Die letzte Szene des Spiels beschreibt die Partie ziemlich gut: Der TSV Ilshofen bekommt einen Freistoß zugesprochen. Die Entfernung ist nicht optimal, aber mit 25 Metern aus halbrechter Position passabel. Maximilian Eiselt steht bereit. Er hatte im WFV-Pokalspiel bei den Sportfreunden Schwäbisch Hall mit einem Freistoß für den Ausgleich gesorgt und kurz vor Ende der Verlängerung mit einem Elfmeter für den Siegtreffer. Eiselt hat die Wahl zwischen einer Flanke und einem Schuss, entscheidet sich für Letzteres. Doch er trifft den Ball nicht optimal, der mehr als zwei Meter über das Reutlinger Tor fliegt. Sofort verlieren die Ilshofener ihre Körperspannung, Maximilian Eiselt dreht kopfschüttelnd ab. Wieder mal lässt der TSV eine Chance, diesmal die letzte, ungenutzt.

„Wir waren zu hektisch, uns fehlte die Kaltschnäuzigkeit“, fasste Ilshofens Trainer Michael Hoskins die 90 Minuten gegen Reutlingen zusammen. Ein Blick in die Runde seiner Spieler verdeutlichte, dass diese wohl genauso dachten.

Die Mienen sind nicht komplett unzufrieden, aber mürrisch. Das überall greifbare Gefühl hieß: Da wäre für die Hausherren mehr drin gewesen.

So ist die Freude über den ersten Punkt in der zweiten Oberligasaison nicht zu bemerken. Doch von einem verschenkten Sieg wollte Michael Hoskins nicht reden. „Betrachtet man nur die erste Halbzeit, dann ja, aber die zweite Hälfte war ausgeglichen.“ Dort hatten beide Mannschaften Gelegenheiten zur Führung, vergaben diese aber meist in fahrlässiger Weise. Baba Mbodji rettete zweimal auf der Linie, das erste Mal nach nur 40 Sekunden der zweiten Halbzeit, das zweite Mal in der Schlussphase, in der beide Mannschaften die jeweiligen Fehler des Gegners nutzten, um schnell in Strafraumnähe zu kommen.

Harmlose Gäste

„Vermutlich haben die Reutlinger in der Pause einen ordentlichen Weckruf des Trainers erhalten,“ meinte Michael Hoskins. Denn abgesehen von den ersten zehn Minuten, in denen Reutlingen mehr Ballbesitz hatte, aber harmlos war, kam von den Gästen wenig. Ilshofen übernahm mehr und mehr das Kommando.

Vor allem über die rechte Seite lief viel. Dominik Rummler schaffte es zweimal bis zur Grundlinie, zweimal passte er zurück. Zweimal stand Dominik Pfeifer parat, zweimal vergab er die gute Chance – einmal mit Gewalt drüber, einmal links vorbei. Lukas Lienert kam kurz vor der Pause nach einem Eckball zum Kopfball, den Xaver Pendinger im Reutlinger Tor mit viel Mühe um den Pfosten lenkte. Die Führung des TSV wäre verdient gewesen gegen Gäste, die vor allem mit ihrer Fanschar Eindruck schindeten: Rund 60 Reutlinger sangen nahezu ohne Pause, blieben friedlich, kultivierten ihr Bad-Boy-Image aber durch massenhafte Verbalinjurien.

Gute Gelegenheit

Nach der Pause waren die Gäste besser im Spiel. Karel Nowak im Ilshofener Tor musste zweimal energisch eingreifen. Und doch blieb den Ilshofenern die beste Gelegenheit vorbehalten: Drei Minuten vor dem Ende konterte der TSV schnell und direkt. Der eingewechselte Lukas Lindner legte quer auf den ebenfalls eingewechselten Benjamin Kurz, der Zeit genug für eine Ballannahme gehabt hätte, sich aber zum Direktschuss entschloss. Hoch und weit ging der Ball über das Tor.

Nach dem ersten Punkt in der neuen Oberliga-Saison steht dem TSV Ilshofen eine englische Woche bevor: Morgen Abend tritt er um 19 Uhr in der zweiten Runde des WFV-Pokals beim Verbandsliga-Aufsteiger TSV Heimerdingen an. Am kommenden Sonntag folgt der Oberliga-Spieltag bei der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart.

So spielten sie


TSV Ilshofen –
SSV Reutlingen

0:0

Ilshofen: Karel Nowak, Timo Brenner, Dominik Pfeifer, Baba Mbodji, Stani Bergheim (65. Lukas Lindner), Maximilian Eiselt, Jonas Lausenmeyer (65. Sangar Aziz), Dominik Rummler, Lukas Lienert, Noah Feil (60. Simon Wilske), Daniel Schelhorn (80. Benjamin Kurz).

Schiedsrichter: Dennis Bauer (Erdmannhausen)