Fußball-EM 2024
: Drama in Stuttgart: Später Knockout trifft DFB-Elf ins Mark

Die deutsche Nationalmannschaft ist nach einem packenden Halbfinale ausgeschieden. Das unglückliche 1:2 gegen Spanien schmerzt. Der Bundestrainer kämpft mit den Tränen.
Von
Carsten Muth
Stuttgart
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Euro 2024: Spanien - Deutschland: 05.07.2024, Baden-Württemberg, Stuttgart: Fußball, UEFA Euro 2024, EM, Spanien - Deutschland, Finalrunde, Viertelfinale, Stuttgart Arena, Deutschlands Torhüter Manuel Neuer (r) reagiert nach dem Spiel. Foto: Tom Weller/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Deutschlands Torhüter Manuel Neuer verlässt enttäuscht den Platz, währen die Spanier ihren Halbfinaleinzug feiern.

Tom Weller/dpa

Was war das für ein harter Fight. Und was für eine bittere Niederlage. Mit 1:2 verlor die deutsche Fußball-Nationalelf am Freitagabend vor 54.000 Zuschauern in Stuttgart ihr Viertelfinale gegen Spanien. Der Siegtreffer für die Iberer fiel eine Minute vor dem Ende der Nachspielzeit. Damit treffen die Spanier am Dienstag (21 Uhr) in München auf den Sieger Portugal gegen Frankreich. Die deutsche Mannschaft hingegen ist raus aus der EM. „Es ist vorbei und einfach nur traurig. Gerade hilft gar nichts. Es ist total schwer, damit umzugehen“, sagte Niclas Füllkrug hinterher. Nicht nur der Stürmer von Borussia Dortmund war tief enttäuscht. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann, der mit stockender Stimme sein Team lobte. „Es tut richtig weh, wir hatten eine gute Zeit und eine Mannschaft, die zusammengehalten hat“, sagte Nagelsmann und kämpfte dabei mit den Tränen.

Das Spiel hatte allen Beteiligten Energie gekostet. Denn es war sofort Dampf drin. Toni Kroos räumte gleich mal Pedri ab. Wenig später war für den spanischen Mittelfeldspieler Schluss. Er musste verletzt ausgewechselt (6.). Dani Olmo von RB Leipzig kam aufs Feld. Dann senste Antonio Rüdiger Olmo um und sah Gelb (14.). Es ging ordentlich zur Sache.

Die Spanier hatten zunächst Vorteile und die bessere Raumaufteilung. Die DFB-Elf hingegen kämpfe mit der eigenen Nervosität, leistete sich viele Fehler im Spielaufbau, ließ dem Gegner zu viel Platz, benötigte 20 Minuten bis zum ersten Angriff. Kai Havertz köpfte den Ball nach Flanke von Joshua Kimmich in die Arme von Keeper Unai Simon (21.). Auch Havertz' zweiter Versuch, ein Schuss aus 20 Metern, wehrte Simon problemlos ab (28). Die beiden Teams mit ihren technisch so starken Spielern kämpften verbissen um die Kontrolle auf dem Platz. Es war ein hochintensives Match, kein spielerischer Leckerbissen. Einen souveränen Eindruck machte die deutsche Defensive nicht, auch wenn die DFB-Auswahl nun das Geschehen zusehends ausgeglichen gestaltete. Gut, dass Manuel Neuer auf der Höhe war und einen Schuss Alvaro Moratas entschärfte (38.). So ging es torlos in die Pause.

Can überraschend für Andrich in der Startelf

Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte überraschend Emre Can in die Startformation gestellt. Der Dortmunder durfte als defensiver Mittelfeldspieler an der Seite von Toni Kroos ran, hatte aber Schwierigkeiten, seinen Rhythmus zu finden. Robert Andrich musste für Can auf der Bank Platz nehmen. David Raum und Leroy Sané erhielten wie schon beim 2:0 im Viertelfinale gegen Dänemark den Vorzug gegenüber Maximilian Mittelstädt und Florian Wirtz.

Zur Pause reagierte der Bundestrainer. Er brachte Wirtz für den enttäuschenden Sané. Und Andrich kam für den unsicher agierenden Can. Beinahe wäre Spanien kurz nach Wiederanpfiff in Führung gegangen. Morata schoss aus kurzer Entfernung und aus der Drehung drüber (46.). Sechs Minuten später war es dann so weit. David Raum ließ Lamine Jamal zu viel Platz. Der 16-Jährige passte nach innen, wo Dani Olmo unbedrängt einschießen konnte (52.).

Nagelsmann reagierte erneut, brachte nun auch Mittelstürmer Niclas Füllkrug für Kapitän Ilkay Gündogan und Maximilian Mittelstädt für Raum. Die DFB-Elf übernahm jetzt das Kommando und deutlich gefährlicher. Vor allem der Leverkusener Wirtz brachte Schwung. Andrich scheiterte nach Füllkrug-Ablage an Simon (69.), der Schuss von Havertz wurde im letzten Moment abgeblockt (71.). Die Spanier verwalteten ihre Führung und waren mit dem Glück im Bunde. Füllkrug traf nach Wirtz-Zuspiel den Pfosten (78.). Was für ein Pech für die deutsche Elf, die alles in die Waagschale warf. Jetzt wackelten die Iberer gewaltig. Havertz vergab die nächste Chance - und was für eine. Er hob den Ball über Keeper Simon hinweg. Der Ball flog aber nicht ins leere Tor, sondern zum Entsetzen der deutschen Fans drüber (83). Die Nagelsmann-Schützinge blieben am Drücker – und erzielten den verdienten Ausgleich. Der starke Kimmich legte nach Mittelstädt-Flanke per Kopf auf Wirtz ab, der Simon mit einem Flachschuss überwand. 1:1 – die Stuttgarter Arena bebte (89.). Verlängerung.

Schiedsrichter verweigert DFB-Elf Handelfmeter

Dort verpasste Wirtz nur knapp den zweiten deutschen Treffer (105.). Ein Elfmeter verweigerte Schiedsrichter Taylor den Deutschen. Marc Cucurella wehrte einen Musiala-Versuch mit dem Arm ab. Doch der Pfiff blieb aus. Auch der VAR griff nicht ein (106.). Als das Elfmeterschießen kurz bevorstand, schlug Spanien eiskalt zu. Mikel Merino köpfte ein – und zerstörte den deutschen Traum vom Weiterkommen, auch weil Füllkrug nochmal knapp den Ausgleich verpasste (122.).

Die deutschen Spieler lagen nach dem Abpfiff abgekämpft auf dem Rasen. Für Deutschlands Taktgeber Toni Kroos endet nicht nur das Turnier, sondern seine Karriere. Der 34-Jährige hatte bereits im Vorfeld angekündigt, sein letztes Spiel als Profi bei der EM bestreiten zu wollen. In der Kabine sprach der 34-Jährige nochmal zur Mannschaft und gab ihr mit auf dem Weg, den Glauben an sich zu bewahren.