Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Der SSV Reutlingen muss das auf Samstag terminierte Heimspiel gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen ohne Publikum bestreiten. Geisterspiel somit an der Kreuzeiche.

Schuld daran sind nicht die Reutlinger Fans, die ab und zu auch schon für Schlagzeilen sorgten. Es waren ausschließlich Anhänger der Stuttgarter Kickers, die beim 2:2-Remis an der Kreuzeiche am 3. November 2019 bengalische Feuer abbrannten und ihren Gästeblock mit Rauchbomben einhüllten.

Nur eine Handvoll Chaoten

2298 Zuschauer waren damals live vor Ort dabei, bis auf vielleicht eine Handvoll Chaoten aus dem Stuttgarter Lager verhielten sich alle vollkommen unauffällig und regelkonform.

Dass jetzt ein Heimverein fürs Verhalten von Gästeanhängern bestraft wird, ist eher ungewöhnlich. Üblicherweise werden bei solchen Vergehen, die eindeutig einer bestimmten Anhängerschaft zuzuordnen sind, die Strafen zielgenau in Richtung Fans und Verein der Verursacher ausgesprochen.

Verlust mehr als 10 000 Euro

„Wir werden geschädigt, ohne dass  unsere Fanszene in Erscheinung getreten ist. Ich rechne mit einem finanziellen Verlust von mehr als 10 000 Euro“, sagt Theo Faßnacht, Vorsitzender des SSV Reutlingen Fußball.

  Bedenkt man, dass in Deutschland in jüngster Vergangenheit unzählige Spiele mit dem Abzünden von Rauchbomben und bengalischen Feuern keinen Zuschauerausschluss zur Folge hatten, lässt einen das Urteil auf württembergischer Ebene staunend zurück.

In anderen Fällen gibt es keine Geisterspiele

Am Freitagabend brannten beispielsweise die Fans des 1. FC Nürnberg beim 1:0-Sieg in Karlsruhe um Zweitligapunkte im Schnitt alle knapp zehn Minuten ein bis zwei bengalische Feuer in ihrem Gästeblock ab, nachdem sie zum Intro der ersten und zweiten Halbzeit schon für einen durchgehend mit Bengalos ausstaffierten und unter Feuer stehenden Sektor gesorgt hatten.

Die KSC-Fans beschränkten sich hierbei ausschließlich auf eine brennende Heimtribüne beim Einlaufen der Mannschaften mittels einer zweistelligen Anzahl von bengalischen Fackeln.

Fans planen ein Bierfest

Dagegen ist die Stuttgarter Pyroshow in Reutlingen geradezu lächerlich und harmlos. Weder der KSC noch der 1. FCN werden demnächst befürchten müssen, vor leeren Rängen zu kicken, gleichwohl werden beide Klubs nicht um saftige Geldstrafen herumkommen.

Die ungewöhnliche Vorgehensweise ruft in Reutlingen nicht nur Unverständnis hervor, sondern auch Eigeninitiative der Fans. Die Szene E will am Samstag hinterm Kreuzeichestadion ein Bierfest ausrichten und mit den daraus erwirtschafteten Einnahmen den finanziellen Schaden des SSV Reutlingen Fußball etwas mildern.