„Ungewohnter Anzug vs. ungewohntes Terrain“ – unter diesem Motto stand ein Fußballspiel der etwas anderen Art in Reutlingen. Während in den Amateurligen der Ball coronabedingt seit Wochen nicht mehr rollen kann, hat man sich in der Achalmstadt Gedanken darüber gemacht, wie man trotz des Virus die fußballlose Zeit zumindest für einen Moment unterbrechen kann.

Feuerwehrleute in ABC-Schutzanzügen

Auslöser war ein Video der Feuerwehr Stuttgart, das in den sozialen Netzwerken die Runde machte. Darauf zu sehen: Acht Feuerwehrleute in ABC-Schutzanzügen, die gegen einen Ball treten. „Wir hätten da eine Idee zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs“, scherzte man im Social-Media-Team des Kreuzeiche-Clubs in Richtung Württembergischen Fußballverband und teilte besagtes Video auf Facebook. Das Echo ließ nicht lange auf sich warten: Bei der Freiwilligen Feuerwehr Reutlingen Stadtmitte rannte man mit dieser Idee offene Türen ein. Schnell war ein Termin gefunden, und nachdem auch das Amt für Schulen, Jugend und Sport grünes Licht für den Kick unter garantiert coronasicheren Bedingungen gab, fand jetzt der achtminütige Showdown im Schatten das Kreuzeichestadions statt.

Corona-Kick: Feuerwehr Reutlingen gegen den SSV Reutlingen

Fünf gestandene aktive Feuerwehrleute standen gegen fünf Oberliga-Recken des SSV – Denis Lübke, Marvin Jäger, Enrico Piu, Onesi Kuengienda, Pierre Eiberger –, auf dem Platz, alle virensicher verpackt in schweren Schutzanzügen. Für die Spieler beider Teams eine Grenzerfahrung, nicht nur wegen des hohen Gewichts der Spezialausrüstung, sondern auch, weil beide Teams auf ein Training verzichteten und sich so mehr oder weniger unvorbereitet auf das Spiel unter „etwas anderen Bedingungen“ einließen. Nach 2x4 Minuten (ohne Nachspielzeit) hieß es 2:2. Doch anders als sonst, wenn an der Kreuzeiche um Punkte gekämpft wird, stand bei diesem Spektakel der Spaß im Vordergrund und der Wille, mit dem ungewöhnlichen Corona-Kick Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Crowdfunding-Aktion läuft noch

Denn aktuell kämpft der SSV Reutlingen, wie viele Vereine, mit den Auswirkungen der Coronakrise, die auch ein finanzielles Loch reißt. Mit einer Crowdfunding-Aktion, die jetzt in die entscheidende vierte Woche geht, wollen Unterstützer des Kreuzeicheclubs versuchen, die Lücke zu schließen. Dabei geht es nicht allein um das bloße Sammeln von Spenden. Viel mehr können auf der Plattform www.fairplaid.org/unserssv Prämien gekauft werden. Bei diesen handelt es sich um Fan-Artikel wie Schals und T-Shirts oder auch exklusive Events wie Stadionführungen oder ein Meet & Greet mit der Auftstiegsmannschaft von 2000. Unternehmen haben die Möglichkeit, sich über das Crowdfunding attraktive Werbe- und Ticketpakete zu sichern. Auf diesem Weg sollen bis zum 22. Juni 50 000 Euro zusammenkommen.

Freikarten für die Feuerwehr Reutlingen

Einig waren sich alle, dass hoffentlich schon bald der Ball unter regulären Wettkampfbedingungen rollen wird – dann wieder vor vollen Rängen und in bequemerer Sportkleidung. Auch eine Abordnung der Reutlinger Feuerwehr wird dann wieder im Stadion erwartet, diesmal als Zuschauer. Denn als Dankeschön dafür, diesen Spaß mitgemacht zu haben, gab es Freikarten für die ehrenamtlichen Brandbekämpfer.