Es gibt viele Redewendungen im Fußball und eine besagt, dass man seine Spiele nicht gewinnen kann, wenn man vorne seine Chancen nicht nutzt. Dies mussten die Oberliga-Fußballer des SSV Reutlingen 05 am Sonntag im Topspiel bei den Stuttgarter Kickers am eigenen Leib erfahren. Nach insgesamt 96 Minuten trotteten die 05er mit hängenden Köpfen vom Platz. Besonders bitter, weil die Rus-Truppe insbesondere zu Beginn beider Spielhälften die klar bessere Mannschaft und wieder einmal bei einer Standard-Situation nicht auf der Höhe war.

Bildergalerie SSV Reutlingen: Knappe Niederlage vor sensationeller Kulisse

So hatte Marcel Avdic nach 120 gespielten Sekunden die Führung auf dem Fuß, fand in Kickers-Schlussmann Castellucci jedoch seinen Meister. In den ersten zehn Minuten der Partie schnürten die Gäste die Kickers in deren Hälfte regelrecht ein. „Unser Pressing zu Beginn des Spiels war sehr gut“, lobte SSV-Cheftrainer Teodor Rus sein Team. Mit fortlaufender Spieldauer übernahmen die Hausherren jedoch immer mehr das Kommando und so hatte der Ex-Reutlinger Tobias Feisthammel nach 16 gespielten Minuten die Möglichkeit zur Führung. Sein Kopfball flog jedoch knapp über das Gehäuse von SSV-Keeper Jurkovic. Auf dem sehr nassen und tiefen Boden hatten alle 22 Akteure extreme Probleme mit der Standfestigkeit. Auch das Kurzpassspiel wurde des öfteren durch den schlechten Zustands des Rasen gestoppt. So war es nicht verwunderlich, dass eine Standardsituation den Führungstreffer einleitete. Kickers-Linksfuß Michael Klauß brachte einen Eckball zielgenau auf den kurzen Pfosten und fand dort den Kopf von Shkemb Miftari, der aus kurzer Distanz einnickte (30.). „Wir wussten um die Stärke der Kickers bei Standardsituationen und haben das im Verlauf der Begegnung eigentlich auch ganz gut gemacht. Nur einmal haben wir gepennt und waren nicht auf der Höhe“, sagte Rus nach der Partie. So ging es mit einer knappen Führung für die Blauen in die Kabinen.

Ausgleich auf dem Fuß

Nach dem Seitenwechsel waren die Reutlinger die aktivere Mannschaft. Cristian Giléz Sanchez hatte dann nach 57 gespielten Minuten den Ausgleich auf dem Fuß, zielte jedoch zu ungenau und schlenzte den Ball am Pfosten der „Blauen“ vorbei. Nun war der SSV am Drücker und die Kickers schafften es kaum noch für Entlastung zu sorgen. Die Chance des Tages vergab dann der Reutlinger Marcel Avdic, als er gekonnt den Degerlocher Schlussmann aussteigen ließ und das Kunststück fertig brachte, den Ball aus sechs Metern Entfernung nicht im leeren Tor unterzubringen (63.). Bei einem Fernschuss von Tim Schwaiger musste Castellucci im SVK-Kasten sein ganzes Können aufbieten, um den Ausgleich verhindern (65.). Danach nahmen sich die Reutlinger eine kleine Verschnaufpause und ließen den Kickers wieder etwas mehr Raum. Die beste Chance aufs 2:0 hatte SVK-Mittelfeldspieler Valentin Vochatzer, der mit einem 20-Meter-Schuss Milan Jurkovic im SSV-Kasten prüfte (89.). In der fünften Minute der Nachspielzeit hätte sich Reutlingens Innenverteidiger Ruben Reisig fast noch zum Helden des Tages gekrönt, doch er brachte aus kurzer Distanz den Ball nicht an Castellucci vorbei und so blieb es am Ende beim knappen 1:0-Erfolg für die Kickers.

„Glückwunsch an Tobias Flitsch und sein Team. Wir ein tolles Fußballspiel zweier hochmotivierter Mannschaften gesehen. Im ersten Durchgang hat uns etwas die Entschlossenheit gefehlt. Im zweiten Spielabschnitt hatten wir dann mehr vom Spiel und konnten uns auch einige Chancen erarbeiten. Und da muss von Gilés, Avdic oder Reisig ein Ball einfach über die Linie“, zeigte sich Rus nach der Niederlage etwas enttäuscht und ergänzte: „Einen Punkt hätten wir hier mindestens verdient gehabt.“

Sein Gegenüber Tobias Flitsch, der Tobias Feisthammel zum ersten Mal auf der Sechs aufstellte, war hingegen überglücklich: „Es war wichtig, mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, um dann am 7. Januar mit Vollgas in die Vorbereitung zu starten.“

Steno mit SSV-Noten


SV Stuttgarter Kickers gegen
SSV Reutlingen Fußball

1:0

Stuttgarter Kickers: Castellucci – Niedermann, Feisthammel (90. Kling), Ludmann, Auracher, Amachaibou (81. Stepčić), Klauß, Halili, Vochatzer, Tunjic, Miftari (90. Jäger).

SSV Reutlingen: Jurkovic (Note: 3) – Schiffel (3,5) (80. Kuengienda/-), Vogler (3), Reisig (3,5), Milisic (3,5), Schwaiger (3), Eiberger (3,5) (80. Gümüssu/-), Wöhrle (3), Gilés Sanchez (3,5), Avdic (4,5) (77. Schmitt/-), Schneider (3,5) (59. Sessa/4).

Tor: 1:0 Miftari (30.).
Zuschauer: 6350 (im Gazi-Stadion auf der Waldau).