Es hat deutlich länger gedauert als geplant, aber nun soll es so weit sein. Wenn die Mitgliederversammlung am 27. Januar zustimmt, wird die Lizenzmannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball rückwirkend zum 1. Juli 2019 aus dem Verein ausgegliedert und in einer Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) neu gegründet.  Nötig sind für diesen Schritt 75 Prozent Zustimmung. Die Vorstände Anton Gugelfuß, Thomas Oelmayer und Alexander Schöllhorn sehen für diesen Schritt keine Alternative. Und haben auch keine Zweifel, dass die Mitglieder ihr o.k. dazu geben.

Neuer Umsatz-Rekord

Die Voraussetzung jedenfalls stimmen. Im Rechnungsjahr 2018/19 stieg der Umsatz auf die Rekordhöhe von 3,4 Millionen Euro – vor allem deswegen, weil die Spatzen allein aus den beiden DFB-Pokalspielen gegen Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf 750­ 000 Euro an Einnahmen  generierten. Zum Vergleich: In der Saison 2017/18 setzten die Fußballer 2,1 Millionen Euro um. Da aber die Sachkosten durch die zunehmende Professionalisierung und höhere Personalkosten im selben Maße stiegen, blieb ähnlich wie im Vorjahreszeitraum (37 000 Euro) nur ein kleiner Gewinn von 31 000 Euro.

Keine Riesensprünge möglich

„Diese Zahl zeigt, dass trotz eines Rekordumsatzes in der bisherigen Form kein Riesenergebnis möglich ist“, sagte Finanzvorstand Schöllhorn und spielte damit bei der Presserunde am Mittwoch den Ball weiter auf seinen Kollegen Oelmayer, der sich seit einigen Jahren – abgesehen von einer Pause nach einer schweren Erkrankung, welche die Verzögerung verursacht hat – das Thema Ausgliederung mit Hilfe seiner Kanzlei vorangetrieben hat.

Wichtige Entscheidung

Wir stehen jetzt an einer Schwelle. Der Regionalliga-Fußball in Ulm ist nicht der Bringer, wir sind mit unseren 1000 Mitgliedern kein großer Verein. Wenn wir uns strukturell weiter entwickeln wollen, müssen wir jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen“, sagt Oelmayer.

Die Ausgliederung der Lizenzspielermannschaft – alle andere Bereiche, die Jugend- und Frauenmannschaften bleiben beim e.V.  – senke, so Rechtsanwalt Oelmayer,  das Risiko für den Hauptverein, sichere dessen Gemeinnützigkeit und soll mögliche Investoren animieren,  im Fußball-Lizenzspielerbereich zu investieren.

Investoren aus Ulm und Umland

Die Frage, ob Investoren für den Fall der erfolgreichen Ausgliederung schon Zusagen für einen Einstieg gegeben haben, wollte die Vereinsführung nicht bestätigen. „Es gibt aussichtsreiche Gespräche“, sagt Sportvorstand Anton Gugelfuß. Er und seine Kollegen wiesen darauf hin, dass mögliche Investoren aus Ulm und der Region kommen sollen. „Wir suchen eine Ulmer Lösung“, sagt Oelmayer, der ein Konstrukt wie beim TSV 1860 München, wo der umstrittene Jordanier Hasan Ismaik am Ruder ist, unbedingt vermeiden möchte.

Vorstand in Doppelfunktion

Hinzu kommt, dass sich bei den handelnden Personen nichts ändern wird. Oelmayer, Gugelfuß und Schöllhorn bleiben nicht nur an der Spitze des SSV Ulm 1846 Fußball e. V., sondern werden in Personalunion auch die ausgegliederte SSV Ulm 1846 Fußball GmbH & Co. KGaA leiten. Vorerst ist auch kein hauptamtlicher Geschäftsführer für die KG vorgesehen. „Wir machen das in einer Doppelrolle. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen loszulassen“, sagt Oelmayer.

Gugelfuß warnt indessen vor allzu hohen Erwartungen nach einer erfolgreichen Ausgliederung. „Wir schaffen damit lediglich die Grundlage für eine erfolgreiche sportliche Zukunft. Wenn aber die Region nicht mitzieht und die Ausgliederung nicht als Chance sieht, werden wir zwischen Regional- und Oberliga pendeln.“

Eine Marke mit fast zwei Millionen Euro Wert


Der Wert der Marke SSV Ulm 1846 Fußball beträgt 1 973 000 Euro. Das hat der Kanzlei Schneider Geiwitz ermittelt. Laut DFB-Vorgaben ist für die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung ein Wert von einer Million Euro nötig. Diese Schwelle haben die Spatzen auch deswegen überschritten, weil sie einer der 56 Vereine sind, die schon in der Bundesliga waren.