Handball-EM: Trotz Pleite gegen Kroatien: Deutschland steht im Halbfinale!

Deutschlands Sebastian Heymann (hinten) bei einem seiner Torerfolge kurz vor der Halbzeitpause.⇥
Federico GambariniDer Druck war weg. Das letzte Hauptrunden-Match für die deutschen Handballer ist dann doch mehr zu einem letzten Test vor dem Halbfinale gegen den großen Favoriten Dänemark am Freitag (20.30 Uhr/ZDF) geworden. Der Ausgang der Begegnung gegen Kroatien, die das DHB-Team nach einem Fehlwurf-Festival vor allem in der zweiten Halbzeit 24:30 (14:13) verlor, war nicht mehr relevant, da die beiden Spiele zuvor in der wieder ausverkauften Kölner Lanxess Arena ideal für die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason gelaufen waren. Die Österreicher waren in einem packenden Kampf Island 24:26 (8:14) unterlegen. Frankreich besiegte Ungarn 35:32 (18:20), unter dem Jubel der Zuschauer, die nicht auf einen Entscheidungskrimi im Abendspiel aus waren. Denn schon während der Partie ermunterten sie die Mannschaft um den diesmal geschonten Nikola Karabatic in ihren Angriffsbemühungen.
„Das macht uns unheimlich stolz“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer, nachdem das von ihm und anderen DHB-Offiziellen als Ziel ausgegebene Halbfinale festgestanden hatte. „Wir haben zwar nicht die beste Turnierleistung gezeigt, aber uns immerhin viele Chancen heraus gespielt“, sagte Kromer. Für ihn ist klar: „Wenn man im Halbfinale steht, will man auch ins Finale kommen. Das ist hier, mit dem Heimpublikum, auch möglich.“ Der Druck liegt dann beim Weltmeister. Denn für Dänemark wäre alles andere als der Titelgewinn eine Enttäuschung.
Durch das Erreichen der Runde der letzten Vier sicherte sich das deutsche Team zudem die direkte Qualifikation für die WM-Endrunde, die im kommenden Jahr in Kroatien, Dänemark und Norwegen ausgetragen wird. Der Fokus lag trotz der klaren Ausgangslage von Beginn an auf der lange ausgeglichenen Partie. Kroatien um seinen wieder genesenen Star Domagoj Duvnjak war anzumerken, dass es nicht mit einer Niederlage aus dem Turnier gehen wollte. Deutschland startete mit dem Göppinger Sebastian Heymann in der Abwehr für Spielmacher Juri Knorr.
Gislason nutzte die Chance, die Spielminuten und damit die Belastung zu verteilen. Mit im Team, aber zunächst auf der Bank, war wieder der zuletzt erkrankte Rechtsaußen Timo Kastening, für den der nachgeholte Lukas Zerbe weichen musste. Torhüter Andreas Wolff war gleich gut im Spiel, mit vier Paraden in den ersten fünf Minuten. Dem stand aber sein Gegenüber Dominik Kuzmanovic nicht nach, im Gegenteil. Im Verlauf der Partie kam er auf überragende 22 gehaltene Bälle.
DHB-Team vergibt viele Chancen
Die erste kritische Situation gab es Mitte der ersten Halbzeit in doppelter Unterzahl beim Stand von 6:7 zu überstehen, Christoph Steinert und Heymann hatten zwei Minuten kassiert. Doch noch brannte wenig an. Auch wenn nicht alles glänzte im Spiel nach vorne, ihr Kämpferherz zeigte die junge deutsche Mannschaft einmal mehr. Beispielhaft die starken Szenen des Göppingers Heymann in den Minuten vor der Halbzeitpause, als er zunächst den 12:13-Anschlusstreffer erzielte, gleich darauf in der Abwehr den Ball herausfischte und im Gegenzug Justus Fischer am Kreis in Szene setzte, der zum Ausgleich traf. Die 14:13-Führung zur Halbzeit besorgte der Göppinger Rückraumschütze dann wieder selber.
Nach der Pause kam David Späth für Wolff und im Feld die zweite Reihe. Auch der U21-Weltmeister im Tor zeigte sein Können und hielt die munter durchgetauschte Mannschaft, die vorne nun reihenweise teils beste Möglichkeiten vergab, im Spiel. Viel Pause bekam der ansonsten fast ständig im Einsatz stehende Innenblock um Kapitän Johannes Golla und Julian Köster.
Kromer bat um Verständnis für die langen Schonzeiten der Stammspieler: „Die Dänen haben einen Tag länger Pause als wir.“ Er ist aber auch zuversichtlich: „Ich denke, wir haben eine Abwehr, die auch den Dänen Sorgen bereiten kann.“
Pläne für großes Spiel im Bernabéu-Stadion
Nach dem Weltrekord-Spiel in der Düsseldorfer Fußball-Arena plant die Europäische Handballföderation das nächste Spiel vor einer atemberaubenden Kulisse. „Wir sprechen im Moment mit Spanien für das Finalwochenende 2028 in Madrid, wo wir gern ins Bernabéu-Stadion gehen würden. Das wäre nochmal eine größere Nummer“. sagte EHF-Präsident Michael Wiederer der „Sport Bild“. Die EM in vier Jahren soll vom 13. bis 30. Januar 2028 in Spanien, Portugal und der Schweiz ausgetragen werden.
Über 80 000 Menschen passen bei Heimspielen des spanischen Erstligisten Real Madrid in das Stadion. „Der Name Bernabéu hat einen gewissen Sound. 2028 ist noch weit, aber wir beschäftigen uns intensiv damit“, sagte Wiederer weiter. Bei entsprechender Organisationskompetenz und -kapazität könne ein Finale im Stadion ausgetragen werden.
