Lewis Hamilton klopfte liebevoll auf die abgenutzten Reifen und den aufgehitzten Rahmen seines Mercedes, als wollte er seinem Formel-1-Rennwagen persönlich danken. Der Silberpfeil hatte den Engländer zum späten Triumph über Herausforderer Max Verstappen. Letztlich war Hamiltons dritter Saisonerfolg aber vor allem der Verdienst seiner Strategen, das wusste auch der Brite. „Ich fühle mich großartig“, sagte Hamilton, „es war am Ende ein echtes Pokerspiel. Die Strategie hat sich ausgezahlt, das war eine tolle Leistung des ganzen Teams.“ Verstappen hatte das späte Überholmanöver des Engländers „kommen sehen“, sagte der Niederländer: „Lewis hatte mit den neuen Reifen deutlich mehr Geschwindigkeit als wir. Ich konnte die Position nicht mehr halten.“
Verstappen lag in seinem 100. Rennen für Red Bull wurde Zweiter, Valtteri Bottas im zweiten Mercedes Dritter. Sebastian Vettel fuhr als 13. wie zuletzt in Portugal ein unauffälliges Rennen im Mittelfeld. Der viermalige Weltmeister gewann nach dem Start eine Position, fiel nach einem äußerst mäßigen ersten Boxenstopp aber zurück. Formel-1-Neuling Mick Schumacher machte auf Platz 18 erneut das Beste aus seinen Möglichkeiten. Der 22-Jährige gewann nach dem Start zwei Plätze, konnte diese aber nicht verteidigen. Das Duell mit Teamkollege Nikita Masepin gewann der Deutsche aber erneut.
Hamilton startete solide, noch besser aber kam Verstappen abseits der Ideallinie von der Stelle. Der Niederländer bog neben Hamilton in die erste Kurve und fuhr die Ellbogen aus - mit einem harten, aber fairen Manöver übernahm Verstappen die Führung.
Entscheidend absetzen konnte sich Verstappen zunächst aber nicht. Hamilton kam dem DRS-Fenster näher und profitierte in der achten von 66 Runden von einer Safety-Car-Phase. Den Neustart drei Umläufe später kontrollierte Verstappen mit dem Weltmeister am Heck aber gut. An der Reihenfolge änderte sich nichts.
Verstappen wechselte nach 24 Runden bei einem langsamen Stopp auf Medium-Reifen. Der erwartete, sofortige Konter Hamiltons blieb aber aus. Der Brite tauschte erst vier Runden später die Reifen, drückte dann aber massiv aufs Tempo.
Der auf rund sechs Sekunden gewachsene Rückstand schrumpfte im Eiltempo, Hamilton war zurück in der DRS-Zone und kämpfte im Windschatten Verstappens um die Führung. Er biss sich jedoch die Zähne aus, wechselte deshalb in Runde 43 erneut die Reifen und begann die finale Aufholjagd.
Während Hamilton Tempo machte, wuchsen bei Verstappen, der nun zur Ein-Stopp-Strategie gezwungen war, die Zweifel. Nachdem Valtteri Bottas seinem Teamkollegen Platz zwei kampflos überlassen hatte, tauchte der Engländer wenig später wieder in Verstappens Rückspiegel auf – und nutzte den Vorteil der frischeren Reifen zum lockeren Überholmanöver sechs Runden vor Schluss.

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Pole Positions hat Lewis Hamilton in seiner Karriere nun eingefahren. Das Jubiläum brachte ihm zudem den 98. Sieg seiner Laufbahn ein.