Nach den beiden Kanterniederlagen der Vorsaison (0:5 auswärts, 1:6 daheim) lieferte Fußball-Oberligist SSV Reutlingen in der Kleiner-Arena in Remchingen-Nöttingen den gastgebenden Badenern einen über weite Strecken offenen Schlagabtausch, musste sich aber letztlich nicht unverdient mit 1:3 beugen.

Drittschlechteste Auswärtsteam der Oberliga

Damit fuhr der diesmal ganz in orangefarbener Auswärtsspielkleidung angetretene FCN seinen erst zweiten Heimsieg ein, während die Achalmstädter nicht nur weiter auf den dritten Auswärtssieg warten, sondern zum Vorrundenende auch das drittschlechteste Auswärtsteam der Oberliga Baden-Württemberg stellen.

Auftakt verschlafen

Letztlich waren verschlafene Anfangsminuten für die Niederlage in der Kleiner-Arena (das frühere Panoramastadion erhielt diesen Sponsorennamen) verantwortlich. Die Hausherren starteten deutlich aggressiver und agiler in die mit einer Viertelstunde wegen angeblichen Sorgen bezüglich Fanzusammenstößen (unter den knapp 200 angereisten Gästesympathisanten waren viele Anhänger des VfB Stuttgart, die offenbar auf Konfrontationen mit KSC-Fans hofften)  gestarteten Partie.

Frühes 1:0

Nachdem De Santis (4.) noch mit einem Kopfball gescheitert war, schoss Eray Gür in der elften Minute aus zwölf Metern unbedrängt ein, die SSV-Defensive hinterließ dabei alles andere als einen souveränen Eindruck.

Die Schläfrigkeit bei den Gästen ließ nicht nach, ganz im Gegenteil: schon in der 20. Minute profitierte Mario Bilger von viel zu viel Freiraum und ließ SSV-Torwart Piu mit seinem Schuss zum 2:0 keine Chance.

Beim Kreuzeicheklub klemmte es hinten wie vorne,  denn auch der Spielaufbau verlief schleppend und träge. Hätte  Enrico Piu nach 33 Minuten gegen Kolbes Kopfball aus vier Metern nicht fabelhaft pariert, wäre schon eine frühe Vorentscheidung gefallen.

Erst unmittelbar vor der Pause wachte der SSV auf, doch Onesi Kuengienda verpasste den Anschlusstreffer, als er aus sechs Metern freistehend vorbeiköpfte (40.).

SSV wie verwandelt

Nach dem Seitenwechsel schien Maik Schütts Kabinenpredigt gefruchtet zu haben. Die Achalmstädter wirkten wie ausgewechselt, präsentierten sich aggressiver und zielstrebiger. Die frühe Folge waren gleich zwei Großchancen unmittelbar nacheinander, als zunächst Kuengienda (47.) nach einem Solo mit seinem Schuss aufs kurze Eck ebenso an FCN-Keeper Dups scheiterte wie eine Minute darauf Daniel Elfadli mit einem prächtigen Volleyschuss aus 18  Metern.   Doch nur sechs Zeigerumdrehungen später war es soweit: Elfadli flankte in die Mitte, wo sowohl Reisig als auch Kuengienda die Chance hatten, an den Ball zu kommen. Letztlich schnappte der Kongolese seinem Mitspieler den Ball weg und verkürzte mit einem Drehschuss zum 2:1 (54.).

Elfmeter schockt Gäste

In eine offene Phase, in welcher der Ausgleich möglich schien, fiel ein umstrittener Elfmeter: Jäger soll Neziraj gefoult haben, der nicht immer sattelfeste Schiedsrichter Sascha Kief entschied auf Strafstoß. Mit dem 3:1 durch Timo Brenners fünften Saisontreffer war die Messe gelesen. SSV-Keeper Piu war mit den Händen noch am Ball.

Danach war die Luft heraus. Nöttingen verpassste zwei Mal das 4:1, als Di Piazza (87. und 89.) jeweils aus kurzer Entferung in Piu seinen Meister fand. Der SSV hatte Pech, als der eingewechselte Willie Sauerborn in der 90. Minute den Pfosten traf.

Handspiel moniert

„Wir hatten in der ersten Halbzeit keinen Zugriff. Erst nach der Pause gewannen wir das Gros an Zweikämpfen und gefielen mit Pässen in die Tiefe. Den umstrittenen Elfmeter möchte ich nicht kommentieren“, meinte SSV-Trainer Maik Schütt.

„Vor dem 1:0 spielte ein Nöttinger den Ball mit der Hand, der Elfmeter war aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung. Der Schiedsrichter hat dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt“, klagte SSV-Kapitän Pierre Eiberger.

„Wir wussten um die Reutlinger Qualitäten, hätten aber schon früher das dritte und vierte Tor erzielen müssen“, fand auch FCN-Trainer Michael Wittwer ein Haar in der Suppe.

So spielten sie


FC Nöttingen  –
SSV Reutlingen

3:1

FC Nöttingen: Dups – Kolbe (71. Fuchs), Hecht-Zirpel, Brenner, Manduzio, Gür, Bilger (90. Ursino Lima), Di Piazza, Ulusoy, De Santis (85. Pagna), Neziraj (81. Schäfer).
SSV Reutlingen: Piu – Schramm, Staiger (46. Sauerborn), Reisig, Nuraj, Jäger, Schiffel, Elfadli (80. Schneider), Eiberger, Kuengienda, Zukic (81. Küley).
Tore: 1:0 Gür (11.), 2:0 Bilger (20.), 2:1 Kuengienda (54.), 3:1 Brenner (70., Foulelfmeter).
Gelbe Karten: – / Reisig, Nuraj, Jäger.
Schiedsrichter: Sascha Kief (Reilingen).
Zuschauer: 726.

SSV daheim stark, auswärts im Statistik-Keller. Zweiter der Zuschauer-Rangliste


Die Vorrunde der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg ist abgeschlossen. Der SSV Reutlingen Fußball (27:27 Tore, 22 Punkte) liegt vor den heutigen Samstagspielen auf Tabellenplatz neun, dürfte aber noch abrutschen. In der Heimtabelle sind die Kreuzeichekicker Vierter mit 20:9 Toren und 15 Punkten.  Weniger erfreulich sieht es für die „Nullfünfer“ in der Auswärtstabelle aus. Hier findet man die Reutlinger nur auf dem drittletzten Rang. In neun Spielen in der Fremde kassierte man sechs Niederlagen, spielte ein Mal remis und konnte nur zwei Siege feiern. Hingegen sind die Reutlinger in der Zuschauerrangliste der Oberliga Baden-Württemberg wieder ein Topteam: mit 1130 Zuschauern im Schnitt muss man sich hier nur den Stuttgarter Kickers beugen, die weit vorne liegen und sagenhafte 2757 Zuschauer pro Partie zu ihren Heimspielen auf der Waldau begrüßten – wobei das zuschauerträchtige Heimderby gegen den SSV noch für weiteren Anstieg der Kickers-Bilanz in der Rückrunde sorgen dürfte. Beste SSV-Torjäger nach der Vorrunde sind Onesi Kuengienda und Willie Sauerborn, die beide jeweils sieben Mal trafen. alex