbewerbe, die demnächst in Tauberbischofsheim ausgetragen werden sollen, wären natürlich auch finanziell und organisatorisch eine fundamentale Belastung für den Verein. Die Leistungssportler werden auf ihren Gesundheitszustand ständig überwacht. Auch die Olympiade in Tokio steht auf der Kippe. Eine Verschiebung wäre kaum praktikabel. Ich denke aber, dass Olympia aus kommerziellen Gründen nicht abgesagt wird. Es ist ja  noch ein bisschen Zeit bis dahin, für die Sportler wäre es natürlich schade.  Ich persönlich habe keine Angst wegen dem Virus.

Fechten Sie eigentlich noch selber?

Ich bin jetzt 63 Jahre alt. Da fehlt die nötige Beweglichkeit und Ausdauer. Nur noch ganz selten fechte ich ein bisschen aus Spaß.

In welcher Verbindung steht Ihre Firma „Victory-Medienservice“ eigentlich zu Radio Ton?

Meine Frau ist Geschäftsführerin von Radio Ton. Ich arbeite projektbezogen mit, beispielsweise beim Radio-Ton-Gourmetpalast.

Wie sehen ihre Ziele für die Zukunft des Fechtclubs Tauberbischofsheim aus?

Wir wollen möglichst viele Talente sportlich entwickeln, dass sie bei Olympia ihn Paris 2024 dabei und möglichst  sind. In diesem Jahr sind noch Wahlen und ich werde noch einmal kandidieren.  Für mich ist vor allem wichtig, dass das Team passt. Wir wollen gemeinsam die Strukturen im Verein weiter verbessern und  weitere Sponsoren hinzugewinnen. Aber nach den vier Jahren ist es dann aber gut und ich werde nicht mehr kandidieren.

Geburtstag.: 26.01.1957
Geburtsort: Bad Mergentheim
Wohnort: Rot am See
Familienstand: verheiratet, vier Kinder
Beruf: Marketingfachreferent, Diplom-Trainer, Physiotherapeut
Hobbys: Golf spielen, mit dem Hund spazieren gehen
Verein: Fechtclub Tauberbischofsheim
Größte sportliche Erfolge: 3. Platz deutsche Meisterschaft der Fechtmeister, mehrfacher Landesmeister, Teilnehmer an Junioren-Weltcups