Die Arbeitstage von Aleksandar Knezevic sind derzeit lang, „es gibt natürlich deutlich mehr zu tun als in normalen Zeiten“, berichtet der Geschäftsführer und Trainer der Bundesliga- Handballerinnen von Frisch Auf Göppingen mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie. Am frühen Mittwochabend hat die Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) das vorzeitige Saisonende erklärt, die noch ausstehenden acht Spieltage werden nicht mehr ausgetragen – die Göppingerinnen hätten dabei noch fünf Heimspiele zu bestreiten gehabt, unter anderem das zuschauerträchtige Duell mit Spitzenreiter Borussia Dortmund, der aktuell noch gar nicht weiß, ob er in der Geschichte einmal als Meister geführt werden wird. Klar aber ist nach der HBF-Entscheidung, dass es keine sportlichen Absteiger geben wird.

Saisonende kommt eher erwartet

„Dieser Saison-Abbruch kam für mich in Anbetracht der Entwicklung eher erwartet als überraschend, allein, dass es keinen gemeinsamen Beschluss mit der Männer-Liga gab, war vielleicht ein wenig überraschend“, ordnet Knezevic die Situation ein und verweist darauf, dass die HBF mit ihrem Geschäftsführer Christoph Wendt im engen Austausch mit den Vereinen die Entscheidungen treffe. So sollen der Meisterschafts-Endstand und alle damit verbundenen Folgen wie die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe erst noch geprüft werden. „Viele Szenarien sind möglich“, so Knezevic, der die Frisch-Auf-Frauen mit einer kleinen Unterbrechung seit 2009 trainiert und seit 2012 auch das Sagen auf der Geschäftsstelle hat, die zwar geschlossen ist, trotz aller Einschränkungen aber auch als Lagezentrum dient, um etwa mit einzelnen Spielerinnen Gespräche zu führen.

„Unsere aktuelle Lage ist nicht gut und nicht schön“, erklärt der als Profi äußerst erfolgreiche 51-Jährige, der in Banja Luka geboren wurde, für viele Klubs einschließlich Frisch Auf Göppingen spielte und an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney teilnahm. Knezevic weiß: „Das Unbekannte ist das größte Problem. Wir wissen nicht, was in welchem Zeitfenster noch kommt, das macht die Arbeit extrem schwierig.“ Der Familienvater dürfte vielen Verantwortungsträgern aus der Seele sprechen, „wenn wir mehr Klarheit hätten, ließen sich leichter Lösungen finden“.

Finanzielle Auswirkungen sind enorm

Im Moment gelte es, an allen Ecken den Laden zusammenzuhalten und von Tag zu Tag zu überlegen, wie man den Schaden begrenzen kann, so der Manager mit Blick auf die finanziellen Auswirkungen des Coronavirus auf den Erstligisten. „Wir prüfen jede Kleinigkeit und haben auch viele Fragezeichen“, so Knezevic, der aktuell beispielsweise klärt, welche Kosten für die nicht ausgetragenen Heimspiele bereits entstanden sind und eventuell zurückgeholt werden können.

Beratungen mit der Mannschaft

Hatte der Geschäftsführer am Montag zunächst die 14 Spielerinnen umfassende Mannschaft in einer Teambesprechung über die Gesamtsituation informiert, standen in den vergangenen beiden Tagen Einzelgespräche an, um mit jeder Akteurin, die alle neben dem Sport in Teilzeitjobs tätig sind, die persönliche Lage zu erörtern. „Wir prüfen das Thema Kurzarbeit, die Spielerinnen wollen mithelfen, damit es bei den Frisch-Auf-Frauen weitergeht“, kann Knezevic signalisieren, der natürlich auch im Austausch mit Arbeitsagentur, Steuerberater und Anwalt steht. „Wir versuchen alles, damit die Frisch-Auf-Frauen weiterhin existieren, was letztlich auch für die gesamte Liga gilt, jeder ist gefordert“, so die deutlichen Worte des Geschäftsführers, der als Trainer derzeit nicht gefordert ist. „Der Übungsbetrieb ist auf null gestellt, wenn, dann halten sich die Spielerinnen selbst fit, schließlich scheint mir die Austragung des Pokal-Final- Four auch nur noch in der Theorie möglich“, glaubt Knezevic, der sich mittlerweile auch schon um die kommende Saison Sorgen macht: „Wir  haben bislang für 2020/21 sieben Spielerinnen unter Vertrag. Diese und kommende Woche sollten mehrere ­Spielerinnen zum Probetraining nach Göppingen kommen, aber die dürfen ja nicht einmal ihre ­Länder verlassen.“ Womit derzeit an eine Kaderplanung nicht zu ­denken sei.

Frisch Auf vor Abbruch auf Tabellenplatz elf


Bundesliga In der aktuellen, jetzt abgebrochenen Erstliga-Saison hatten die Handballerinnen von Frisch Auf Göppingen einen schwierigen Start und wiesen nach acht Spieltagen nur 2:14 Punkte auf. Drei Siege an den kommenden vier Spieltagen verbesserten das Bild deutlich, mit momentan 10:26 Punkten belegt das Knezevic-Team den elften Rang unter 14 Vereinen. Im Pokalwettbewerb zog Frisch Auf mit drei Auswärtssiegen ins Final Four ein, das Ende Mai in Stuttgart angesetzt war, mittlerweile aber ohne Neuansetzung verschoben ist. haz