Das dritte Gegentor in der Nachspielzeit habe einfach ins Bild gepasst, sagte Jo Reichert nach der 1:3-Niederlage gegen die TSG Balingen. Der Innenverteidiger und Kapitän war auf dem Weg zur Kabine sichtlich bedient: „Wir haben einfach nicht ins Spiel gefunden.“ Und auch, wenn das Trainerteam um Holger Bachthaler in den kommenden Tagen die Gründe noch einmal genau analysieren wird: Für den Moment trifft es Reicherts Aussage auf den Punkt. Der SSV Ulm 1846 Fußball tat sich von Beginn an gegen den bis dato noch sieglosen Gegner schwer.

Die Balinger störten früh, waren zumindest in der Anfangsphase im Pressing einen Schritt schneller als die Ulmer, hatten dann zwei, drei Möglichkeiten. Zunächst noch ungefährlich. Balingen stand als Tabellensechzehnter unter Druck – und spielte wie eben jener, der nichts zu verlieren hat und auf die große Überraschung setzt. Nur phasenweise schön, dafür effizient.

0:1 aus Spatzen-Sicht – Spiegelbild des Spielverlaufs

Eine Schlüsselszene des Spiels war das 0:1 aus Ulmer Sicht. Eine Grätsche von SSV 46-Stümer Haris Hyseni, der von Anfang an auf dem Platz stand, brachte Balingen den Freistoß. Hyseni sah die gelbe Karte, die Flanke des Gegners kam gefährlich vors Ulmer-Tor. Im Strafraumgewirr versuchte Innenverteidiger Lukas Hoffmann den Ball zu klären, köpfte allerdings Mitspieler Vinko Sapina aus kurzer Distanz an. Und der Ball flog hinter die Linie. Als „Spiegelbild“ für den gesamten Spielverlauf, wertete Trainer Bachthaler diese Szene.

Die Hand des Gegenspielers aus Balingen im Gesicht: Ulms linker Außenverteidiger Marcel Schmidts.
© Foto: Lars Schwerdtfeger

Wenige Minuten später sollte sich die Lage für den Gastgeber weiter zuspitzen. Eine Flanke von Balingens Kaan Akkaya fand seinen Mitspieler im Ulmer Strafraum. Daniel Seemann kam frei zum Kopfball, SSV 46-Torhüter Christian Ortag war machtlos – das 0:2 (15.). Was vor der Partie auf dem Papier nach einer relativ klaren Sache aussah, hatte sich nach einer Viertelstunde komplett gedreht. Plötzlich stand Ulm unter Druck. Und das war dem Spiel der Spatzen anzusehen: zerfahren, wenig Ruhe am Ball. Mehrmals ging ein Raunen durch die Zuschauerränge, doch aus aussichtsreichen Chancen resultierten keine Treffer. Bis zur 44. Minute: Lennart Stoll spielte den Ball von rechts in den Strafraum, Hyseni lenkte ihn mit dem Kopf weiter – und Ardian Morina stand bereit. Der Anschlusstreffer, sein drittes Saisontor.

Lukas Hoffmann sieht die rote Karte in der 80. Minute

In der zweiten Halbzeit – David Braig kam für den in manchen Aktionen unglücklich aussehenden Hyseni – wollte Ulm, konnte aber nicht. Die Spatzen fanden keine Mittel, trotz besserem Zugriff aufs Spiel als in Hälfte eins.

Dafür wurde es in den letzten zehn Minuten noch einmal laut auf dem Platz: Innenverteidiger Lukas Hoffmann sah die rote Karte, Balingens Daniel Seemann gelb-rot. Als er ausgewechselt wurde, lief er nicht, wie nach neuer Fifa-Regelung zur nächstgelegenen Außenlinie. Hoffmann, der neben ihm stand, schubste ihn Richtung Linie. Seemann ging zu Boden. „Das darf Lukas nicht passieren“, sagte Bachthaler im Nachhinein, wenngleich der Gegenspieler das dankbar angenommen habe. Dieser sah für die Zeitschinderei erst einmal gelb – und als es sich auf dem Platz etwas beruhigte – aus selbem Grund ein zweites Mal.

„Wir müssen uns die Niederlage selbst zuschreiben“, sagt Bachthaler nach der Partie. Bei seinem Team sei es vor allem eine Sache der Einstellung gewesen. Für die TSG Balingen ist es der erste Sieg in einem Auswärtsspiel seit ein einhalb Jahren.

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So haben sie gespielt


SSV 46 Fußball – TSG Balingen

1:3

SSV 46 Fußball: Ortag – Stoll,  Reichert, Hoffmann, Schmidts – Geyer (62. Kienle) – Gashi, Sapina, Coban (85. Jann) – Morina, Hyseni (46. Braig)
Tore: 0:1 Eigentor (12.), 0:2 Seemann (15.), 1:3 Morina (44.), 1:3 Huss (90.+6) 
Bes. Vork.:  Rote Karte für Hoffmann (SSV 46, 80.), gelb-rot für Seemann (TSG, 80.)
Gelbe Karten: Hyseni (11.), Coban (58.) – Schuon (38.), Binanzer (88.)
Schiedsrichter: Philipp Reitermayer
Zuschauer: 1486